Joanneum Graz

Die Kunst und das Märchen vom Sparen

Colette M. Schmidt , 13. Dezember 2011, 17:31

Diskussion im Grazer Joanneum: Weibel hält VP-Buchmann für rücktrittsreif

Graz - Der Unmut in der steirischen Kulturszene wächst weiter und macht sich zunehmend Luft. Das wurde am Montag bei einer Podiumsdiskussion, zu der die steirische Gesellschaft für Kulturpolitik ins neue Joanneumsviertel geladen hatte, mehr als deutlich. Wie berichtet, wandten sich erst vor wenigen Wochen alle namhaften Institutionen für bildende Kunst in Graz mit einem Papier an die Öffentlichkeit, in dem sie aufzeigten, was sie unter effizienter Kulturpolitik verstehen würden.

Am selben Tag, an dem die Grazer Szene mit dem SP-Politiker Michael Grossmann den dritten Kulturstadtrat und damit den dritten Verhandlungspartner in diesem Jahr vor die Nase gesetzt bekam, befasste man sich am Abend mit dem prekären Thema Kunst und Geld. Am Podium saßen der Nochchefkurator der Neuen Galerie, Peter Weibel, die Intendantin des Steirischen Herbstes, Veronica Kaup-Hasler, Schriftsteller Philipp Blom und der Exkulturlandesrat Kurt Flecker (SP).

Joanneums-Chef Peter Pakesch und Kulturlandesrat Christian Buchmann (VP) waren nicht gekommen. Pakesch hatte Weibel im April nach einem Streit über die Neuorganisation des Universalmuseums Joanneum gefeuert.

Nur 1,2 Prozent des Landesbudgets, so rechnete Moderator und Kleine Zeitung-Redakteur Michael Tschida vor, fließen in der Steiermark in den wichtigen Wirtschaftszweig der Kultur. Trotzdem werden auch hier 25 Prozent gekürzt. Weibel rief dazu auf, dem "Märchen über das Sparen" nicht zu glauben. Man spare nicht, man flute die Märkte mit Geld, "wieso wird die Kultur nicht überflutet mit Geld?" Blom wies darauf hin, dass es zwar bessere Kulturpolitik als in Österreich, etwa in Frankreich, aber auch schlechtere, wie in Großbritannien, gebe. Dass Privatsponsoring hilft, wenn öffentliche Gelder gekürzt werden, weiß Kaup-Hasler. Sie betonte aber, dass man die Politik nicht aus der Pflicht nehmen dürfe. Das sah auch Flecker so, dem Förderungen sympathischer seien, "weil sie demokratischer sind".

Nachdem viele unter den rund 150 Gästen ihrem Ärger Luft gemacht hatten, rief Weibel: "Die Kulturschaffenden müssen den Rücktritt von Landesrat Buchmann verlangen. Er ist ein willfähriger Exekutor von Herrn Pakesch." Applaus im Auditorium. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD - Printausgabe, 14. Dezember 2011)

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15 Postings
aiuto
00
15.12.2011, 17:24
da dürfte Weibel durchaus recht haben.

Ab warum macht man auch einen ehemaligen Kammerangestellten zum Kulturlandesrat?
der hat ja schon als Stadtrat in Graz nichts weitergebracht.

Hanns Ch.1
01
14.12.2011, 15:30
..zoff invest....

solange man die fehde zweier alter herren finanzieren kann, dürfte ja genug geld da sein,..
und auch andernorts scheint man das kulturgeld in irgendwelchen intrigen und wadenbeisserein zu versenken,..
kaum ein kulturverein oder ausstellungshaus , wo nicht
die energien in privaten querelen der agierenden verpuffen,..
denn qualität und kunst scheint in den meisten fällen sowieso kein thema mehr zu sein,....
dann stimmt also die vermutung, dass die kulturförderung besser im sozialministerium aufgehoben wäre, zumindest schönt sie die arbeitslosenstatistik.

magicjohnson
00
14.12.2011, 17:20

d'accord

Gernot Tutner
00
14.12.2011, 17:01

Wir Künstler und Kulturschaffende tun lediglich so wie es uns von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vorexerziert wird. Dass wir ein gesellschaftliches Gegenmodell leben, wird uns ja nicht erlaubt.

Keine Ahnung
11
14.12.2011, 11:41
wann lässt man uns endlich mit den Prifvatfehden des Herrn Weibel in Ruhe?

Cle Mens
00
14.12.2011, 13:53
Dazu gehören zwei und Pakesch war ja nicht gekommen.

Keine Ahnung
00
14.12.2011, 17:08

glauben Sie, der Weibel würd irgendwohin gehen wo der Pakesch den Zampano gibt?
Grausliges Machtmenschengehabe ist das meiner Meinung nach...

biberkopf
00
14.12.2011, 11:22
peter weibels rede zur eröffnung

http://soundcloud.com/footage20... 25-11-2011

magicjohnson
00
14.12.2011, 12:26
und was hat das...

...mit dem thema zu tun? ich war bei der veranstaltung anwesend und die leidige pakesch-weibel geschichte war da aber schon überhaupt kein thema. es wurde viel gejammert und mit dem publikum zumindest lebhaftig diskutiert (auch wenn der moderator penibel darauf achtete, nicht vom thema abzuschweifen). lösungsansätze kamen keine zutage, die podiumsgäste waren in ihrer meinung sehr homogen.
frau schmidt scheint da eher ihre persönliche befindlichkeiten miteinfließen zu lassen, vielleicht sollte man beim standard mal überdenken, ihr platz für ein kommentar zu geben, wo sie ihre meinung kundtun kann. der objektivität würde es nicht schaden.

mehrzweckhalle
01
14.12.2011, 09:08
Bezeichnend,

dass Pakesch und sein Politiker nicht gekommen sind. Die beiden sind Weibel nur insofern gewachsen, als dass sie ihn absägen.

Fritz Meyer
11
14.12.2011, 03:04
Populisten darf man nicht an die Kunst lassen.

Das dürfte schon seit dem Postkartenmaler aus Braunau kein Geheimnis mehr sein.

Cle Mens
00
14.12.2011, 13:54
Darunter tun Sie's nicht, stimmts?

Gernot Tutner
02
13.12.2011, 23:44
Die wahre Schlussmessage von Hrn. Prof. Weibel

Liebe Colette!
Die Schlussforderung/-bitte von Weibel war: "Fördert die Talente der Steiermark und Graz!" (sonst hauen sie ab...sinngemäß). Danke für's berichten.
Gernot Tutner

mi Pe
11
14.12.2011, 12:15
alles gute zum geburtstag

magicjohnson
00
14.12.2011, 08:37
Tosender Applaus

Frau Schmidt, waren Sie eigentlich bis zum Ende? Da gab's andere Szenen, wo zumindest mehr als 5 Leute geklatscht hatten. :-)

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