Die Krise ist anderswo, in Österreich jedenfalls ist sie nicht angekommen
Die Krise ist anderswo, in Österreich jedenfalls ist sie nicht angekommen.
Diesen Schluss legt zumindest ein Blick auf die Autozulassungsstatistik nahe.
Zwar wird jahraus, jahrein gejammert, wie unverschämt teuer doch der Treibstoff
ist und wie ungeniert die Finanzministerin speziell bei den Autofahrern zulangt.
Und dann wird gekauft auf Teufel komm raus: nicht etwa Kleinwagen mit geringem
Spritverbrauch, vergleichsweise niedriger Nova und Versicherungssteuer. Nein:
Spritfresser müssen es sein, richtige SUVs - Sport Utility Vehicles.
Nun mag ja stimmen, dass sich unter den fast 50.000 geländewagenähnlichen
Autos, die in Österreich heuer neu zum Verkehr zugelassen wurden, gar nicht so
wenige sind, die nur kurz angemeldet bleiben. Auf diese Weise schönen viele
Firmen ihre Verkaufsstatistik. Die Autos können dann - weil nicht mehr neuwertig
- billiger an den Mann oder an die Frau gebracht werden. Das ist aber
langjährige Praxis und erklärt nicht die Verdoppelung der Verkäufe dieser
hochgezüchteten Autos seit 2005.
Die Industrie trifft nur insofern Schuld, als sie den Leuten vorgaukelt, mit
jedem SUV ein umweltfreundlicheres Auto mehr auf die Straße zu setzen. Wer sich
nämlich die Gesamtbilanz ansieht, merkt bald, dass dem nicht so ist. Weil das
aber selten jemand macht, wird es wohl auch in den nächsten Jahren
Rekordzulassungen bei SUVs geben - teurer Treibstoff hin oder her. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2011)