Diskussion im Grazer Joanneum: Weibel hält VP-Buchmann für rücktrittsreif
Graz - Der Unmut in der steirischen Kulturszene wächst weiter und macht sich zunehmend Luft. Das wurde am Montag bei einer Podiumsdiskussion, zu der die steirische Gesellschaft für Kulturpolitik ins neue Joanneumsviertel geladen hatte, mehr als deutlich. Wie berichtet, wandten sich erst vor wenigen Wochen alle namhaften Institutionen für bildende Kunst in Graz mit einem Papier an die Öffentlichkeit, in dem sie aufzeigten, was sie unter effizienter Kulturpolitik verstehen würden.
Am selben Tag, an dem die Grazer Szene mit dem SP-Politiker Michael Grossmann den dritten Kulturstadtrat und damit den dritten Verhandlungspartner in diesem Jahr vor die Nase gesetzt bekam, befasste man sich am Abend mit dem prekären Thema Kunst und Geld. Am Podium saßen der Nochchefkurator der Neuen Galerie, Peter Weibel, die Intendantin des Steirischen Herbstes, Veronica Kaup-Hasler, Schriftsteller Philipp Blom und der Exkulturlandesrat Kurt Flecker (SP).
Joanneums-Chef Peter Pakesch und Kulturlandesrat Christian Buchmann (VP) waren nicht gekommen. Pakesch hatte Weibel im April nach einem Streit über die Neuorganisation des Universalmuseums Joanneum gefeuert.
Nur 1,2 Prozent des Landesbudgets, so rechnete Moderator und Kleine Zeitung-Redakteur Michael Tschida vor, fließen in der Steiermark in den wichtigen Wirtschaftszweig der Kultur. Trotzdem werden auch hier 25 Prozent gekürzt. Weibel rief dazu auf, dem "Märchen über das Sparen" nicht zu glauben. Man spare nicht, man flute die Märkte mit Geld, "wieso wird die Kultur nicht überflutet mit Geld?" Blom wies darauf hin, dass es zwar bessere Kulturpolitik als in Österreich, etwa in Frankreich, aber auch schlechtere, wie in Großbritannien, gebe. Dass Privatsponsoring hilft, wenn öffentliche Gelder gekürzt werden, weiß Kaup-Hasler. Sie betonte aber, dass man die Politik nicht aus der Pflicht nehmen dürfe. Das sah auch Flecker so, dem Förderungen sympathischer seien, "weil sie demokratischer sind".
Nachdem viele unter den rund 150 Gästen ihrem Ärger Luft gemacht hatten, rief Weibel: "Die Kulturschaffenden müssen den Rücktritt von Landesrat Buchmann verlangen. Er ist ein willfähriger Exekutor von Herrn Pakesch." Applaus im Auditorium. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD - Printausgabe, 14. Dezember 2011)