"Fußballer leben in einer Scheinwelt"

David Krutzler, 13. Dezember 2011, 18:01
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    foto: apa

    Fußballcoach Kraft wechselt zum American Football.

Ex-Trainer Helmut Kraft kritisiert heimischen Kick und heuert im Football an

Wien - Helmut Kraft ist froh, dass er die österreichische Fußball-Bundesliga derzeit aus der Entfernung genießen kann. "Wenn ich Cheftrainer von Salzburg, Rapid oder der Austria wäre, mir würd's die Tränen rausdrücken. Da wird mit Ried ein Klub zum zweiten Mal hintereinander Herbstmeister, der fünfmal weniger Budget zur Verfügung hat als der reichste Verein der Liga. Der Fußball wird im Moment in Österreich nicht gespielt, sondern getreten."

Sagt einer, der als Fußballtrainer selbst mitten drin war im österreichischen Geschehen. Der 53-jährige Tiroler war 2007 mit der SV Ried sogar Vizemeister, er coachte Wacker Innsbruck und Wiener Neustadt, ehe er im November 2010 wegen Erfolglosigkeit als Trainer von LASK Linz gefeuert wurde.

Jetzt ist Kraft wieder zurück im Sportgeschäft. Aber nicht im Fußball und nicht als Trainer. Kraft ist der neue Pressesprecher des Klubs Kornmesser Rangers, und der ist im American Football daheim. Eine Sportart, die Kraft live noch nicht verfolgt hat. "Ehrlich gesagt habe ich noch kein Spiel in der Austrian Football League gesehen. Aber ich freue mich schon jetzt auf unsere erste Partie im Frühjahr."

Die Rangers aus Wiener Neudorf verstärken als neuer Verein ab 2012 die höchste heimische Football-Liga AFL. "Die Zusammenarbeit mit den Rangers ist kurzfristig zustande gekommen", erzählt Kraft. Denn eigentlich arbeitet er für den Hauptsponsor des Klubs. Ernst Klimitsch, der Chefdesigner des Nobeljuweliers Kornmesser und einst erster Präsident der Rangers, bezahlt den Tiroler seit April 2011 dafür, mit den verschiedenen Juwelieren des Hauses über ihre Probleme zu reden. "Ich mache den Teambuilder", sagt Kraft. "Ich verdiene keine 10.000 Euro im Monat mehr - wie im Fußball. Aber ich bin immer noch überbezahlt."

Die zusätzliche Arbeit als Pressesprecher der Rangers bekam Kraft aber nicht deswegen aufgebrummt. Er soll dem Klub mit seinem Namen zu mehr Öffentlichkeit verhelfen. Und Kraft ist über die neue Erfahrung froh. "Die Footballer erden mich irgendwie. Da ist wieder ein wahres Teamgefühl bemerkbar, die Spieler unternehmen auch in der Freizeit etwas zusammen. Und sie leben für ihren Sport. Ich hab's zuerst ja nicht glauben können, dass die für ihre Ausrüstung und alles andere selbst aufkommen müssen."

600 Euro kostet den Erstliga-Footballern eine Ausrüstung, die zwei, vielleicht drei Saisonen hält. Dazu kommt bei den Rangers ein Mitgliedsbeitrag von 20 Euro im Monat, den die Spieler selbst berappen müssen.

"Im Fußball nehmen die Kicker alles selbstverständlich hin", sagt Kraft. "Sie wundern sich, wenn sie in einem Lokal einmal selbst bezahlen müssen. Sie leben in einer Scheinwelt. Sie wohnen in den besten Hotels, werden hofiert und bombig bezahlt. Wenn du drinnen bist, ist alles normal, da nehme ich mich als Trainer nicht aus. Aber wehe, wenn du aus diesem Kreis rausfliegst. Einige 'Stars' sind nach der Karriere schon ordentlich auf der Nase gelandet." Kraft will selbst nicht mit der Nase gebremst haben. "Aber mir sind die Dinge erst danach so richtig klar geworden."

Comeback möglich

Dem Amateursport Football - zumindest in Österreich - verdankt der Hauptschullehrer, der vor seiner Karriere als Fußballtrainer 20 Jahre in Hall in Tirol Turnen und Englisch unterrichtete, diese Einsichten. Ganz vom Fußball kommt Kraft aber nicht weg. Im Herbst übernahm er kurzfristig den Trainerposten bei seinem Stammklub Hall, dem Tabellenletzten der Regionalliga West. Verlangt hat er für sein Engagement nichts. Kraft: "Das hat sich gut angefühlt." Das Pendeln zwischen Arbeit in Wien und Training und Match in Tirol dauerte aber nur ein paar Wochen.

Auch das Traineramt bei einem Bundesliga-Klub würde Kraft trotz aller Systemkritik reizen. "Aber nicht Kapfenberg, Mattersburg, Innsbruck oder Wiener Neustadt. Klubs in dieser Größenordnung habe ich schon erlebt." (DER STANDARD-Printausgabe 14.12. 2011)

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othello
02
16.12.2011, 20:26

"Ehrlich gesagt habe ich noch kein Spiel in der Austrian Football League gesehen"

hab hier zu lesen aufgehört. das gibts auch nur in österreich.

zauberlehrling70
02
15.12.2011, 09:38
in 1. Linie leben die Vereine in einer Traumwelt

wo Wettbewerbsverzerrung um JEDEN Preis stattfindet. Siehe Charkiv oder Manu...Real usw.

Speziell in der Ukraine gibt es 3-4 Oligarchen, die gegeneinander antreten, und ihre Fußballer degradierte Statisten sind, die dem Herrl als Eintrittskarte in die Geschäftswelt dienen.
Alles unter den Augen der Fifa, die dies duldet. Verschuldungen, Firmen oder Milliardärsübernahmen, die Abschreibposten brauchen...dazu Pay-TV....und das "Geschäft" läuft.

Bei Fußballern..eine Spezies, bei denen viele keine 4stellige Zapfenrechnung zustandebringen, ist es kein Wunder, dies nicht zu durchschauen.

Grundsätzlich aber, hat sich mit den Akademien der IQ wesentlich erhöht, denkt man an Interviews von Baumeister oder Ogris in Jugendjahren

Viola per sempre :-

black jack
02
14.12.2011, 19:00

Um 16 Mio bekommt man halt keine besseren Spieler als um 5 Mio. Ein erster Quantensprung in der Spielkultur scheint erst ab 50 Mio Budget möglich.

50 Mio Budget aus dem normalen Vereinsprofifußball wohlgemerkt! Das bedeutet nämlich, dass man in einer Liga spielt, wo Fernsehrechte, Zuschauerzahlen und Werbeeinnahmen dieses Budget ermöglichen. Dann hat man auch eine Bühne, wo Stars, die sich beweisen wollen, kommen.

In Österreich kann DM 100 Mio ausgeben und die "Stars", die kommen, sind (i) am absteigenden Ast und (ii) zum Feiern und blau machen in die Fußballprovinz gekommen.

Sharky .
02
14.12.2011, 18:57
Glaub ich gern,...

... dass der "Herr" Kraft nicht mehr in Innsbruck arbeiten will. Das beruht auf Gegenseitigkeit! Und das bekommt er auch immer gerne präsentiert. Unglaubliche Ungeheuerlichkeiten hat er sich in seiner Amtszeit geleistet. Stichworte: Clottey, Arthur, Lindström, Verhandlungen mit anderen Vereinen während der entscheidenden Ligaphase (FCW hätte noch den Ligaerhalt schaffen können, aber der Herr Kraft hatte schon in Wr. Neustadt unterschrieben) + Abwerben von Spielern (zur gleichen Zeit den FCW-Leistungsträgern den Kopf verdreht ), Abstieg.

TOMORROW
00
15.12.2011, 22:53
...der 7.Zwerg hinter dem 7.Berg !!! Wichtig wie ein Lercherlschas !

Reinsh
00
14.12.2011, 17:54
Wer lebt hier in einer Traumwelt!?

Martin Purtscher
24
14.12.2011, 15:59

Einer der besten österreichischen Fußballtrainer. Gleich hinter Andi Ogris und Frenkie Schinkels.

didi111
00
14.12.2011, 14:08
Ich habe wenig Ahnung von Sport,

aber eine Frage würde mich interessieren:

Wieviel verdient man als Spieler in einer Stammmannschaft in der Bundeliga pro Monat?

Wäre toll, wenn es hier eine Antwort geben würde.

Danke..

Gary Grantscherbn
00
18.12.2011, 12:37

Also ich hab nur einen aus der 1. Liga mit einigen Jahren Auslandserfahrung und einer Handvoll Länderspielen persönlich kennengelernt. Und war baff, welcher Lebensstil da scheinbar möglich ist...

Ramsay Bolton
01
14.12.2011, 23:26

Viel zu viel dafür dass oft nur 3-4 Stunden am Tag trainiert wird. An manchen Tagen 2x, dafür an anderen wieder überhauptnicht.

Das Arbeitspensum eines Profifußballers ist in Österreich eine Verhöhnung der arbeitenden Bevölkerung. Vor allem in Anbetracht dessen, dass dieses in anderen Ligen weit drüber liegt..

fresch69
00
15.12.2011, 02:58
ich bin

auch nicht überzeugt von der leistung österr. bl spieler,aber international ists genauso wie bei uns: eineinhalb stdn jeweils am vormittag und am nachmittag.vor,nach einem spiel fällt nachmittagseinheit zwecks regeneration aus. nebenbei müssen die spieler auch noch i d kraftkammer 2-3mal i d woche!

verdienen tuns nicht schlecht,auch bei uns. ivanschitz hats vor ca 1 jahr vorgerechnet: er hat in d 12000 brutto plus prämien,in monaten mit 2 länderspielen kommt er ca auf 20000€,ohne eigenvermarktung!

Tschick Tschaikowsk
00
14.12.2011, 14:25
Als die Admira noch zweitklassig war:

http://sport10.at/home/fuss... en-Strafen

eamonclever
00
14.12.2011, 14:24

als jungprofi in einem topclub - 4 kbrutto & prämien, auto, trainingsg- & freizeitgewand, wohnung....

als top profi zwischen 6 & 14k netto & nebengeräusche

royer verdient 20k netto im monat, allerdings in germany

Klaus Walter
00
14.12.2011, 14:20

DURCHSCHNITTs-Monatsgehalt NETTO eines Stammspielers in der Ö-Bundesliga: ca. 12-15 tsd € (schon inkl.Prämien) - ausreisser nach oben (die sogenannten "stars" und rbs-spieler gibt es natürlich genug)

Bertl Heisterkamp
00
14.12.2011, 13:58
Recht hat er ...

Martin Purtscher
03
14.12.2011, 12:51

"Aber nicht Kapfenberg, Mattersburg, Innsbruck oder Wiener Neustadt"
Vielleicht nimmt ihn ja der Andi Ogris als Co nach Barcelona oder Madrid mit.

Pepi Uridil
23
14.12.2011, 12:26

ja, das hat system. zuerst kläglich scheitern, nicht ernst genommen werden, eh viel zu viel verdienen, keinen job mehr finden (selbst in unserer pimperl liga) und dann nachschlagen..... ojojoj.

Gary Grantscherbn
00
18.12.2011, 12:38

netter Nick... :-)

Wolke Sieben
25
14.12.2011, 12:14
Lieber Helli,

ich bin auch froh, dass wir Dich in der heimischen Fußballszene nicht mehr sehen müssen. Grüße aus der Heimat!

donnydarko
 
00
14.12.2011, 11:37

Der hat als Bundesligatrainer 10.000 Euronen verdient im Monat ?
Eigentlich hat er dann eh das Maximum rausgeholt.
Imposanter Aufstieg eines Lehrers.

polypus
00
14.12.2011, 10:01

Ich hab ihn einmal live erlebt. Da war er so arrogant, dass er gar nicht in Betracht zog, dass ihn auch mal jemand bescheissen könnte (er ist ja ein zu lässiger Hegel dafür). Hat sich scheinbar nicht sooo dramatisch geändert.

Klaus Walter
02
14.12.2011, 14:21

bitte was GENAU ist ein "Hegel" ???

Reiner Unfall
00
19.12.2011, 18:24
österreichischer Trend?

Man nehme den Nachnamen einer halbwegs berühmten Persönlichkeit und verwende ihn zur Diffamierung Anderer...

Das nenn ich kreativ!!!

Interista81
00
14.12.2011, 10:13
kenne einige seiner ehemaligen

Spieler sehr gut und die einhellige Meinung ist "durschnittlicher Trainer, unglaublich, dass er es so "weit" gebracht hat" ... Als Typ kommt er unglaublich arrogant rüber und auch mich wundert's, dass der nach wie vor einen so guten Ruf genießt. Jetzt spuckt er noch auf die Hand, die ihn gefüttert hat und gleichzeitig meint er aber nicht auszuschließen, wieder dorthin zurück zu kehren ... Nur für Wacker wäre er sich zu schade. Unglaublich unverschämt eigentlich ...

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