Taxi-App in Wien löst Kartellstreit aus

13. Dezember 2011, 17:26
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Smartphone-Apps wie myTaxi vermitteln Fahrten direkt zwischen Fahrgast und Taxilenker - Darüber verärgert sind die Funkzentralen, die dabei übergangen werden

Wien - Die beiden App-Hersteller Intelligent Apps und get-a-taxi mischen mit ihren Taxi-Apps den heimischen Taximarkt auf. Das beschert jetzt den Wiener Taxizentralen 40100 und 31300 noch vor Weihnachten Post - nicht vom Christkindl, sondern von der Bundeswettbewerbsbehörde. Inhalt: Eine Klage gegen die Exklusivitätsklausel in den Funkverträgen der Taxizentralen, mit der die innovative Direktbestellung von Taxis per Smartphone-App ausgebremst werden soll.

2009 starteten die Hamburger Jungunternehmer Sven Külper und Niclaus Mewes myTaxi. Die seit August 2011 in Wien angebotene App gibt es in Deutschland mittlerweile in 22 Städten. Damit können Fahrgäste ein Taxi vom Smartphone aus direkt bei dem Fahrer bestellen, der ihnen am nächsten ist. Vorteil für Ortsunkundige: Sie müssen keine Nummer einer Funkzentrale kennen; dank GPS weiß die App genau, wo der Fahrgast steht. Der Gast kann auch Bestelloptionen angeben wie Kurierfahrt, Mitführen eines Hundes oder Zahlen mit Kreditkarte. Er erfährt, wann der Wagen voraussichtlich bei ihm eintrifft und was die Fahrt ungefähr kostet. Seit der Expansion nach Wien haben sich laut Külper 350 Taxilenker für das Handyservice bei myTaxi registriert, jede Woche kämen 20 hinzu. Für jede darüber vermittelte Fahrt entrichten diese eine Provision von 99 Cent.

Unmut

Das Funkservice der großen Taxizentralen kommt den Taxlern dagegen wesentlich teurer: Die sogenannte kleine Monatspauschale kostet 160 Euro plus 1,45 Euro pro Fahrt. Darum will die mobile App-Konkurrenz den beiden Funkzentralen, die ungefähr die Hälfte der 5000 Taxis in Wien vermitteln, nicht recht schmecken: Sie werden bei den neuen Taxi-Apps ohne großen Aufwand mit einem billigeren Service übersprungen.

Ihren Unmut darüber haben sie den Wiener Taxiunternehmer S. (der "aus Angst vor weiteren Repressalien" ungenannt bleiben möchte, Anm.) bereits spüren lassen. Funkverträge für drei seiner Fahrzeuge wurden ihm kurzerhand unter Berufung auf die Konkurrenzklausel gekündigt. Diese sieht vor, dass ein konzessioniertes Fahrzeug nicht zeitgleich mit anderen Vermittlungsfirmen zusammenarbeiten darf. Eine Regelung, die für Leo Müllner, Geschäftsführer von 40100, völlig "üblich und zulässig" ist - er verweist im Standard-Gespräch auf die Franchisebranche. Er blicke der Wettbewerbsklage gelassen entgegen. Was ihn nicht hindert, bis dahin die Konkurrenz mittels Agents Provocateurs auszuforschen, wie er frei erzählt.

Nicht erfreut über die Entwicklung ist auch Martin Waldbrunner von 31300. Ihn ärgert besonders, dass sein Unternehmen schon seit einem Jahr eine Taxi-App im Portfolio habe, die aber, "weil es eine österreichische Erfindung ist, bei den Leuten hierzulande auf geringe Resonanz stößt" . Im Unterschied zur myTaxi- und get-a-taxi-App sind beim Smartphone-Service von 31300 und 40100 die Taxifahrer aber weiterhin am Gängelband der Zentralen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD; Printausgabe, 14.12.2011)

  • Smartphone-Apps machen den Taxi-Bestellprozess über Funkzentralen überflüssig
    montage: heide ladstätter

    Smartphone-Apps machen den Taxi-Bestellprozess über Funkzentralen überflüssig

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