Bisher nur kostenpflichtig und als Fortbildung an Pädogischen Hochschulen - Schmied will neue Lehrerausbildung "auf Augenhöhe" mit den Unis
Bereits ab dem kommenden Studienjahr will Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) das erste reguläre Masterstudium an Pädagogischen Hochschulen anbieten. Das kündigte Schmied gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Entwicklungsrates für Pädagogische Hochschulen (PH), Andreas Schnider, bei einer Pressekonferenz an.
Laut Schnider soll das Masterstudium noch nicht flächendeckend angeboten werden, einzelne Pilotprojekte werden aber bereits im Studienjahr 2012/13 gestartet. Die Studienangebote wurden bereits ausgeschrieben; die PHs können ihre Bewerbungen für Hochschullehrgänge noch bis zum Ende des nächsten Jahres einreichen. Der Fokus der Masterstudien liegt Schnider zufolge auf Mentoring und Schulmanagement.
Derzeit gibt es an PHs Masterstudiengänge nur unter dem Titel Fortbildung, die Angebote sind kostenpflichtig und nicht öffentlich. Für die Einführung staatlich finanzierter Masterstudien, wie sie ab nächsten Jahr angeboten werden sollen, ist eine Änderung des Hochschulgesetzes notwendig, was laut Ministerium noch im ersten Halbjahr 2012 geschehen soll.
Fünf Jahre Pädagogische Hochschulen
Die Pädagogischen Hochschulen wurden 2005 eingeführt. Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Vertreter der PHs nutzten das Jubiläum für eine "Zwischenbilanz". Laut Ivo Brunner, Vorsitzender der PH-Rektorenkonferenz, sei seit 2006 intensiv an der hochschulischen Neuorientierung in der Lehrerbildung gearbeitet worden, der "Paradigmenwechsel zu einer hochschulischen Struktur" sei gelungen.
Schmied und die Vertreter der PHs ließen es sich auch nicht nehmen die Pädagogischen Hochschulen im Wettbewerb rund um die neue Lehrerausbildung in Stellung zu bringen. Wie berichtet, soll die Lehrerausbildung vereinheitlicht werden. Ob die Ausbildung der Pädagogen an den Universitäten oder an den PHs verortet werden soll, ist derzeit noch umstritten. Während Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) die Ausbildung an den Universitäten sieht, spricht sich Schmied für eine dominante Rolle der Pädagogischen Hochschulen aus.
Lehrerausbildung an Uni und/oder PH
Schmied sagte bei der Pressekonferenz, dass die PHs derzeit ausgearbeitet und weiterentwickelt werden, um bei der neuen Lehrerausbildung - gemeinsam mit den Universitäten - ein "Best of" durch Kooperationen anbieten zu können. "Wir wollen hochprofessionell auf Augenhöhe zusammenarbeiten", so Schmied. Die Zusammenarbeit werde am Ende in Linz anders ausschauen als in Vorarlberg und in Graz anders als in Wien, sagte die Unterrichtsministerin.
Neues Dienstrecht
Um weniger Berichterstattung über "die Betoniererfraktion" im Bildungsbereich bat Wolfgang Weissengruber, Vorsitzender der Standesvertretung der Pädogischen Hochschulen. Er betonte die gute Zusammenarbeit mit dem Unterrichtsministerium bei der Ausarbeitung des neuen Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrende an PHs, das im Ministerrat beschlossen wurde und am 1. Oktober 2012 in Kraft treten soll. Weissengruber sieht in dem "universitären, eigenständigen Dienstrecht" eine Stärkung "des akademischen Charakters der PH". "Es gibt kein Stundenzählen mehr, sondern am Anfang des Jahres eine schriftliche Vereinbarung mit dem Rektor darüber, was der qualitative Output sein soll", so Weissengruber.
Schmied sieht die Eingigung über das neue Dienstrecht als "Meilenstein" und hofft auf Signalwirkung für die Verhandlungen über das Lehrerdienstrecht. Die erwiesen sich bisher als zäh. Die Unterrichtministerin hat sich eine Einigung in dieser Legislaturperiode (bis 2013) vorgenommen. (lis, derStandard.at, 13.12.2011/APA)