Österreichischer Paleoanthropologe entdeckte an fossiler Schädelbasis stärker ausgeprägte Geruchsareale
"Immer der Nase nach" ist womöglich ein evolutionäres Erfolgsmotto gewesen. Der Homo sapiens scheint über einen deutlich besseren Geruchssinn zu verfügen als sein einstmaliger Zeitgenosse, der Neandertaler. Das behauptet zumindest der in Spanien tätige und aus Österreich stammende Wissenschafter Markus Bastir in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Nature Communications.
Grundlage für die Spekulationen des Paläoanthropologen ist die Entdeckung, dass sowohl die Riechkolben als auch die Schläfenlappen beim modernen Menschen im Vergleich mit dem Neandertaler stark vergrößert sind. Bisher hat man in der Evolutionsbiologie eher auf die Zunahme der Gehirngröße geachtet - doch Neandertaler und Homo sapiens bildeten im Laufe der Evolution ähnlich große Gehirne aus.
Größere Riechareale im Hirn
"Deshalb haben wir uns angeschaut, wie das Gehirn mit seinen Arealen umorganisiert wurde", so Bastir, der am Naturwissenschaftlichen Museum in Madrid tätig ist. Durch neue 3-D-Methoden konnte er mit Kollegen errechnen, dass die Areale, welche die Riechkolben unterstützen, beim modernen Menschen um etwa zwölf Prozent größer als beim Neandertaler sind.
Bastir konzediert zwar, dass es schwierig sei, aufgrund von Fossilien Aussagen über das Verhalten zu treffen. "Aber man könnte vermuten, dass sich beim modernen Menschen geruchsorientierte Verhaltensaspekte stärker ausgeprägt haben." Etwa bei Gruppenzugehörigkeit oder Partnerwahl könnte der Geruch das Verhalten gesteuert haben. So sagt man ja auch heute Sätze wie: "Ich kann dich nicht riechen." (APA, tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2011)