Schuldenpolitik

"Jeder Mensch ist mehr wert als jeder Klumpen Gold"

Interview | 13. Dezember 2011, 18:13
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    foto: der standard/urban

    Für Caritas-Präsident Franz Küberl ist die bedarfsorientierte Mindestsicherung mehr ein "Abstellgleis" als ein "Sprungbrett". 

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    "Das Dilemma ist, dass jene, die in unserem Land politisch und wirtschaftlich verantwortlich sind, praktisch keine Armen kennen."

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    "Also ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn die Caritas etwas kleiner sein könnte und weniger zu tun hätte."

Für Caritas-Präsident Küberl wird in der Debatte der Mensch übersehen, von echter Armut hätte die Politik keine Ahnung

Standard: Zu Beginn eine Testfrage: Könnten Sie bitte die derzeit heiß diskutierte Schuldenbremse definieren?

Küberl: Gute Frage. Prinzipiell ist das eine Kategorie, in der ich nicht denke. Letztlich heißt es, abrupt vom Gas auf die Bremse zu steigen, ohne die Kupplung zu betätigen.

Standard: Ein Auto "würgt" man so ab. Haben Sie das Gefühl, dass die Leute der laufenden Diskussion über die Finanzkrise überhaupt noch folgen können?

Küberl: Sicher nicht. Die Debatte geht an den Menschen vorbei. Vielmehr ist es doch so, dass die Menschen immer mehr von Zukunftsängsten geplagt werden. Viele dieser geplanten politischen Maßnahmen sind für die Leute unendlich schwer durchschaubar. Wie soll jemand - etwa am Beispiel Griechenland - verstehen, was "Haftung" heißt, was real zu zahlen ist, welche Banken dabei sind. Hier taucht ein unglaubliches Verständigungsproblem auf. Und die Menschen ziehen sich dadurch auf sich selber zurück - und es taucht die Frage auf: Hab ich selber noch eine Zukunft?

Standard: Ist die Angst berechtigt?

Küberl: Man muss unterscheiden. Die Debatte um die Schuldenbremse ist eine politische Angelegenheit. Da kann man hoffen, dass sich die Regierung auf ein kluges Sparprogramm einigt. Dem gegenüber stehen aber die Ängste der Menschen in Zusammenhang mit der Währungs- und Wirtschaftskrise. Viktor Frankl hat schon vor 25 Jahren gesagt: Ein Prozent mehr Arbeitslosigkeit bedeutet drei Prozent mehr Selbstmorde, viereinhalb Prozent mehr Kriminalität und sechs Prozent mehr psychiatrische Auffälligkeiten. Das ist die Schärfe, die tatsächlich da ist.

Standard: Übersieht die Politik den Menschen hinter der Krise?

Küberl: Die Menschen, die die Krise trifft, werden leider meist gar nicht wahrgenommen. Viele Politiker hüten sich auch davor, sich allzu stark damit zu beschäftigen. Aber: Jeder Mensch ist mehr wert als jeder Klumpen Gold.

Standard: Spürt die Caritas, dass in Krisenzeiten ihr Klientel anwächst?

Küberl: Wir sind überall randvoll. Und wir können über Arbeit nicht klagen. Also ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn die Caritas etwas kleiner sein könnte und weniger zu tun hätte. Aber wir sind nun einmal da, Menschen in schwierigen Situationen zur Seite zu stehen.

Standard: Rund eine Million Österreicher gelten bereits als armutsgefährdet. Kann man schon sagen, wie weit die Zahl ansteigt?

Küberl: Da gibt es keine Prognosen. Wir haben nur einen Indikator: den Anstieg der Arbeitslosigkeit. Länger andauernde Arbeitslosigkeit stellt die entscheidende Armutsfalle dar. Die schlechte Nachricht vor Weihnachten: Das Milieu, aus dem Armut entstehen kann, ist sicher im Anwachsen.

Standard: Ist die Armut im Mittelstand angekommen?

Küberl: Da bin ich vorsichtig. Ich bin weder Soziologe noch Statistiker. Wir spüren nur, dass auch Leute in eine sehr schwierige Lebenssituation kommen können, die gar nie daran gedacht haben, dass es einmal schlecht werden könnte. Diese Entwicklung riecht schon ein wenig nach Mittelstand.

Standard: Steuert die Politik entsprechend gegen?

Küberl: Das Dilemma ist, dass jene, die in unserem Land politisch und wirtschaftlich verantwortlich sind, praktisch keine Armen kennen. Und wenn man keinen kennt, dem es nicht gut geht, kapiert man nicht, was es heißt, in einer schwierigen Lebenssituation zu sein. Wir haben in Österreich eine Klassengesellschaft: eine Oberschicht, einen breiten Mittelbau - aber auch eine Unterschicht. Darüber redet man ungern. Wir sollten schleunigst schauen, dass wir keine Unterschicht haben.

Standard: Die Mindestsicherung wird von der Regierung da gern als Erfolg verkauft. Für einen Einpersonenhaushalt beträgt die Armutsgefährdungsschwelle 994 Euro im Monat. Die bedarfsorientierte Mindestsicherung für eine alleinstehende Person lag 2011 bei rund 753 Euro. Also mit rund 240 Euro doch deutlich unter dieser Schwelle. Wie geht sich das aus?

Küberl: Verdammt schlecht geht sich das für Arme aus. Dazu kommt, dass wir quer durch Österreich unterschiedliche bürokratische Hürden haben. Ich weiß zum Beispiel von einem Fall in einer österreichischen Gemeinde, in der eine Frau eigentlich die Mindestsicherung brauchen würde. Der Ehemann hat sich verabschiedet, die Gemeinde wartet aber jetzt zu, bis der Mann eine neue Adresse hat, und meldet ihn am Familienwohnsitz nicht ab. Solange bekommt die alleinerziehende Mutter keine Mindestsicherung. Und es gibt unzählige solcher Hürden.

Standard: Braucht es eine Reform der Mindestsicherung?

Küberl: Eines vorweg: Die Minister Bartenstein und Buchinger haben eine sehr gescheite Mindestsicherung ausgearbeitet. Aber für eine Reform bin ich immer. Seit 2006 ist das Gespür für die Armen nämlich deutlich schwächer geworden. Es geht um eine Frage: Ist die Mindestsicherung dort, wo es möglich ist, ein Sprungbrett zurück in die Erwerbstätigkeit? Und das ist sie im Moment weitestgehend nicht - oft ist sie ein Abstellgleis.

Standard: Wären Sie für eine Vermögenssteuer?

Küberl: Das Wifo hat schon 2006 gesagt, dass die Balance der Besteuerung von Arbeits- und Vermögenserträgen schief geworden ist. Es ist Aufgabe der Politik, mit einer sozialen Wasserwaage tätig zu sein. Eine Möglichkeit wäre eine Steuer auf Vermögenserträge, wie das Wifo vorgeschlagen hat. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD; Printausgabe, 14.12.2011)

FRANZ KÜBERL (58) wurde 1995 - als erster Laie - Präsident der Caritas Österreich. Zuvor war Küberl Chef der Caritas Steiermark.

Kommentar posten
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WässrigesWienerWürstchen
00
11.2.2012, 14:33
bei 7 Milliarden ist ein Mensch genau nix wert

man darf sich einfach nicht zu wichtig nehmen;)

krachbummente
00
11.2.2012, 20:58

Sozialromantik bzw. Rubrik "sowas sagt man nicht". 99,9999999999999% der Menschen ist es egal ob es Dich, mich usw. morgen noch gibt oder eben nicht :)

ich nehme mich furchtbar wichtig, den Rest der Menscheit juckt's halt net wirklich ;)

masterpiece
01
11.2.2012, 09:36
"Jeder Mensch ist mehr wert als jeder Klumpen Gold"-sagt WER?

next special friend
00
19.1.2012, 12:51
behave, kueberl, and go home

bin echt scho neugierig, wann "seine gewissens-blase" endlich platzt

next special friend
00
19.1.2012, 12:17
kueberl behave, and go home

1. Jänner 2000

KLEINE ZEITUNG: "Die Titanic als Metapher für den Zustand der Gesellschaft?"

KAPELLARI: "Ja, manchmal hat man das Gefühl, unten gibt's ein Leck, keiner
sieht es und oben spielt die Bordkapelle."

in memoriam leopold ungar
- datiert mit sonntag 7. november 1999 -
(. . . im jahr 2012 wäre er 100 jahre . . .)

und
das gewissensspieglein an der wand
spricht nun mit/zu unserem noch-caritas-präsidenten inzwischen süffisant
kü . . . . kü . . . . du caritas-praktikant
vertiefe christliches ethos - nicht scheinheiligen geist -
und
vor allem deinen menschlichen verstand
oder
bist du und ein paar andere nicht nur mit der moral schon so am sand
und
ward/seid ihr denn immer
so
....

next special friend
00
19.1.2012, 12:16
kueberl behave, and go home

.....
so
aufrichtig wie anständig und ehrlich - außer selbstherrlich -
soll heißen
eure wahrhaftigkeit ist entbehrlich
wenn
es geht um zivilcourage
in
unserm land
das zu können/wissen wäre nämlich ja wirklich interessant
wenn
man haben will
bei
anderen Menschen eine gute hand
für
dieses unsre so schöne und wertvolle land

PS:

liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, nicht überall, wo CARITAS draufsteht, ist auch CARITAS drinnen

oder noch höflicher formuliert:

sehr geehrte Damen und Herren, Sie brauchen nicht "küberl'n" gehn, um CARITAS zu versteh'n

denn:

. . . . . d i e T i t a n i c d e s G l a u b e n s g e h t s i c h e r l i c h n i e u n t e r . . . . .

special friend
00
18.1.2012, 15:14
kueberl go home

bin echt scho neugierig, wann "seine gewissens-blase" endlich platzt

special friend
00
18.1.2012, 15:07
kueberl go home

1. Jänner 2000

KLEINE ZEITUNG: "Die Titanic als Metapher für den Zustand der Gesellschaft?"

KAPELLARI: "Ja, manchmal hat man das Gefühl, unten gibt's ein Leck, keiner
sieht es und oben spielt die Bordkapelle."

in memoriam leopold ungar
- datiert mit sonntag 7. november 1999 -
(. . . im jahr 2012 wäre er 100 jahre . . .)

und
das gewissensspieglein an der wand
spricht nun mit/zu unserem noch-caritas-präsidenten inzwischen süffisant
kü . . . . kü . . . . du caritas-praktikant
vertiefe christliches ethos - nicht scheinheiligen geist -
und
vor allem deinen menschlichen verstand
oder
bist du und ein paar andere nicht nur mit der moral schon so am sand
und
ward/seid ihr denn immer
so
aufr

Die Marslady
00
17.12.2011, 20:38
Schuldenpolitik: seit Jahrzehnten ein österr.Krankheit

Wie erinnerlich, hat die Regierung Dr.Klaus seinerzeit (1970)ein geordnetes Budget an die Folgeregierung übergeben. Damals gab es z.B. noch Finanzminister-Koryphäen wie Prof.Dr.Stephan Koren, die es danach leider in dieser Qualität nicht mehr gab.
Sicher, bis 1995 war Österreich noch nicht E/U-Mitglied und in der Folge Eurozonen-Mitglied.
Doch, wenn gespart wurde oder werden musste, dann meist auf Kosten des weitgehend wehrlosen Durchschnittsbürgers.
Hierin muss ich Herrn Caritas-Präsidenten Küberl recht geben:
Herr Küberl ist den Sorgen und Nöten der Unter- sowie jetzt auch Mittelschicht wesentlich näher bzw.unmittelbarer als unsere Regierungsriege gleich welcher Coleur. Unsere heimische Politik übt sich zumeist in Selbstzufriedenheit!

Der Biber
10
17.12.2011, 12:19
"Jeder Mensch ist mehr wert als jeder Klumpen Gold"

Nö, ganz sicher nicht

Roter Baron
01
16.12.2011, 09:30
"Jeder Mensch ist mehr wert als jeder Klumpen Gold"

das sieht der kapitalismus anders.

das sieht auch das bundesheer anders.

da sehen auch unsere politiker anders.

Alexander Patjomkin
00
15.12.2011, 21:35
"Jeder Mensch ist mehr wert als jeder Klumpen Gold"

Diese Aussage ist völlig wahr. Nur es wird vergessen, dass die Aussage für ALLE Menschen gelten soll. Das heisst aber, wenn ich für den einen Menschen jeden Klumpen Gold vergebe, dann kann ich dem anderen nichts mehr geben. Und damit habe ich einen unschuldbaren Fehler begangen.

rari
01
15.12.2011, 20:01
konservativer Wertewandel ?

Auf die Forderung nach geringfügiger Anhebung der Besteuerung von ultrahohen Gewinne und Vermögen hört man immer den Aufschrei "Enteignung !". Nachdem gerade auf dieser Seite und auf blauer Seite sogar mit dem Holzkreuz gegen solche Ideen zum Kreuzzug aufgerufen wird, frage ich mich, wo bleibt die christliche Einstellung ? Werden hier die Händler, die vor 2000 jahren aus dem Tempel rausgeschmissen wurden, zur Hintertür wieder reingelassen ? Zählen zum Eigentum nur spekulative Immobilien, brachliegende Baugründe oder Spekulationsgewinne ? Oder ist Gesundheit und ein würdevolles Leben nicht ein noch viel schützenswerteres Eigentum ? Tanzen nicht gerade die um das Goldene Kalb, die sich "christlich" nennen ?

Die Stimme des Marktes
10
15.12.2011, 13:43
Falsch

dbs
00
18.12.2011, 20:58

aha.

thinkonyourfeet
41
15.12.2011, 13:16
Küberl verkörpert das,

was man sich unter einm Bonzen vorstellt...

Harry Y.
 
00
15.12.2011, 23:30
= Behauptung ohne jede Unterlegung.

Also:
1) Was ist ein Bonze genau? Definieren Sie das.
2) Inwiefern ist der Küberl einer?

kater bruno
02
15.12.2011, 11:19

Die Krise ist verursacht durch
die Finanzmärkte, mit ihren Termingeschäften.Manipulationen und Spekulationen.
Ich verstehe auch, wenn die Wut auf die Politiker steigt, die Milliarden für die Rettung
für Banken, Spekulanten und div. Staaten ausgibt, aber die breite Masse zur Kassa
bittet. Eine Mitteilung an Bundeskanzler Faymann, das Recht geht vom Volke aus
und nicht von den Rating Agenturen äh Rating-Mafia.
Die Gehaltserhöhungen sind ja auch eine Frechheit. Mit Müh und Not bekommen wir
die Infaltionsabgeltung, nur Strom, Gas,Miete, U-Bahnsteuer, Treibstoff, Lebensmittel,
etc etc wird teuer. Das Volk verarmt schleichend und die Mittelschicht löst sich langsam
auf. Unsere Grundrechte sind gerechte Einkommen, Arbeit und Wohnen. Da

Die Marslady
00
17.12.2011, 20:49
@kater bruno....

es hat schon seine Richtigkeit, wenn Sie Ihre Katerkrallen ausfahren, ist ja auch kein Wunder bei diesen Zuständen, die hier herrschen.
Die harten Fakten gehören auf den Tisch geknallt, da gilt es nicht, wenn die Katze um den sprichwörtlichen heissen Brei herumstreicht.
Richtig, wer hat diese gewaschene Finanzmisere seit nunmehr 2007 verursacht?
Spekulanten, Finanzmärkte, Banken und die verzögert- unentschlossene handelnde Politik wie auch andersrum. Und mittendrin der meist ausgelieferte BürgerIn der Mittel- und Unterschicht.
Hoffentlich kann dieses "Internationale Finanzwerkel" noch rechtzeitig in die richtige Richtung gesteuert werden. Ein Crash wäre das Allerletzte!

Dani Düsentrieb
 
00
13.1.2012, 12:01
der Zug rast

unaufhaltsam auf die Krise zu - sie werden wie immer handeln wenn es zu spät ist!

kater bruno
00
15.12.2011, 11:29

haben unsere Politiker vergessen, auch mir ihrer teilweise unnötigen Privatisierei

badblackguy.blogspot.com
 
42
14.12.2011, 17:02
Tja, in der Sowjetunion war ein Mensch nichts Wert... oder nur ein paar Gramm Stahl!

Armut gibt es und es ist tragisch, aber was soll Herr Küberl sagen, sicher nicht es geht allen so gut. Die Caritas hat auch Angestellte, die wollen ihren Job behalten und sind daran interessiert an einer konstanten Armut. Tja, und wenn er sagt die Caritas hat nichts zu tun wer spendet dann noch für den Verein Geld?

Harry Y.
 
00
15.12.2011, 23:32

Die Caritas hätte mit der 3. Welt genug zu tun.

ABC die Katze lief im Schnee...
00
14.12.2011, 20:04

aha, jetzt ist mir klar warum die ÖVP so ist, wie sie jetzt ist, unten durch...

Oh my God !
40
14.12.2011, 16:35
mich kann dieser "Polit-Präsident" nicht überzeugen

der soll gleich für die Grünen ins Parlament gehen... oder für die SPÖ ORF-Intendant werden.

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