Australien als Vorbild für Studiengebühren auf Kredit
Wien - Was Finnland in der Schulpolitik, ist Australien in der Studiengebührenfrage: Es wird immer wieder als Vorbildmodell genannt. Die Idee hinter dem "Higher Education Loan Programme" (HELP) ist, dass die Studierenden (Studienanfängerquote 94 Prozent) erst für ihre Ausbildung zahlen müssen, sobald sie auch finanziell davon profitieren. Für die Zahlung der Studiengebühren gewährt ihnen der Staat einen zinslosen Kredit, den sie erst nach Erreichen eines bestimmten Einkommens zurückzahlen müssen (nicht an internationale Studierende, die bis zu doppelt so hohe Gebühren zahlen müssen).
Wird einem Studenten das Darlehen zugesprochen, zahlt die Regierung den ganzen oder den Großteil seines Studienbeitrags direkt an die Uni, die - ähnlich wie im Modell von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle - Gebühren autonom bis zu einer von der Regierung gesetzten Maximalgrenze festlegt. Die Beiträge variieren je nach Fach: Für Mathematik oder Naturwissenschaften sind bis zu 4520 australische Dollar (3400 Euro) zu zahlen, für Medizin und Jus bis zu 9425 australische Dollar (7200 Euro).
Erreicht der Student während oder auch erst nach dem Studium eine gewisse Einkommensgrenze (rund 48.000 australische Dollar im Jahr 2011/12), zahlt er das Darlehen an die Einkommenssteuer verknüpft zurück. Je höher das Einkommen, desto höher auch der Prozentsatz (zwischen vier und acht Prozent), mit dem die Gebühren zurückgezahlt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, das Darlehen vor Studienantritt oder zumindest vor Erreichen der Verdienstgrenze "freiwillig" zurückzuzahlen, was mit einem Nachlass honoriert wird. (APA, nim; DER STANDARD; Printausgabe, 14.12.2011)