SPÖ-interne Debatte

Roter Kampf ums Erbe der Altvorderen

13. Dezember 2011, 18:42

Austria goes Australia: Kanzler Werner Faymann zieht Studiengebühren vorsichtig in Betracht

Wien - In der SPÖ ist der vorweihnachtliche Friede in Gefahr. Tag für Tag meldet sich jemand aus jener "schweigenden Mehrheit", die laut der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller schon längst für Studiengebühren ist - obwohl die offizielle Parteilinie laut Parteitagsbeschluss noch immer auf der Gegenfahrbahn zu Studiengebühren entlangläuft.

Zuletzt hat aber sogar Parteichef Werner Faymann vage Zeichen gegeben, dass er sich eine Richtungsänderung vorstellen kann. Das australische Studiengebührenmodell, das eine Rückzahlung aus dem späteren Akademikergehalt beinhaltet, fand er überlegenswert.

Am Dienstag nach dem Ministerrat war der Bundeskanzler dann so weit, dass er sich einer parteiinternen Debatte zum Streitthema Nummer eins stellen will. Man könne Modelle prüfen, solange nur keine Hürden für Studierende aus wirtschaftlich schwachen Familien eingeführt werden, erklärte Faymann.

Könne man nicht, findet die rote Parteijugend. Dürfe man nicht als aufrechte Sozialdemokraten. Und wer es trotzdem tue, also Studiengebühren einführe, "kann sich auf Widerstand vorbereiten", ließen die Wiener Fraktionen von VSStÖ, Sozialistischer Jugend, Junger Generation, Achse Kritischer SchülerInnen und Gewerkschaft wissen: "Studiengebühren lassen wir uns nicht gefallen!"

Darüber sollten sie vielleicht noch einmal nachdenken, meint der Initiator des Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch.

Missverständnis

Es könnte sein, dass die rote Jugend nämlich nur noch einem "Fetisch" aus dem Nachlass der Altvorderen huldige, der mit der Realität der schönen Vision des freien Hochschulzugangs nur noch wenig zu tun habe, sagt jener SPÖ-Politiker, der 1972 als Finanzminister im Kabinett Kreisky den gebührenfreien Uni-Zugang mitumgesetzt hat. "Es ist ein Missverständnis, dass der freie Zugang frei ist. Wir haben alles andere als Chancengleichheit", sagt Androsch im Standard-Gespräch: "Nicht genug soziale Durchlässigkeit, hohe Abbrecherquoten und eine international ungenügende Studienförderung." Nötig sei ein "zeitgemäßes Paket mit deutlich verbessertem Leistungsangebot der Unis, dazu muss der Staat die Unterdotierung beseitigen, Studienförderung ausbauen, und dann kann man Studienbeiträge, die es ja überall sonst gibt, vom Kindergarten über die ,Schulgebühr' namens Nachhilfe bis zu den Fachhochschulen, als Steuerungselement verwenden", sagt Androsch. Es sei höchst an der "Zeit, scheinideologische Barrieren aufzugeben" - für die SPÖ seien das die Studiengebühren, für die ÖVP die ganztägige gemeinsame Schule.

Das würde auch der roten Verhandlerin, die mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle zu einer koalitionär tragbaren Einigung kommen soll, einen Erfolg bescheren. Noch fühlt sich Unterrichtsministerin Claudia Schmied aber an den gültigen Parteitagsbeschluss "gebunden".

Die Exbankerin bezweifelt, "ob eines der diskutierten Modelle die Finanzierungsfragen der Unis löst". Von geschätzten Einnahmen von 200 Millionen Euro bliebe nach Abzug von 180 Millionen für den Ausbau eines sozial starken Stipendiensystems ein Finanzierungseffekt von 20 Millionen Euro - das wäre gerade einmal ein Prozent des Uni-Budgets - bei einem gewaltigen bürokratischen Aufwand übrig. Das aber sei aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine "unvertretbar niedrige Rendite".

Auch ihre Rechnungen müssen Schmied und Töchterle noch abgleichen, denn Töchterle kalkuliert mit höherer Rendite. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD; Printausgabe, 14.12.2011)

Kommentar posten
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Der Chronist
10
14.12.2011, 16:52
Wie ich schon seit Monaten sage:

Die SPÖ hat die Universitäten an die ÖVP abgetreten und hat kein Interesse mehr an deren Zustand. Denn: Man züchtet sich die roten Akademiker künftig woanders:

http://derstandard.at/132322294... 2-anbieten

Die Rechnung ist einfach: Schwarzer Akademiker = Uni-Absolvent, roter Akademiker = PH-Absolvent. Es ist ein Rückzugsgefecht der Roten, die das über die Bühne bringen müssen, bevor sie 2013 ins politische Aus geschickt werden.

schneebrunzer
 
00
14.12.2011, 16:12
"Es sei höchst an der Zeit, scheinideologische Barrieren aufzugeben"

Danke für diesen Kommentar!

ulli52
 
00
14.12.2011, 15:56
Sg. Herr Androsch,

ein „"Fetisch" aus dem Nachlass der Altvorderen“???
mit dem erinnern ist das so eine sache,
ich erinnere mich sehr gut an die abschaffung der studiengebühren anfang der 70er, das war für mich und viele meiner freunde eine wirklich große erleichterung, und sehr viele studenten wählten die spö ...
freundschaft????
ulli

Stenders
00
14.12.2011, 15:28

Androsch weist also darauf hin, dass es heimliche Schulgebühren (Nachhilfe) gibt.

Dieser Umstand kann jedoch keine Einführung von Studiengebühren (i.e. weiteren Hürden für sozial Schwächere) legitimieren!

Stattdessen sollte die SPÖ erstmal freie Nachhilfe für alle fordern!

Radio Eriwan
00
14.12.2011, 16:59
Er will aber auch noch Schulgebühren einführen.

Soviel zum Volksbegehren und seinem Wert (für ihn).

Jurist08151
02
14.12.2011, 14:44

wir wäre es einmal wenn die Unis dadurch entlastet würden dass sie nciht mehr von der BIG ausgesackelt werden?

Got Your Nose!
00
14.12.2011, 17:39

nachdem unis gerne als mögliche einnahmequelle gesehen werden, werden die verantwortlichen sich hüten, irgendwas mit den mieten anzustellen.

sterngucker
 
00
14.12.2011, 13:53
Nachhilfestunden als Schulgebühren darzustellen

das ist schon einer Diktatorenhauspostille würdig. Unwürdig ist, daß das vom Mitglied einer ehemaligen Regierung kommt, die mir als Arbeiterkind das Studium ermöglicht hat.

VS.
02
14.12.2011, 13:48
"dann kann man Studienbeiträge, die es ja überall sonst gibt, vom Kindergarten über die ,Schulgebühr' namens Nachhilfe bis zu den Fachhochschulen, als Steuerungselement verwenden"

Merkt der Androsch eigentlich, dass er sich hier die Wahrheit zurechtlügt?

Der Kindergarten, zumindest das letzte Jahr, wurde gerade verpflichtend und damit gratis.

Schulen sind kostenlos und müssen das auch sein!

Dass immer mehr Kinder Nachhilfe brauchen zeigt, dass das Schulsystem dysfunktional ist (Trennung mit 10, zu wenig Geld, kaum Individualförderung...) - da gibts genug zu tun. Das Krankheitssymptom Nachhilfe als "Beweis" zu verwenden, dass auch Studiengebühren eingeführt gehören, ist ein intellektueller Bauchfleck. Peinlich, dass er sich so einen Schmarrn sagen traut.

Bildung ist DAS politische Instrument, um Ungerechtigkeiten auszugleichen. Sie MUSS gratis sein! Sonst zementieren wir den bestehenden Bildungs-Feudalismus.

Der elegante Herr von nebenan
 
00
14.12.2011, 13:48

Geh bitte immer diese Moral,Gerechtigkeits,Sozial blalabala Diskussionen. Am Ende des Weges muss man einfach immer nur noch mehr zahlen. Und darum gehts

Nathaniel Winerib
01
14.12.2011, 12:28

Zwei interessante Aspekte:

(1) In Androschs Bildungsvolksbegehren stand kein Wort von Zugangsbeschränkungen. Jetzt ist er plötzlich der große Vertreter dieser Forderung.

(2) Solange die roten Jugendorganisationen für sein Volksbegehren liefen, gab es kein Wort der Kritik. Jetzt werden sie von ihm quasi als realitätsfern und unzeitgemäß geoutet. Merken die nicht, dass sie seit Jahr und Tag von ihrer eigenen Partei ver*****t werden?

Amanda27
09
14.12.2011, 11:50
bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!

Ich lebe derzeit in Australien, und ich zahle hier sehr wenig Steuern und die (Akademiker)gehälter sind ausgesprochen hoch, somit kann ich Rücklagen for die Universitätsausbildung meiner Kinder schaffen. Die Unis sind übrigens laut vieler Europäischer Studenten in meinem Bekanntenkreis nicht wirklich viel besser..

In Österreich zahlte ich einen Spitzensteuersatz..den ich immer gern gezahlt habe, mit der Gewissheit in einem 'sozialen' System zu leben. Der freie Zugang zu Hochschulen gehört für mich dazu!

Bitte nicht vom 'australischen System' reden wenn man es nicht kennt!

zauberlehrling85
00
14.12.2011, 14:52

und jetzt sagst du bitte noch den anderen hier wieviel du in Australien für die Sozialversicherung zahlst

system1
02
14.12.2011, 11:09
ich finde die diskussion über den uni-20er für absolventen

skuril.
1. ich freue mich als fertiger akademiker, direkt mit meiner subvention die heranzüchtung meiner eigenen konkurrenz am arbeitsmarkt zu unterstützen. dies ist auch angesichts der heraufgesetzten pensionsantrittszeiten von belang. dann werden nämlich diese konkurrenz-akademiker meinen arbeitsplatz bekommen, während ich bis 70 dann kloputzen gehe.
2. ich finde es zudem bemerkenswert, dass akademiker, die mehr als 3.200 brutto verdienen (defacto netto also fast nichts), dafür dass sie horrende 50% lohnsteuer zahlen dann auch noch einen weiteren 20er pro monat abdrücken müssen. das ziel ist somit klar, nämlich so wenig wie möglich zu verdienen. nur dann entkommt man diesem horror. vielen herzlichen dank an die "experten".

Schurke!
01
14.12.2011, 12:44
tipp: auswandern

lage in südkorea oder australien ist top. es werden laufend fachkräfte gesucht.

PAS
20
14.12.2011, 12:08
Na, Sie outen sich als Akademiker!

Bei 3200.- brutto verdienen Sie netto fast nichts? und zahlen 50% Lohnsteuer? Machen Sie sich nicht lächerlich!

Die Fakten sind: Single, €3200.- brutto ergibt €1998.91 netto. SV-Beitrag ist €578.24 LS-Betrag ist €622.85.

Jahres-Netto ist übrigens €29013.23

Wo ist der Horror bei einer monatlichen Belastung von €20.-

Schurke!
04
14.12.2011, 12:41
ist tatsächlich fast nix

wenn man die zeit der ausbildung mit einrechnet in der man nix verdient. und wenn man weiss das man momentan auch als akademiker all in verträge bekommt.

wer gscheit was verdienen will macht besser lehre und nachher entweder den meister und/oder hackelt schwarz.

kenn keinen handwerker der all in akzeptieren würde.

kudlmudlrudl
03
14.12.2011, 11:04

Also entweder die SPÖ strebt alles andere an als die Kluft zwischen arm und reich zu verringern, oder sie sind zu dumm um die praktischen Folgen (und auch Möglichkeiten) ihrer Standpunkte abzuschätzen.

1) Staatsschulden bedeuten IMMER eine Umverteilung von Armen zu Reichen, egal was damit finanzert wird.
2) Undifferenzierte Familienförderung bedeutet eine Vermehrung der Anzahl an Habenichtsen bei gleichzeitiger Verdichtung von Vermögen in kinderarmen Besserverdienerfamilien.
3) Studiengebühren sind ja eine Möglichkeit die Reichen zu schröpfen, weil man sie den Armen ja zurückgeben kann.

Also SPÖ: Zu blöd, zu populistisch oder schlicht auf der falschen Seite?

Saurer Zivi
01
14.12.2011, 12:24
stimmt so sichern nicht!

Studiengebühren halten schon einmal viele überhaupt ab, sich das anzutun.

Die ausbordende Bürokratie zur Antragsstellung für Stipendien, die erst im Nachhinein, wenn überhaupt, wenn kein Fehler passiert ist, ausbezahlt werden. Die so gering sind, dass Studierende wiederum arbeiten gehen müssen, um sich das Studentenheim bzw das WG-Zimmer leisten zu können. Das bedeutet wieder Zeitverlust im Studium, man verliert Semester, das bedeutet wieder Geldverlust usw. usf.

Bei dem, was derzeit an den Unis abläuft, wäre eine "Gebühr" absolut verfehlt.

ein Administrationsbeitrag von ein paar € ev., mehr nicht.

kudlmudlrudl
11
14.12.2011, 13:01

Ja sicher kann man irgendwelche Umstände dazuerfinden und Rahmenbedingungen als unumstößlich darstellen um unfundierte Kritik anzubringen.
Ergebnis ist halt sinnloses Blabla und damit verschwendete Lebenszeit.
Aber was red ich mit jemandem, dems schon zu viel ist für eine qualitativ hochwertige, vom Staat bezahlte Ausbildung einen Antrag auszufüllen. Spricht doch Bände zum derzeitig vorherrschenden Credo unter Teilen der Studierenden: Hauptsache ich kann mich Student schmipfen, hab keine Verpflichtungen und irgendjemand anderer wird zum Bezahlen der Maut verpflichtet.

Harald Nowak
00
14.12.2011, 17:24
Ihr Post

....macht ihrem Nick alle Ehre. "Dazuerfunden" is da übrigens nix und wer heutzutage studiert weiß was Bürokratie ist und auch was Verpflichtungen sind, denn davon gibts massenhaft. Der immerwährende Versuch Studenten als faule Nutznießer hinzustellen ist inzwischen auch schon etwas durchsichtig und langweilig geworden; wovon man statt dessen mehr redens sollte ist, was Akademiker der Gesellschaft in Form von Wissen umsonst zurückgeben - wenn eine Gesellschaft das nicht mehr will sondern nur mehr die Frage nach der Fleißigkeit und Arbeitsamkeit (was auch immer jeder darunter versteht) im Vordergrund steht, sollte sie sich halt nicht mehr Wissensgesllschaft nennen.

kudlmudlrudl
00
14.12.2011, 17:49

LOL
Also SIE wissen schon VOR der Einführung von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen, dass die damit dann verknüpften Stipendien so klein sein werden, dass es den bürokratischen Aufwand nicht rechtfertigt und zum Leben nicht reicht.
Woher wissens das?
Oder habens das dazuerfunden?

Und wer sagt was von faulen Nutznießern?
Auf den Unis bekommt man heutzutage nicht mehr "Wissen" vermittelt als auf Wikipedia, weil sich das Geld das schon reingepumpt wird in Unverbindlichkeit, Massenveranstaltungen und Pseudoforschung zerstäubt. Und dafür will die Bev. keine Kohle mehr locker machen.
Von "Gscheitbeidln" die sich einbilden mit ihrer Politwissenschaft großmütig und gratis die Welt zu verbessern ganz zu schweigen...

zufällige Kohlestoffeinheit
00
14.12.2011, 10:55
Unterschlagung von Wissen, Betrug am Bürger?

https://encrypted.google.com/url?q=htt... lRgmFLaB4g

LeChacal
01
14.12.2011, 10:51
Quatsch mit Soße!

1. Österreich hat eh schon das Problem, dass viele Akademiker nach Deutschland abwandern - oder überhaupt als Deutsche hier nur die Ausbildung genießen. Wie wollen sie diese Leute, die für Ö viel leisten könnten, hierbehalten - indem sie ihnen auch noch Sondersteuern aufbürden?!

2. Abzüge von WELCHEM Gehalt?! Die meisten Jungen haben das Problem, überhaupt einen Job zu finden - jeder will "Erfahrung", keiner will sie ihnen bieten. Ihr einziger Ausweg ist meist, "billiger" zu sein. - Entweder verlangt man ihnen nun so wenig ab, dass es sich für die Finanzierung der Unis dann doch nicht auszahlt, oder so viel, dass sie oft arbeitslos bleiben...

Lösung -> Entweder man hat gleich Gebühren - oder man macht es über (allgemeine) Steuern.

stretfordender
20
14.12.2011, 10:41
also ich halte nichts von diesem nachgelagerten Modell

bestraft werden damit doch eigentlich jene, die es zu etwas gebracht haben. Ziel von Studiengebühren soll ja unter anderem aber auch sein, die ewigen Studenten vom Studieren abzuhalten bzw. generell den Studienabschluss zu beschleunigen und somit wieder freie Plätze zu schaffen.
Mit diesem Modell würden die Fleißigen bestraft werden und die Tachinierer könnten weiter bis 37 studieren, ohne jegliche Kosten.

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