Staatsanleihen

Italiener kaufen ihre eigenen Schulden auf

13. Dezember 2011, 17:44

Italienische Privatanleger kaufen um Milliarden Staatsanleihen. Die Spanier besorgen sich das Geld zu günstigen Konditionen bei Auktionen

Rom/Madrid/Athen - Die Italiener glauben offenbar daran, die Schuldenkrise großteils intern überwinden zu können. So beteiligten sich italienische Anleger am Montag am sogenannten "Staatsanleihen-Tag", an dem sie Staatspapiere kaufen konnten, ohne den Banken Provisionen zu zahlen. Das Finanzministerium sammelte so acht Mrd. Euro am Kapitalmarkt ein. Papiere mit dreijähriger Laufzeit lockten mit einer Rendite von fast sechs Prozent.

Die Nachfrage überstieg deutlich das Angebot. "So viele Käufer haben wir hier schon lange Zeit nicht mehr gesehen", staunten Filialleiter in Italien. Eine ähnliche Initiative hatte schon am 28. November einen überraschend großen Erfolg geerntet. "Wir kaufen uns unsere Staatsschuld zurück!", lautet die Kampagne, die vor einigen Wochen von dem Besitzer einer Leasinggesellschaft, Giuliano Melani, vorgeschlagen wurde und in Italiens Finanzwelt Beifall geerntet hat.

"Lasst uns unsere Schulden kaufen!"

Der aus der toskanischen Stadt Pistoia stammende Melani hatte am 4. November eine ganze Anzeigenseite in einer Tageszeitung geschaltet und an die Italiener appelliert: "Lasst uns unsere Schulden kaufen!" Derzeit halten italienische Privatanleger 14 Prozent der 1900 Mrd. Euro Schulden Roms. Die Italiener haben somit ein Fünftel ihres Vermögens in Staatspapieren angelegt.

Spanien, die viertgrößte Euro-Wirtschaft, konnte sich zu deutlich geringeren Zinsen am Geldmarkt refinanzieren. Bei zwei Auktionen von Papieren mit Laufzeiten von zwölf und 18 Monaten besorgte sich Spanien insgesamt 4,94 Mrd. Euro. Damit wurde sogar der angestrebte Höchstwert von 4,25 Mrd. Euro klar übertroffen. Die Nachfrage war dementsprechend robust und lag deutlich über dem Angebot.

Bei dem Zwölfmonatspapier sank die Rendite von 5,002 Prozent bei einer vergleichbaren Auktion im November auf 4,050 Prozent. Ähnlich stark ging die Rendite bei dem Papier mit einer Laufzeit von 18 Monaten zurück. Hier sank sie von 5,159 Prozent im November auf 4,226 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) als "Gelddruckmaschine" gegen die Krise zu verwenden wurde u. a. von Deutschland bisher kategorisch abgelehnt. Das designierte EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré aus Frankreich ließ allerdings mit der Aussage aufhorchen, die EZB müsse notfalls ihre Aufkäufe von Staatsanleihen wieder hochfahren.

Athener Defizit vergrößert

In Griechenland hingegen hat die von den Sparauflagen verschärfte Rezession das Haushaltsdefizit des Landes erneut vergrößert. Die Wirtschaftsflaute fraß auch die zusätzlichen Einnahmen durch Krisensteuern auf, wie das Finanzministerium meldete. Damit wird Griechenland voraussichtlich seine Sparziele für heuer nicht erreichen und muss möglicherweise zusätzliche Einschnitte durchsetzen, um die Ziele 2012 erreichen zu können. Das Defizit erhöhte sich von Jänner bis November im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 20,52 Mrd. Euro. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2011)

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Posting 1 bis 25 von 96
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system1
21
14.12.2011, 11:43
die staaten müssten vielmehr druck auf die

finanzmärkte machen. wenn ein land nach einem rating sagen wir 7% zinsen zahlen müsste, schau ich mir an ob sich niemand weltweit findet, der im milliardenbereich (!) nicht auch nur 4% verlangen würde. wer das nicht will hat eben schon.... aber finden wird sich bestimmt jemand, unter garantie. lieber 4% von 1 milliarde als 0%.

Ivan Bukov
01
14.12.2011, 10:01

Was nicht vergessen werden darf ist dass Italiener in Italien KEST zahlen muessen.
D.h. bei einer Kest wie in Oesterreich borgt der Staat hier fuer 4.5%!

globalopinion
06
14.12.2011, 10:01
Genial!

Viele Anleger wissen sowieso nicht wo anlegen und da finde ich das die absolut passende Lösung. Das sollten sich andere Länder zum Beispiel nehmen. Auch Österreich. 6% ist eine Super Rendite und zur derzeitigen Haushaltslage von Italien auch fair. Für die Dauer natürlich nicht optimal aber so etwas sollte auch das Land als ganzes zumindest ein bisschen stärken.

normal citizen
01
14.12.2011, 08:55
Und wo gibt es das hierzulande ...

Roter Baron
11
14.12.2011, 10:09

wer will die schrott-papiere schon kaufen ?

András Heinzerle, PhD
01
14.12.2011, 09:31

Ganz einfach per Internet: http://bundesschatz.at

Stahl_____666
00
14.12.2011, 09:05
.

Bei jeder Bank. Diese Papierln kann man bei jeder Bank kaufen.

jimmydean
00
14.12.2011, 09:04
6% bekommt man nicht auf österreichische anleihen

noch nicht..

Dr. Seltsam
 
02
14.12.2011, 09:46

Es kann ja auch niemandes Ziel sein, dass der Staat 6% und mehr für seine Haushaltsfinanzierung zahlen muss.

Marquis de Sade
 
04
14.12.2011, 10:08

...und trotzdem Argumentieren Sparer immer mit den ach so hohen Zinsen der Bank XY. Nur die, die zur Kaupthing Bank gerannt sind, argumentieren jetzt vielleicht anders.

Die Bawag sammelt jetzt zB extrem teuer Geld ein und man darf ruhig fragen warum. Da hat wohl jemand ein massives Refinanzierungsproblem.

jimmydean
00
14.12.2011, 10:00
na ja, als privatanleger würden mich renditen um die 6% aber schon interessieren

da beisst sich eben die katze in den schwanz... anleihen werden genauso durch angebot und nachfrage geregelt...

Dr. Seltsam
 
00
14.12.2011, 13:16

Anleihen werden durch Angebot und Nachfrage geregelt, weil unsere Politiker und die sie finanzierenden Finazinstitutionen das so wollen.

Würden der Staat sich selber das Recht für die Finanzierung der Staatshaushalte vorbehalten, würde er keine Zinsen zahlen müssen. Keynesianische Politik ginge sich dann locker aus.

Nur wir Europäer sind so blöd, uns ohne Not dem Druck der Finanzmärkte auszusetzen.

birka
01
14.12.2011, 13:55

Gott sei gedankt dass es den Druck der Finanzmärkte gibt!!! Denn vom Wähler kommt sowieso kein Druck, von der Judikative und Legislative genauso wenig, bzw wird der komplett ignoriert.

Wenn sich unsere Regierungen alles selber regeln könnten dann wäre jeglicher noch so geringer Anreiz für Effizienz im A*sch!! Stell dir vor SPÖVPBZFPÖGrüne könnten die ganzen ungerechtfertigten Geschenke an Parteifreunde/Firmen etc selber gratis refinanzieren? Das würde als Verpflichtung zur Korruption verstanden werden...

Dr. Seltsam
 
00
14.12.2011, 16:28

Sorry! Das Argument, dass wir dankbar sein sollten, dass uns die Finanzmärkte unterdrücken und das Geld aus der Tasche ziehen, ist doch ein wenig masochistisch! N'est pas?

birka
00
14.12.2011, 16:40

Nicht unbedingt was die Anleihen betrifft! Sollte das Geld aus Staatsanleihen für Infrastruktur etc verwendet werden dann profitieren wir schließlich alle davon. Und falls das Geld für sinnlose Wahlgeschenke verprasst wird ohne dass der Wähler das Maul aufkriegt dann kann man schon froh sein wenn eine Ratingagentur oder ein Kreditgeber sagt "ohne sinnvolles Wachstumsmodell gibts keinen billigen Kredit".

Dass wir andererseits über die ganze Bankenrettung, lasche Regulierung, Politikerbestechung, "mündelsichere Investitionen" etc etc von den Finanzmärkten Länge mal Breite verarscht werden ist eh jedem klar. Hätte gedacht das muss nicht extra erwähnt werden ;)

Dr. Seltsam
 
00
14.12.2011, 17:11

Es kann nicht sinnvoll sein, in Ermangelung ausreichender Phantasie ein komplett destruktives Modell der Ausgabenkontrolle zu wählen.

mike sierra
01
14.12.2011, 10:14

Dann müssen Sie italienische Anleihen kaufen.

Für deppert gehaltener Wähler
11
14.12.2011, 07:55

Man könnte ja jedem Staatsbürger seinem Vermögen entsprechend ein paar Staatsanleihen "verordnen". Bei einem Harcut triffts dann auch die Richtigen.

Nestor Machno
 
00
14.1.2012, 20:25
Das gabs schon.

„Zwangsanleihe“ heißt das.
Wird meistens in oder nach Kriegen gemacht, wenn der Staat völlig pleite ist.
Nicht auszuschließen, daß sowas auch einmal auf einen zukommt.

Wolfgang M. BUCHTA
 
00
14.12.2011, 11:16
Der Nick

...dem kann man nur zustimmen bei dem Vorschlag!

Sportgott
04
14.12.2011, 08:14

Danke Herr Führer, super Idee, aber so ähnlich wirds eh kommen, dann müssen sie halt vorher schauen dass nix mehr auf ihren Konten ist (oder glauben Sie dass das in Österreich nicht passieren wird?)

TrifterSepp
 
03
14.12.2011, 08:09

Dh. Sie wollen die Staatsanleiehen von den Banken und Investoren auf die Bürger umlegen, damit die noch mehr mitzahlen dürfen.

Lustiger Ansatz

Mr. Kretek
00
13.12.2011, 22:45
Mich wundert, dass der Staat nicht früher darauf kam,

den Schwarzen Peter der eigenen Bevölkerung anzudrehen. Wie in Japan, die Staatsverschuldung beträgt mehr als 200 % des BIP.
Im schlimmsten Fall wird der Schuldenschnitt "intern" geregelt.

Der Speck_ulant
00
14.12.2011, 16:05
Der Staat ist die eigene Bevölkerung.

Nestor Machno
 
00
14.1.2012, 20:27
Nein.

Geld ausgeben darf nur die Nationalbank, bzw. heute die EZB. Bei Privaten wirds bestraft.

Es gibt auch noch andere Unterschiede, aber das sollte einmal reichen.

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