Sprachzensur am Wiener Flughafen

H.C. Artmann nicht willkommen?

Kommentar der anderen | 13. Dezember 2011, 18:24
  • Artikelbild
    foto: standard/andy urban

    Ide Hintze wundert sich über "verletzte Gefühle".

Betrifft: Berichte über den Umgang von Skylink mit einer Installation des "Österreichischen Wörterbuchs" - Von Christian Ide Hintze

Wer immer die Idee hatte, die Passagiere am Flughafen Schwechat mit österreichischen Wörtern zu begrüßen: vor den Vorhang! Die Aktion tut, was eigentlich die Touristeninformation tun sollte: Sie informiert die Landesunkundigen über die Sprache der Hiesigen.

2. Wer immer die Idee hatte, diese Wörter dem von Astrid Wintersberger unter beratender Mitarbeit von H.C. Artmann herausgegebenen Wörterbuch zu entnehmen: vor den Vorhang! Das Hosen- und Handtaschenbuch mit dem roten Einband ist weder "für" noch "gegen" etwas, es propagiert nichts und bekämpft auch nichts, es zählt lediglich einige Wörter auf, gibt ihnen eine literarische, eine augenzwinkernde Note und eignet sich als Türöffner für labyrinthische Sprachspiele jeglicher Art.

3. Wer immer die Idee hatte, diese Wörter ins Englische zu übersetzen: vor den Vorhang! Die Ambition, ihre Eigenart und Schönheit einem internationalen Publikum bekanntzumachen, eröffnet die Möglichkeit, in Zukunft vielleicht auch etwas mehr über ihre - großteils unerforschte - internationale Herkunft und linguistische Fremdenfreundlichkeit zu erfahren. (Artmann selbst hat Gespräche oft nur deshalb unterbrochen, um das Gegenüber darauf hinzuweisen, dass ein soeben verwendetes Wort aus dieser oder jener Sprache stammt. "Des waasd oba scho, dass ,Schinakl‘ wos Ungarisches is" .)

4. Wer immer die Idee hatte, die Wörter "Futlapperl" und "wischerln" zu zensurieren, mit Packpapier zu verhängen und damit besonders hervorzuheben: vor den Vorhang! Die beiden Wörter sind geradezu prädestiniert für Phantasien über etymologische oder lautmalerische Zusammenhänge.

5. Wer immer die Idee hatte, die Zensurmaßnahme mit dem Argument, es sei "unerlässlich, dafür Sorge zu tragen, dass Passagieren keine potenziell fremdenfeindlichen, diskriminierenden, frauenfeindlichen oder religiöse Gefühle verletzenden Inhalte aufgezwungen werden" , zu rechtfertigen: runter von der Bühne! Bierernst trifft die Sache ebenso wenig wie die Verwechslung von lexikalischen Begriffen mit Inhaltsangaben oder Botschaften. (Und dass in Schwechat der einzige Flughafen der Welt stehen sollte, der im Rang einer Pflichtschulanstalt mit Lesezwang steht, ist bisher auch noch eher unbekannt gewesen.)

6. Wer immer die Genehmigung zur Aufstellung dieser Wörter gegeben, dann wieder zurückgezogen bzw. beschränkt hat, muss irgendwann einmal - vielleicht zum allerersten Mal überhaupt - angefangen haben, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

7. Ich ziehe meinen Hut vor Artmanns Fähigkeit, über seinen Tod hinaus das p.t. Publikum, auch das pressesprecherische, mit Fragen zur Sprache zu beschäftigen. (DER STANDARD - Printausgabe, 14. Dezember 2011)

Nachlese

Autor

Christian Ide Hintze, Poet und Leiter der Schule für Dichtung in Wien.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
Felix Schoitl
01
21.12.2011, 13:27
Wo

waren die jetzigen Aufreger bei der überlebensgroßen Anzeige fürs Babylon?

sonja1978
20
14.12.2011, 19:35

Futlapperl muss wirklich nirgendwo stehen.
wischerln seh ich nicht so kritisch.

politisch verfolgt
00
14.12.2011, 18:08
die pc-frömmler

haben also wieder einen sieg davongetragen.
schade.
ich fand die idee mit den artmann-tafeln am flughafen echt witzig. gut, über geschmack sowie die frage, ob dort unbedingt "f**lappal" stehen muß, kann man streiten. ide-hintze fragt, wer die idee hatte. gute frage: wer eigentlich? weiß das jemand?

sekir 09
00
14.12.2011, 17:45

futlapperl darf man ja in den postings auch nicht schreiben. wo würden wir da hinkommen, genau

Sssnake
01
14.12.2011, 22:37
Anstoß

Also ich würde Anstoß nehmen und mich in allen verfügbaren Gefühlen verletzt fühlen, wenn ich das Wort Futlapperl irgendwo lesen müsste.

Ministry of Prawda
01
14.12.2011, 17:14
bei thomas bernhard wärs ja noch eher verständlich...

bevor sichs die touristenscharen doch noch im letzten moment überlegen, diesen naturgemäß katholisch-faschistoiden sumpf zu beglücken...

bei h.c.artmann ist aber echt nix dabei!

Karl-heinz Grill
03
14.12.2011, 16:34
Werfen Sie das häßliche Kind weg, gnädige Frau; ich mache Ihnen ein neues, ein viel schöneres.

byron sully
01
14.12.2011, 16:11

danke für diesen köstlichen kommentar! :-)

Werner Faygmann
00
14.12.2011, 15:13
Schön zusammengefasst...

...hoffentlich sind die, die's was angeht, in sinnerfassendem Lesen geübt!

dabu dabu
01
14.12.2011, 14:12
schlagermusik für österreichische fluggäste

am flughafen in kairo sind ansagen für flüge nach österreich mit deutschsprachiger schlagermusik untermalt. das hebt auch nicht gerade meinen nationalstolz (sofern ich den überhaupt in irgendeinem winkerl einer hirnwindung haben sollte).

badat
00
14.12.2011, 21:59
Die Ansagen für die Flüge nach Wien

könnte man ja auch damit hinterlegen:
http://www.ampster.net/tracks/1021

Wär vielleicht auch eine Idee für die Skylink-Hintergrundmusik!

pretty1
113
14.12.2011, 13:58
"Poet und Leiter der Schule für Dichtung" -also vermutlich subventionierter "Staats-"Künstler(??)"

Selten ein derart unsinniges und unnötiges Elaborat gelesen, wie obigen "Artikel" !

baroli
01
14.12.2011, 19:27

Bevor Sie derartigen Unfug posten, sollten Sie sich zuerst einmal informieren.

steve low
01
14.12.2011, 17:05
All Effies are pretty"

spelling error
09
14.12.2011, 16:16
... vermutlich subventionierter "partei- "schreiber(??)"

selten ein derartig unsinniges und unnötiges elaborat gelesen, wie obiges "posting"!

G. Bitte!
12
14.12.2011, 13:45

wien ist und bleibt halt eine spießige provinzstadt

Systemkonformist
46
14.12.2011, 13:11
Wunderbar

Habe mich schon bei der ersten Meldung über diese Glastafeln gefragt, welche Art krankes Hirn soetwas gutheißen kann - jetzt weiß ich es. Wundert mich auch nicht. Danke

Franz Kohlegger
01
14.12.2011, 11:26
Bravo an die mit den Ideen - alle anderen sind nur Kleingeister

Am Flughafen Kloten (speziell im Zug) wird der Kunde durch Kuhgeraeusche u.dgl. beglueckt. Das war sehr gewoehnungsbeduerftig, gefaellt mir aber.

Die "Artmann Aktion" in Wien finde ich gut. Es ist ja leider nur fuer die Deutschen und oesterr. nicht-Wiener etwas Interessantes.

Alle die Deutsch gar nicht, nur im Schuluntericht oder als Kurs gelernt haben verstehen die Woerter eh nicht, so oder so. Sie werden immer die englische Uebersetzung lesen (das koennen fast alle).

Also weiter so mit den oesterr. Worten in Schwechat.

In London wuerde dann stehen "Lor' luv a duck! The Heuriga drinkers in da fawerst are funny; da Vienna airpawt an' da train are good an' weird, innit"

http://www.cockneyrhymingslang.co.uk/rabbit
"

Franz Mayrhofer
 
12
14.12.2011, 11:25

Bei der Werbung für das Puff (ich glaube es hat Babylon geheissen) war man da nicht so zimperlich! Trotzdem, auch wenn H.C. Artmann, irgendwie ein pupertär und krampfhaft um Originaltät bemühtes peinliches Theater!

yoda3
32
14.12.2011, 10:55
vorauseilender gehorsam

hat viele zu guten nazis gemacht.

palmström
02
14.12.2011, 11:03
derstandard gegen zensur?

hahahahahahahaaaaaa!

Süffisant
00
14.12.2011, 10:05
So ist es!

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
22
14.12.2011, 08:49
Willkommen

Da wurden -zig Millionen in den Sand gesetzt, das Schmiergeld floss in Strömen, die politischen Günstlinge überboten einander krampfhaft in organisatorischer Unfähigkeit - und dann macht man sich Gedanken über einen solchen Schwachsinn!
Gibt's auch nur in Österreich.... :(

Prof. h.c. Doleg Stinida
02
14.12.2011, 12:10
Problemlösung auf Österreichisch

Anstatt sich mit den echten Problemen auseinanderzusetzen, diskutiert man lieber über "wischerln" und "pischen". Und danach kann man noch sagen, wie sehr man sich "in Sachen Skylink" engagiert hat.

Hanns Ch.1
11
14.12.2011, 11:56
..fingerzeigen,..

auf andere staaten, denen man zensur vorwirft,
und unterschriften aktionen starten,...
aber im eigenen land stinkt es ebenso.. nur demonstriert da keiner, kein museum, keine kunsthalle, keine künstler,..
merkwürdig,.. wahrscheinlich haben alle angst vor ausbleibenden aufträgen,..

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.