EU-Gipfelbeschlüsse

"Volksabstimmung auf keinen Fall notwendig"

13. Dezember 2011, 18:17

EU-Gipfelbeschlüsse laut Verfassungsjuristen kein Eingriff in die Bundesverfassung

Die verfassungsrechtliche Lage ist eindeutig: Nein - die EU-Beschlüsse für mehr Budgetdisziplin erfordern keine Volksabstimmung in Österreich. Drei vom Standard befragte Verfassungsjuristen sind sich einig, dass die EU-Gipfelbeschlüsse, die von den Mitgliedstaaten unter anderem im Verfassungsrang verankerte Schuldenbremsen verlangen, keine so weitreichende Eingriffe in die österreichische Bundesverfassung sind, dass sich eine obligatorische Volksabstimmung ableiten ließe.

Heinz Mayer sagt, dass die Verpflichtung der EU-Staaten zu einem ausgeglichenen Haushalt und einem jährlichen strukturellen Defizit von maximal 0,5 Prozent des nominellen Bruttoinlandsprodukts "sicherlich ein Eingriff in die nationale Souveränität ist, aber solche Eingriffe haben wir seit dem EU-Beitritt" .

Ob eine Volksabstimmung verpflichtend ist, hängt davon ab, ob es sich um "Gesamtänderung der Bundesverfassung" handelt. Diese ist dann gegeben, wenn eines der "Baugesetze" der Verfassung berührt wird: das demokratische, das republikanische, das bundesstaatliche, das rechtsstaatliche, das liberale Prinzip und das Prinzip der Gewaltenteilung.

Durch den EU-Beitritt sei etwa das demokratische Prinzip ("Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus." ) starken Eingriffen ausgesetzt gewesen, "weil nun nicht mehr das gesamte Recht vom österreichischen Volk ausgeht" , erklärt Verfassungsjurist Mayer. Daher war die logische und verpflichtende Konsequenz eine Abstimmung des Volkes.

Die neuen Beschlüsse des letzten EU-Gipfels aber bewegten sich alle innerhalb des EU-Rechts.

"Eine Volksabstimmung ist auf keinen Fall notwendig" , sagt auch Verfassungsexperte Theo Öhlinger: "Diese Beschlüsse jetzt haben auf die Verfassung überhaupt keinen Einfluss. Sie sind auch keine wesentliche Änderung des EU-Vertrags" , zumal sie ohnehin nur Verpflichtungen für die Staaten vorschreiben würden, die diese bereits mit den Maastricht-Kriterien, die unter anderem die Stabilität der Währung sichern sollten, eingegangen seien, sagt Öhlinger.

Auch Bernd-Christian Funk zufolge erfordert die "völkerrechtlich verbindliche Regelung, die die EU jetzt geplant hat, keine Volksabstimmung" .

Hätten die EU-Beschlüsse allerdings über eine EU-Vertragsänderung aller 27 Mitgliedstaaten umgesetzt werden sollen - wie von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gewünscht -, dann hätte das österreichische Volk darüber abstimmen müssen, sagt Funk. Aus zwei Gründen: wegen des "politischen Versprechens" von Kanzler Werner Faymann in Form seines Leserbriefs an die Krone und weil es eine erneute Änderung der Bundesverfassung wegen "tiefgreifender Eingriffe" bedeutet hätte. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD; Printausgabe, 14.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
The Centre
01
14.12.2011, 13:52

Nur weiter so Hr. Faymann, bei jedem Ihrer herausragenden Entscheidungen reibt sich H.C. Strache die Hände. Und wenn dann die FPÖ die absolute hat kommt die Rudas und faselt was von nicht transportierten Inhalten.
Na ja, die verdienen es nicht besser.

Roter Baron
00
15.12.2011, 11:00

die absolute hat nicht mal hitler geschafft
nach seiner "machtergreifung"
die relative aber ist zumindest denkbar.

wenn das allerdings passiert
ist die rudasch so schnell abgetaucht
wie ihr onkel seinerzeit unter klima.

auch eine art von selbstreinigungsprozeß in der partei, und wenn kein anderer geht, dann halt der.

roter baron

WiKaBot
00
14.12.2011, 12:56
Volksabstimmungen nicht nötig …

… natürlich hat man hierzu das Volk nicht befragt, denn sonst hätte man mit Entsetzen genau das Gegenteil feststellen müssen.

http://qpress.de/2011/11/0... -gr-eklat/

An der Stelle hat es eine Volksabstimmung zur Volksabstimmung gegeben, mit etwas mehr als 2.000 Teilnehmern und da kamen knapp 90% überein, dass es Volksabstimmungen EU-weit und einheitlich geben müsse.

Ergo können wir bei einer solchen Aussage getrost von einer „Volksverar…chung“ ausgehen und wer die Medien beherrscht, der hat natürlich auch die Meinungshoheit. Man sollte sie ausnahmslos aus dem Amt prügeln für diese Unverschämtheiten …

hamaca reservada
00
16.12.2011, 02:30
gerade ihr beispiel zeigt, dass vor allem meinungsmache und halbweisheiten eben regieren können.

- auf der einen seite steht die frage: wann sind menschen zufrieden mit den politikerInnen: da gibt es - oft eben aufgrund von halbweisheiten und meinungsmache illusionäre "erlösungserwartungen", die wiederum lieben auch die medien.
das ist zum beispiel ein grund dafür, dass ich es nicht für demokratischer halte, wenn z.b. eine eu-kommission gewählt würde - man wählt eine schablone. wichtiger sind m.e. mitspracherechte der interessensvertretungen.
- das zweite: ist die unsitte, die einreißt, an den bestehenden rechtsbeständen vorbei, gesetzliche oder institutionelle fakten zu schaffen. mit dem argument, man hat mich ja gewählt - dabei helfen wiederum die medien. das hat totalitäre züge.
eine volksabstimmung in gr kann die eu nicht verbiete

fmi
00
14.12.2011, 08:57
Erster Schritt zur EU Steuer

Das wird übrigbleiben, da die "Sanktionen" wieder mal zahnlos sein werden, das einzig Wirksame wäre ein Rausschmiß eines Landes aus der Eurozone, was aus bekannten Gründen (?) ganz Europa, besser noch die ganze Welt z.B. China in den Abgrund führen würde.

der stachel
01
14.12.2011, 08:01
ESM

Mich würde von den Verfassungsjuristen interessieren, ob das im Vertrag zur Errichtung des ESM vorgesehene Durchgriffsrecht auf die nationalen Budgets, ebenfalls verfassungskonform ist bzw.nicht einer Volksabstimmung zu unterwerfen ist?

övp sucks !!!
01
14.12.2011, 08:32

das kommt ganz auf die höhe des honorars für das professorale rechtsgutachten an

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
03
14.12.2011, 07:12
Volk & Abstimmung

Klar fürchtet die Politik die Volksabstimmung wie der Teufel das Weihwasser, denn alles, was mit der EU zu tun hat, würde mit grosser Mehrheit abgelehnt werden. Das Volk hat die Beitrittslügen von Franz "Sparbuchanonymität" Vranitzky, Gitti "Tausender" Ederer & Co nie vergessen.
Wobei es besser wäre, sich jetzt dem Volk zu stellen, als bei der nächsten (Protest)wahl wieder die "Bestürzten" zu spielen.

Gerhard56
14
14.12.2011, 05:58
Der Faymann hat's versprochen .....

.... und schon gebrochen! Er dachte wohl, daß so eine Situation nicht so schnell kommen würde, wo eine Änderung anstünde. Jetzt wäre aber eine Volksabstimmung nötig und jetzt hat er sein Versprechen vergessen, weil möglicherweise will das Volk diesen EU-Wahnsinn nicht mehr und will auch keine Milliardenüberweisungen an die EU. Faymänchens Rückrat besteht aus einem Gartenschlauch! So weich und biegsam, nie in der Lage mal aufrecht zu stehen.

WiKaBot
00
14.12.2011, 12:57
… bald gebrochen …

BernhardLouise
30
14.12.2011, 08:27
Geh', bitte, schreiben Sie doch diesen Schwachsinn ihrer Pepi-Tante als Brieflein aufs Klopapier

anstatt das Forum zuzumuellen damit.

Vintageologist
 
00
15.12.2011, 20:43
Bist du einer von Faymanns Facebook Freunden?

Promille Prolet
00
14.12.2011, 16:03
Failmann...?

der schwitzbär der schwitzt sehr
04
13.12.2011, 23:27
Tja, liebe Kinder

laut Herrn Mayer ist uns also bei der Volksabstimmung klar gewesen, daß wir "starken Eingriffen auf das demokratische Prinzip" zustimmen

schöner kann man uns nicht belügen

Es ist uns dies
1.
bei der Abstimmung absolut nicht bewußt gewesen, und
2.
war das demokratische Prinzip keineswegs "Eingriffen ausgesetzt", denn an der Wahl der Volksvertreter hatte sich nichts geändert, und die hatten in Brüssel EINE VETOMÖGLICHKEIT

folglich war das demokratische Prinzip VOLLSTÄNDIG INTAKT

und NUR DEM haben wir 1994 zugestimmt

p.s: den Stabilitätskriterien (Defizit, Verschuldung) haben wir zugestimmt, und da ist eine Bremse ok

Aber den BRUCH der österr. Verfassung durch Lissabon werden Sie uns durch Geschichtsfälschung nicht schönreden können!

Salz Burger
00
14.12.2011, 08:36

Es war schon in Ordnung, 1994 das Volk abstimmen zu lassen. Sie hätten sich halt besser informieren können.

Vintageologist
 
00
15.12.2011, 20:47

Interessanterweise sind im Privatrecht Klauseln innerhalb von z.B. AGBs, die für den Konsumenten grob benachteiligend sind und "so nicht zu erwarten waren" ungültig. Wenn die Leute mit ihrer Abstimmung also damals derartigen Dingen zugestimmt hätten, dann finde ich, dass man das analog auch im öffentlichen Recht anwenden sollte.

Salz Burger
00
16.12.2011, 09:40

Ich bezweifle, dass bei Volksabstimmungen über Angelegenheiten des Staates privatrechtliche Klauseln in Anwendung kommen.
Die Mehrheit war mehr als eindeutig. Also mir war zumindest damals klar, dass der Beitritt irgendwann zu einer Art vereinigte Staaten von Europa führen könnte und gegen diese Vorstellung habe ich auch gar nichts.

Tubalkain
00
13.12.2011, 20:58
Warum nicht?!

Dann waere alles klar, kein Politiker muesste mehr erklaeren, welch grosse Verantwortung er traegt - oder vorgibt zu tragen. Die Zornbuerger sagen Euch schon, wo der Bartel den Most her holt!

paulchenpanther
00
13.12.2011, 20:40

Seien wir doch ehrlich: Über so etwas kann es keine Volksabstimmung geben. Da besteht ja die (gar nicht unwahrscheinliche) Möglichkeit, dass das Volk die Maßnahmen ablehnt. Und das würde ja alle Gipfelergebnisse ad absurdum führen.

Und man denke auch an die Aufregung, die Papadimitrious Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland verursacht hat.

Cato der Ältere1
00
14.12.2011, 09:52
Abstimmen kann man nur über etwas, was man versteht. Jeder

Wahlberechtigte versteht.

Leider ist es ja so, dass es Dinge gibt, die selbst studierten Ökonomen nicht mehr "ganz" klar sind. Wie soll dann ein kleiner Wähler, wie zum Beispiel ich, das verstehen.

Wenn der Großteil der Wähler dann nur noch die Schlagzeilen einschlägiger Presse wahrnimmt (falls er noch lesen kann) oder aber den populistischen Aussagen von Politikern lauscht, kann eine auf Vernunft passierende Abstimmung nicht erfolgen.

Halbwissen ist in einer komplexen Situation ein sehr schlechter Ratgeber.

Wenn ein Ergebnis einer Abstimmung ein unabsehbares Chaos anrichtet, dann werden diejenigen die dafür abgestimmt haben sagen. "Dass habe ich nicht gewusst". Dann wird es aber zu spät sein.

Promille Prolet
00
14.12.2011, 16:09
ungültiger einwand

wenn sie von einem vertreter zur unterschrift gebeten werden zu etwas, das sie nicht verstehen, oder vielleicht auch nicht wollen, dann ist es besser, sie lassen es.

warum sollte das in einer demokratie anders sein. zumal selbst studierte ökonomen da angeblich nicht mehr ganz durchblicken.

in wahrheit blicken die ökonomen natürlich durch, und nutzen ihr wissen fleißig zur umverteilung von unten nach oben. der instinkt der wähler, zu allen unnötigen ausgaben nein zu sagen, wäre meistens richtig. leider paßt das den "ökonomen" und ihren willfährigen schergen in der politik nicht in den kram. drum ist eine volksabstimmung ja auch nie "notwendig".

Vintageologist
 
00
15.12.2011, 20:49
Keine Umverteilung von unten nach oben ist das...

...denn bei dieser Phrase könnte man das Gefühl bekommen, "die Reichen" würden davon profitieren. Das stimmt aber nicht. Tatsächlich profitieren nämlich nur die Politfreunderl davon und nicht die Leistungsträger der Nation.

Cato der Ältere1
10
14.12.2011, 19:56
..wenn ich etwas verstehen will, dann hole ich mir die Informationen

,wenn etwas trotzdem zu hoch für mich ist dann laß ich es.

Wenn eine Entscheidung innerhalb der E'U getroffen wird, dann wird diese von demokratisch gewählten Vertretern der jeweiligen Staaten getan.

Es wird hier in diesem Forum so getan als ob die EU eine diktatorische Vereinigung wäre. Das ist mitnichten. Die wichtigne Entscheidungen trifft immer noch der europäische RAT. Ja und nun fragen Sie mal wer das ist.

...ja genau, das sind die in den jeweiligen Ländern demokratisch gewählten Regierungschefs.

Ich finde es ja durchaus spannend, wenn gerade eine Partei, die mit der Demokratie nicht gerade "glücklich" ist, nach Volkes Stimme verlangt.

Ich weiß, """gesundes Volksempfinden""".

Promille Prolet
00
ein quargl ist das

sososo, im eu-rat sitzen demokratisch gewählte regierungschefs... dass ich nicht lache.

seit wann ist denn der herr bundeskanzler demokratisch gewählt? der ist vom HBP ernannt, zwar meist der chef der stimmenstärksten partei im NR, obwohl neulich auch schon mal der chef der drittstärksten partei ran durfte.

dort sitzt die EXIKUTIVE, lieber herr. autokraten reinsten wassers sind dort unter sich, ganz intim. demokratie ist anders.

und in der kommission? noch ärger. ausgediente politiker kriegen ihren lebensabend vergoldet und dürfen plötzlich ihrem traum ausleben, super-autokrat sein. ein heer von hochbezahlten eu-beamten liest ihnen jeden wunsch von den augen ab, blind für die wünsche der bevölkerung.

Vintageologist
 
00
15.12.2011, 20:51
Aber was tun, wenn es scheinbar keine (Wahl-)Alternative gibt...

...weil unsere Politiker allesamt korrupt sind?

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