Australisches Modell

Wer als Akademiker genug verdient, zahlt wieder zurück

13. Dezember 2011, 18:42

Australien als Vorbild für Studiengebühren auf Kredit

Wien - Was Finnland in der Schulpolitik, ist Australien in der Studiengebührenfrage: Es wird immer wieder als Vorbildmodell genannt. Die Idee hinter dem "Higher Education Loan Programme" (HELP) ist, dass die Studierenden (Studienanfängerquote 94 Prozent) erst für ihre Ausbildung zahlen müssen, sobald sie auch finanziell davon profitieren. Für die Zahlung der Studiengebühren gewährt ihnen der Staat einen zinslosen Kredit, den sie erst nach Erreichen eines bestimmten Einkommens zurückzahlen müssen (nicht an internationale Studierende, die bis zu doppelt so hohe Gebühren zahlen müssen).

Wird einem Studenten das Darlehen zugesprochen, zahlt die Regierung den ganzen oder den Großteil seines Studienbeitrags direkt an die Uni, die - ähnlich wie im Modell von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle - Gebühren autonom bis zu einer von der Regierung gesetzten Maximalgrenze festlegt. Die Beiträge variieren je nach Fach: Für Mathematik oder Naturwissenschaften sind bis zu 4520 australische Dollar (3400 Euro) zu zahlen, für Medizin und Jus bis zu 9425 australische Dollar (7200 Euro).

Erreicht der Student während oder auch erst nach dem Studium eine gewisse Einkommensgrenze (rund 48.000 australische Dollar im Jahr 2011/12), zahlt er das Darlehen an die Einkommenssteuer verknüpft zurück. Je höher das Einkommen, desto höher auch der Prozentsatz (zwischen vier und acht Prozent), mit dem die Gebühren zurückgezahlt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, das Darlehen vor Studienantritt oder zumindest vor Erreichen der Verdienstgrenze "freiwillig" zurückzuzahlen, was mit einem Nachlass honoriert wird. (APA, nim; DER STANDARD; Printausgabe, 14.12.2011)

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Flood
00
14.12.2011, 18:02

Also die in den Artikel gestreute "94% Studienanfängerquote" in Australien glaub ich einfach nicht. Das geht sich schon mit Sockelarbeitslosigkeit etc. nicht aus. Die einzige OECD-Studie, die ich gefunden habe, spricht von 85% 2007, was auch schon extrem ist. Da hat wahrscheinlich jeder Schlossermeister einen "akademischen Abschluss".

665
00
14.12.2011, 14:51
ich dachte die Unis brauchen 2012 Geld. . .

und nicht erst 2020?
Durchschnittlich 5 Jahre Studium und dann 2.200 Durchschnittsgehalt bto, dann weiter 5 - 6 Jahre bis sie/er die kolportierten 3.500 bto verdienen (oder halt 20 Dienstjahre bei einem Lehrer). Und dann beginnen sie erst mit der Rückzahlung.
Ich akzeptiere ja, dass Politiker gänzlich gegen Studiengebühren sind und meinen dass das die Unis zu 100% von allen Steuerzahlern zu finanzieren sind (auch wenn ich diese Meinung überhaupt nicht teile!!). Aber ich verstehe nicht, wie dann genau dieselben Politiker ein dermaßen neoliberales System vorschlagen können, in dem sich Studenten auf Jahrzehnte verschulden sollen.

kleiner Schelm
00
14.12.2011, 17:01
Bekommen sie ja auch 2012!

- Die Studiengebühren werden sofort fällig (ab 2012 zB).
- Der Staat vergibt (wie BAFÖG in D-Land) günstige, zinslose Darlehen an Studenten, die damit *sofort* die Gebühren bezahlen.
- Die Studenten zahlen das Darlehen ab, sobald sie genug verdienen (z.B. ab 1600€ pro Monat = Durchschnittsverdienst).
- Die Rückzahlung des Darlehens kann als für Ausblidung nötige Ausgabe abgesetzt werden (sofern Student in Österreich Lohst. zahlt)

665
00
14.12.2011, 18:12

. . . und 2015 sperren wir die Unis zu oder verkaufen sie an internationale banken...

500 Euro Kredite mit 20 Jahre Laufzeit, das rettet uns sicher vor der Schuldenfalle

samba cat
00
14.12.2011, 11:10
"nicht an internationale Studierende, die bis zu doppelt so hohe Gebühren zahlen müssen"

damit kann man sich den rest des vorbilds auch schon sparen. australien ist bekanntlich nicht in der eu.

sterngucker
 
06
14.12.2011, 10:27
Fällt nur mir der Widerspruch auf

daß dieselben Leute, die Schulden als Wurzel allen Übels begreifen und eine Schuldenbremse in die Verfassung einbauen wollen, jungen Menschen ein Paket von gut und gern zwei Jahresgehältern Schulden auf den Weg mitgeben wollen?

Waxolunist
00
15.12.2011, 10:09

Schauens, hätten die Sozen einfachen Studiengebühren von 5000 Schilling im Semester zugestimmt, dann hätt ma die ganze Diskussion erst gar net.

Saurer Zivi
00
14.12.2011, 12:56
Sie müssen hier wohl unterscheiden, dass dieses "Darlehen" nicht wie herkömmliche Schulden einforderbar ist. Erst bei entsprechendem Verdienst.

Mir gefällt das sehr gut. Hieße es doch, dass BM Töchterle selber endlich zur Kassa gebeten wäre, der er doch ohne jede Studiengebühr zu so einer Magnifizenz herangereift ist.

sterngucker
 
00
14.12.2011, 14:30
Ändert das irgendetwas daran, daß es Schulden sind?

Macht es einen Unterschied, ob ich wenig verdiene, weil mir monatlich vierhundert Euro für die Darlehensrückzahlung vom Lohn abgezogen werden, oder weil mein Gehalt so mies ist? Und das nur, weil Sie Herrn Töchterle eins auswischen wollen?

Saurer Zivi
00
15.12.2011, 10:23
Ich find den Gedanken, dass diejenigen, die KEINE Gebühren bezahlen mussten bzw sich nicht dem Spießrutenlauf der Stipendien antun mussten, weil sie keinen Gebühren unterworfen waren, nun dafür plädieren, den jungen Menschen das Gewicht der Finanzier

ung ihrer eigenen Institution und ihres Berufes umzuschnallen.

Niemand will der Magnifizenz eines "auswischen".

Faymann hat mit dem australischen Modell einen sehr guten Vorschlag gemacht. Auch der Vorschlag, dass nur sehr reiche Personen oder die Kinder dieser zahlen sollen.

Warum wollen Sie nie bei den Unis selber sparen?

Kann mich noch erinnern, als Mitarbeiter verschiedener Institute auf Teufel komm raus um den Globus telefonierten - ohne jedes Limit. Der Steuerzahler zahlts eh, bzw. die Studierenden. Das ist mE ein Wahnsinn.

Was die Immobilien angeht detto.

kleiner Schelm
00
14.12.2011, 17:03

Es dürfte kaum Möglich sein, Gebühren für eine Leistung um "Nachhinein" zu erheben.

Eine "Akademikersteuer" wäre diskriminierend.

Es wird wohl ein Kreditmodell - das kann aber sehr gut ausgestaltet werden!

sterngucker
 
00
14.12.2011, 22:32
Das beantwortet meine Frage noch immer nicht

Warum werden Schulden generell verteufelt, und jungen Menschen aus weniger begüterten Familien möchte man sie von Beginn an mitgeben?

kleiner Schelm
00
15.12.2011, 11:45

Man kann und soll Schulden machen -- wenn damit eine INVESTITION verbunden ist, wie zum Beispiel eine Ausbildung, die dann einen hohen Verdienst ermöglicht.

Schuldenmachen um - wie in der EU - Sozialsysteme aufrechtzuherhalten, die wir uns an sich nicht leisten können ist natürlich Unfug, da haben Sie recht.

hyperbolics
00
15.12.2011, 02:16

niemand verteufelt das schulden-machen, im gegenteil, man wiederholt ja immer wieder, dass wachstum an das kreditsystem gekoppelt ist, bzw. u.a. davon abhängt.
nur - in letzter zeit ist die sache etwas außer kontrolle geraten, um das gelinde zu sagen, und die muss man nun zurückgewinnen.

aber man darf, soll und wird immer schulden machen können!

AsaJoe
00
14.12.2011, 10:25
Es lebe die Gießkanne!

Es ist ja nicht so, dass wir dem netten Onkel "Staat" auf Knien danken müssten, dass er uns "gratis" studieren lässt.

Erstens, wie hier bereits richtig festgestellt wurde, zahlen wir mit unseren Steuern die ganze Chose sowieso.

Zweitens besteht ein Bedarf an Absolventen: Jedes Land braucht soundsoviele Ärzte, Anwälte, Volkswirte, Dolmetscher, Chemiker und, ja, auch Theaterwissenschafter, Philosophen usw.

Wenn man aber nicht klar definieren kann, wieviele Absolventen einer Studienrichtung er braucht und daher zu fördern bereit ist, muss man eben für alle zahlen. Wobei "man" natürlich wir sind.

Es gehört einfach endlich einmal erhoben, wieviele wovon gebraucht werden.

Der Rest soll zahlen, etwas anderes studieren oder ein Jahr warten.

harri678
01
14.12.2011, 08:36

Mein Arbeitskollege hat bis zum PhD in Australien studiert und schimpft über das System. Er meint, sobald Geld ins Spiel kommt steht dieses immer im Vordergrund und Qualität rückt in den Hintergrund.

aleph null
23
14.12.2011, 05:27
Dieses Modell setzt voraus,

dass man dann als Akademiker ausreichend verdient, um all das hernach zurückzuzahlen.

Ich frage mich bloß, wie das mit branchenüblichen Gehältern bewerkstelligt werden soll. Juristen fangen mit 1600 € monatlich an, Turnusärzte haben etwas mehr. Mit solchen Schandllöhnen, die locker von einem Mistkübelfahrer übertroffen werden, kann man nicht großartig Rückzahlungen tätigen.

Radio Eriwan
01
14.12.2011, 10:33
Es geht ja genau darum, die breite Masse abzuzocken.

AlBundyFan
 
41
14.12.2011, 08:52
präpotenz sondergleichen

der mistkübelfahrer verdient weniger als 1600...

und wennst nicht ganz ein idiot bist dann steigt das gehalt rapide an ... wieviele verdienen nach 10 jahren noch nicht viel mehr als diese 1600 €?
alle die sich ein bisserl anstrengen verdienen mind. das doppelte.

das einstiegsgehalt ist vollkommen egal - es zählt das durchschnittsgehalt im leben....

austromir
 
00
14.12.2011, 09:19
Schmutzige Arbeit - guter Verdienst:

"Inklusive Zulagen können Müllaufleger mit einem Einstiegsgehalt von 1500 Euro netto rechnen." (Standard, 10. 2. 2011). "Bei den Berufseinsteigern sind seit Jahren die Techniker nicht nur meistgesucht, sondern auch bestbezahlt. Sie können derzeit zwischen 2500 und 2700 Euro brutto im Monat verlangen. Ihnen folgen Absolventen der Wirtschafts- oder der Rechtswissenschaften, die mit 2300 bis 2500 Euro in den Beruf einsteigen. Doch bei Absolventen anderer Studienrichtungen sieht es schon viel düsterer aus. Aus dem Karriere-Center der Uni Wien heißt es, dass Studenten der Publizistik oder Psychologie mit gerade einmal 1600 bis 1800 Euro ins Berufsleben einsteigen" (Die Presse über Akademikergehälter lt. OECD-Studie, 26.9. 2011)

99 Prozent - Pirat sein ist IN
11
14.12.2011, 06:59
Anfangsgehalt 1600,-- /monat = wenig? der sarkasmus lebt.

AlBundyFan
 
11
14.12.2011, 08:54
noch so ein präpotenter kerl

das durchschnittsgehalt in österreich ist im letzten jahr lt. statistik austria bei 1400 € gelegen....

also sei nicht so präpotent und vergleiche das mit dem gehalt einer putzfrau......vom leben keine ahnung der kerl.

aleph null
00
14.12.2011, 12:29
Schwachsinn

Erstens einmal liegt das mediane monatliche Nettoeinkommen nicht bei 1400€, sondern bei 1500€ und zweitens sind bei diesem Wert auch die ganzen Teilzeitbeschäftigten dabei. Wenn Sie das rausrechnen, kommen Sie auf ein medianes Monatseinkommen von 1800€.

huach zua
00
14.12.2011, 08:33
Zuwenig zum leben

zuviel zum sterben.

Ich hoffe das meinen Sie nicht ernst ... 1600€ (auch netto) ist ein Witz für einen Akademiker. Da hat eine Putzfrau einen höheren Stundenlohn

DarktowerX
00
14.12.2011, 10:26

als Einstiegsgehalt finde ich das überhaupt nicht unterbezahlt, auch für Akademiker.

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