Activin lässt normalerweise Wunden rascher heilen, im Übermaß vorhanden, fördert es allerdings die Entstehung von Krebs
Zürich - Wissenschafter der ETH Zürich haben ein Eiweiß unter die Lupe genommen, das eigentlich Wunden rascher heilen lässt. Ist das Protein Activin allerdings im
Übermaß vorhanden, fördert es die Entwicklung von Hautkrebs.
"Der Krebs benutzt dieselben Mechanismen, die auch eine Wunde zum Heilen
braucht", erklärt wird Sabine Werner, Professorin für Zellbiologie an der ETH Zürich, im
Onlinemagazin "ETH Life". Der Krebs unterwerfe sich diese Mechanismen
und schalte sie nicht mehr aus. So kann Gewebe unkontrolliert wachsen - ein
Tumor entsteht.
Werner und ihre Forschungsgruppe zeigen nun in einer im Fachmagazin "Nature
Communications" erschienenen Studie den Zusammenhang zwischen Wundheilung und
Hautkrebs auf. Sie untersuchten das Eiweiß Activin, von dem bereits bekannt war,
dass es die Wundheilung beschleunigt.
Die Forscher veränderten Labormäuse gentechnisch so, dass die
Activin-Produktion in ihren Hautzellen ständig angekurbelt war. Dann behandelten
die Wissenschafter diese Mäuse und solche, die nicht gentechnisch verändert
waren, mit Chemikalien, die Hautkrebs auslösen können.
Es zeigte sich, dass die Mäuse mit viel Activin deutlich häufiger Tumore
entwickelten, und dass diese schneller und bösartiger wucherten. Die Forscher
konnten auch aufzeigen, welche Zellen das Eiweiß umprogrammiert, auf welchem Weg
der Tumor überhaupt entstehen kann.
Mehr Activin in Zellen von Plattenepitheltumoren
Als nächstes bestimmten die Wissenschafter den Activin-Pegel in menschlichem
Krebsgewebe. Das Resultat war dasselbe wie im Mausmodell: Auch in den
Gewebeproben war die Konzentration von Activin erhöht, insbesondere in den
sogenannten bösartigen Plattenepitheltumoren, einem häufigen Hautkrebstyp.
Werner und ihre Kollegen wollen nun untersuchen, ob sich die Krebsgefahr
bannen lässt, indem Activin mit einem Hemmstoff blockiert wird. Das könnte zwar
die Wundheilung beeinträchtigen. Doch laut Werner tun dies viele bestehende
Krebstherapien auch. (APA, red)