Damit die Kunst nicht allein für den Hund ist

13. Dezember 2011, 17:43
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Jedes Jahr im Herbst widmet das Essl-Museum der jungen Kunst eine Ausstellung, etwa den "Emerging Artists" oder wie heuer den Preisträgern des Essl Art Award CEE

18 Künstler aus sieben Ländern wurden ausgezeichnet.

Wien - Gierig leckt der Hund am Knochen. Der knorpelige Leckerbissen ist allerdings nur gemalt. "Kunst für den Hund", kommentiert die bulgarische Künstlerin Elena Kaludova (geb. 1982) das Video, das die realistische Knochenserie auf Leinwand begleitet. Ein sarkastischer Kommentar zum Stellenwert von Gegenwartskunst in ihrer Heimat. Nachdem der Köter kein Kunstkenner ist, hat sie die Begeisterung des Hundes mit einem Trick - aufgetragenem Schweinefett - gewonnen.

Auch Kaludovas zweite Arbeit, bezieht sich auf absurde Alltäglichkeiten in Bulgarien. Das Video mit den Pirouetten drehenden Grillhähnchen hat sie in eine gemalte Kulisse eingebettet: Die typischen englischen Fastfood-Wörter wie "Grill" und "Chicken" werden unübersetzt in kyrillische Schrift übertragen, verrät sie. Bedeutung hätten diese Worte keine mehr. Kaludova, die ihrer traditionellen Ausbildung an der Akademie in Sofia aktuell ein Studium in Berlin anschließt, zählt zu den 18 Preisträgern des Essl Art Award CEE 2011. Seit 2005 werden alle zwei Jahre junge Künstler aus Bulgarien, Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn prämiert. 2013 soll die Türkei hinzukommen.

Kunst ohne Nebenjob

3.500 Euro pro Künstler sind kein Pappenstiel und summieren sich auf biennal 49.000 Euro, die dem Sammlerehepaar Essl die Förderung wert sind. Auf dem Weg nach Venedig habe er per Zufall im Flugzeug neben einer der ersten Preisträgerinnen gesessen: Katerina Sedá (geb. 1977) sei nun "groß im Geschäft", erzählt Karlheinz Essl über Sedá, der die Innsbrucker Galerie im Taxispalais Ende 2007 ihr erstes österreichisches Solo widmete; international folgten etwa die Documenta 12, die Manifesta 7 und die 5. BerlinBiennale. Das Preisgeld habe der in Brno lebenden Künstlerin ermöglicht, sich ein Jahr voll auf die Kunst zu konzentrieren und auf Nebenjobs zu verzichten, fügt Essl nicht ohne Stolz hinzu.

Voll des Lobes für den Preis ist auch Jury-Mitglied René Block: Üblicherweise sind die Jurys gezwungen, die Kunst anhand eingereichter Portfolios und Mappen zu beurteilen. Dass man in jedem Land eine Ausstellung der Nominierten vorbereitet, zeuge von dem großen Respekt der Essls vor der Kunst und der jungen Generation.

Von einigen ist man überzeugt, sie - so wie Sedá - bald in anderem Rahmen wiederzusehen: etwa die Kroatin Sabina Mikelic, deren multimedialen Installationen eine Art therapeutischen Charakter haben. So spürt sie etwa gemeinsam mit ihrer Familie dem Verlust eines Großonkels im Zweiten Weltkrieg nach oder verarbeitet Trennungen, indem sie Fremde nach dem Wesen der Liebe befragt. "Love sucks" gibt eine 15-Jährige zu Protokoll.

Aufgefallen ist auch Josef Bares (geb. 1982 in Prag), der urbane Systeme, ihre Architektur und Zeichen untersucht. In der Projektion Viewpoint series wird ein Gebäude mit mehr als zehn Bildern pro Sekunde umrundet. Die zu einer Art inversen Scherenschnitts reduzierten Bilder wandeln die Stadtansicht in abstrakte Zeichen.

Generell sind die konzeptuelleren, sich vom klassischen Bildformat entfernenden Arbeiten überzeugender als die versammelten Tafelbilder, so auch jene des zweiten jungen Tschechen, Roman Stìtina, der mit dem Medium Ton arbeitet und dessen Ruf als authentisches, Wirklichkeit vermittelndes Medium hinterfragt.

Wichtige Fragen künstlerischer Produktion wirft die in Ljubljana lebende Maja Rozman (geb. 1981 in Zagreb) auf: Wie etwa kann man Bilder zeigen, ohne Copyrights zu verletzen, oder wie Echtheit garantieren? Ihren Fingerabdruck als Symbol künstlerischer Identität macht sie zum Motiv einer Druckgrafikserie. Am letzten Blatt ändert sich ihre "Signatur" unwiederbringlich: Sie fügt ihrem Finger einen Schnitt zu. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Printausgabe, 14. Dezember 2011) 

Bis 12. 2.

  • Mit einem Schnitt hat Maja Rozman ihre künstlerische Signatur auf ewig verändert.
    foto: maja rozman

    Mit einem Schnitt hat Maja Rozman ihre künstlerische Signatur auf ewig verändert.

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