Blinde Passagiere

Älteste Seepocken auf Museumsfossil gefunden

13. Dezember 2011, 20:19
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    foto: apa/alice schumacher nhm

    Ein Ausschnitt der Gesteinsplatte auf der die Seepocken entdeckt wurden. Abdrücke auf der Unterseite der Seepocken zeigen, dass die kleine Kolonie auf dem Panzer einer Meeresschildkröte saß.

Wissenschafter des Naturhistorischen Museums Wien wiesen auf 20 Millionen Jahre alten fossilen Überresten von Seepocken Abdrücke von Schildkrötenpanzer nach

Wien - Seepocken sind eine Krebsart, die jeder Mittelmeerurlauber kennt. Uferfelsen und Muscheln sind von kleinen Kegeln übersät. Schon als Larven verankern sich die Tiere fix auf ihrem Platz und filtern das Wasser nach Nahrung. Manche Seepocken-Arten setzen sich auch auf der Haut von Walen oder dem Panzer von Meeresschildkröten fest. Im Naturhistorischen Museum Wien (NHM) haben Wissenschafter nun auf einem Fossil die älteste bisher bekannte Seepockenkolonie auf einem Schildkrötenpanzer entdeckt und damit nachgewiesen, dass die Tiere schon vor 20 Millionen Jahren die Weltmeere als blinde Passagiere durchpflügten.

Die Vorfahren der Seepocken entstanden bereits vor mehr als 500 Millionen Jahren, jene der Schildkröten vor über 200 Millionen Jahren. Ab wann die Krebse die Schildkröten als Transportmittel nutzten war bisher unbekannt. Den ältesten Nachweis dieser Verbindung haben nun Mathias Harzhauser, Leiter der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am NHM, und Seepockenspezialisten des Scripps-Institute of Oceanography in Kalifornien (USA) gefunden und ihre Ergebnisse im Fachblatt "Journal of Systematic Palaeontology" veröffentlicht.

Unscheinbares Fossil

Entdeckt wurde die tierische Verbindung auf einem unscheinbaren Fossil, das sich seit mehr als 20 Jahren in der Sammlung des NHM befindet. Geborgen wurde es damals bei einer Notbergung bei Pucking (Bezirk Linz-Land, OÖ) und war "zunächst nur Beifang zu einem spektakulären Fund, dem größten je entdeckten fossilen Mondfisch", wie Harzhauser erklärte.

In ganz anderem Zusammenhang ist der Wissenschafter wieder auf die nur rund zehn Zentimeter große Gesteinsplatte gestoßen. Auf dieser finden sich die fossilen Überreste von sechs Seepocken, die vor über 20 Millionen Jahren auf den schlammigen Boden des Paratethys-Meeres sanken. Zu dieser Zeit erstreckte sich quer durch das heutige Alpenvorland ein tiefes Ozeanbecken. Den Wissenschaftern gelang es in detektivischer Arbeit, die Unterseite der Tiere frei zu präparieren. "Abdrücke zeigen dort eindeutig, dass die kleine Seepocken-Kolonie einst auf dem Panzer einer Meeresschildkröte aufsaß", so Harzhauser, "definitiv der älteste Hinweis" auf diese tierische Verbindung.

Viel früher dürften die Seepocken noch nicht huckepack auf große Fahrt gegangen sein. Denn Verwandte der nun beschriebenen Seepocken, die rund 50 Millionen Jahre alt sind, "schauen deutlich anders aus", erklärte der Wissenschafter. (APA, red)

Hotblack_Desiato
01
14.12.2011, 10:27
danke, interessanter artikel

beim rumstöbern auf der wiki bin ich auf deren verwandte gestoßen, die wurzelkrebse, bzw sacculina carcini.

ehrlich, bei den viechern gehts noch heftiger zu als in manchen horrorfilmen. heftet sich an den bauch von krabben, wuchert dann mit einem wurzelartigen gewebe in den körper der krabbe, kastriert sie und verhindert das häuten. wenn das krebsweibchen von einem mann begattet wird (sprich, die männliche wurzelkrebslarve dockt an und verschmilzt da rein), bildet das weibchen eierknollen aus, welche die krabbe für ihre eigenen eier hält und fleissig bemuttert.

hätte steven spielberg das in einem film genutzt, man hätt ihm gesagt, er solls nicht übertreiben. das glaubt doch eh niemand.

Trurl
00
15.12.2011, 17:24

Sacculina carcini: Die deutsche Bezeichnung als "Sackkrebs" finde ich sehr passend...

Falls beim 'rumstöbern' nicht gefunden; hier der fulltext-Artikel zum Seepocken-Fund aus Pucking:
http://www.nhm-wien.ac.at/jart/prj3... rt2011.pdf

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