Traumstoppende Medizin-Versuche

13. Dezember 2011, 17:50
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Regisseurin Carina Riedl hat die surrealen Beziehungswelten von March Hölds Text "Träumt?" im Schwarzen Salon des Volkstheaters inszeniert

Eine Picknickdecke, ein Speibkübel und eine Stoffpuppe - mehr Requisiten braucht es nicht, um die surrealen Beziehungswelten in March Hölds Text Träumt? im Schwarzen Salon des Volkstheaters zu realisieren. Jeweils ein Mann und eine Frau treffen in sieben lose zusammenhängenden Szenen aufeinander. Ein greiser Vater und seine ihn umsorgende Tochter, ein Ehepaar, zwei Studierende, eine Frau mit ihrem Sohn usw. Sie reden über die Banalitäten des Alltags und kehren dabei jeden aufkeimenden Konflikt unter den Teppich. Und das nicht nur metaphorisch. Denn alle hier haben "traumstoppende" Medizin eingenommen, und diese hat eine fatale Nebenwirkung. Die unverarbeiteten Probleme werden zu Soldaten, die unter dem Teppich lauern und jemanden erschießen.

Der gebürtigen Burgenländerin March Höld (Jahrgang 1976) ist mit Träumt? eine irritierende Reise in die Untiefen der menschlichen Psyche gelungen.

Nun hat Regisseurin Carina Riedl die abstruse Geschichte mit einfachsten Mitteln gelungen inszeniert. Sie spielt auf der mit Spiegeln ausgekleideten Bühne auch mit der Selbstwahrnehmung der Zuschauer. Nina Horwáth und Günther Wiederschwinger schlüpfen glaubhaft in die diversen Figuren, vom Burgenländisch sprechenden 80-Jährigen zum Wienerisch redenden 20-Jährigen. (ewe, DER STANDARD - Printausgabe, 14. Dezember 2011)

Volkstheater Wien, Schwarzer Salon. Bis 31. 1.

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    foto: volkstheater/ marko lipus
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