Wien/Paris - Der düstere Konjunkturausblick und die europäische Schuldenkrise
drosseln die Ölnachfrage. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec),
die sich am Mittwoch zu einer Konferenz in Wien trifft, hat in ihrem am
Dienstag veröffentlichten Monatsbericht ihre Prognose zum wiederholten Male
zurückgenommen.
"Die geplanten Sparmaßnahmen in der Euro-Zone und in anderen OECD-Ländern,
die Abschwächung in Schwellenländern - vor allem in China und Indien- und die
weiterhin schwache US-Konjunktur sind Faktoren, die aufmerksam auf
Abwärtsrisiken geprüft werden müssen", teilte das Ölkartell mit. Die Opec
rechnet für 2012 nur noch mit einem Anstieg der täglichen weltweiten Ölnachfrage
um 1,1 Millionen Fass (159 Liter). Im Vormonat hatte sie das Wachstum noch auf
rund 1,2 Mio. Barrel geschätzt.
Auch die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris hat erneut ihre
Vorhersage für die weltweite Ölnachfrage zurückgenommen. Die Agentur kalkuliere
nur noch mit einer globalen Nachfrage nach Opec-Öl von 30,2 Millionen Barrel pro
Tag. Das ist eine Rücknahme um täglich 300.000 Fass verglichen mit dem
vorherigen Bericht. Die zwölf Mitglieder umfassende Opec produziert täglich
30,68 Mio. Fass.
Strengere Sanktionen
Nach Berechnungen der IEA könnten strengere Sanktionen die iranische
Öl-Förderung um fast ein Viertel einbrechen lassen. Bis 2016 würden demnach
weitere internationale Strafmaßnahmen die Produktion um 890.000 Barrel pro Tag
auf unter drei Millionen Tagesfass drücken. Zwar könnte ein breiteres Embargo zu
höheren Rohöl-Preisen führen. Allerdings würden damit möglicherweise auch die
iranischen Einkünfte aus dem Öl-Geschäft stärker begrenzt.
Der Westen diskutiert im Atomstreit mit dem Iran eine Erweiterung bestehender
US- und EU-Sanktionen. So sollen Schlupflöcher beim Export von Ausrüstung oder
Ingenieursdienstleistungen geschlossen werden. Dem Iran wird vorgeworfen, nach
Kernwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.
Der Ölpreis ist am Dienstag leicht gestiegen. Die Nordseesorte Brent,
Preisführer in Europa, und US-Leichtöl verteuerten sich um 0,8 und 0,6 Prozent
auf 108,04 beziehungsweise 98,32 Dollar je Fass. Seit Monatsbeginn haben das
US-Öl der Sorte WTI und Brent sich jeweils um gut zwei Prozent verbilligt.
Im Vorfeld der Opec-Konferenz wurden keine tiefgreifenden Entscheidungen des
Ölkartells erwartet. Weder eine Kürzung noch eine Ausweitung der Förderung sei
derzeit im Gespräch, hieß es in Expertenkreisen. Die wesentlichen Player seien
mit dem augenblicklichen Preisniveau zufrieden. Ein Großteil der Opec-Länder sei
auf die Einnahmen angewiesen, um Sozialprogramme zu finanzieren und Unruhen
vorzubeugen. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2011)