Verein für Anti-Piraterie setzt auf Zwangsmaßnahmen

13. Dezember 2011, 13:58
235 Postings

Sperren gegen 30 bis 40 Seiten geplant - "Ende von Kino.to sorgte für Anstieg von DVD-Verkäufen"

Der Kampf gegen Filmpiraten im Netz braucht auch Zwangsmaßnahmen. So die Botschaft der diesjährigen Pressekonferenz des "Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche" (VAP) in Wien. Darunter versteht der Verein die Sperre von Webseiten. 

Sperre von kino.to

So setzte der VAP mittels einstweiliger Verfügung durch, dass der österreichische Internet-Provider UPC das Portal kino.to sperren und den Zugang zur Seite zu unterbinden musste. Die Website bot Links zu Copyright-geschützten Filme an. "Da die Seitenbetreiber nicht festgestellt werden konnten, nahmen wir die Internet Service Provider in die Pflicht", so Rechtsanwalt Andreas Manak.
Mittlerweile ist kino.to Geschichte, einige Betreiber wurden zu Haftsstrafen verurteilt und im Netz finden sich vergleichbare Angebote - der WebStandard berichtete.

"Nun liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof"

UPC bekämpft die einstweilige Verfügung , allerdings bekam der VAP im November dieses Jahres auch vom Oberlandesgericht Wien Rückendeckung. Es folgte den Argumenten des Vereins. "Nun liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof", so Manak. Sollte wir recht bekommen, dann gehen wir davon aus, dass auch andere Provider Seiten, mit illegalen Content sperren werden - da es dann einen klaren rechtlichen Rahmen für derartige Blockaden gibt, so Manak.

Weitere Sperren

Man strebe grundsätzlich Domain- und IP-Sperren für jene 30 bis 40 Downloadseiten an, die (fast) ausschließlich illegale Inhalte anböten. Die heftig umstrittene Filterlösung sei "derzeit kein Thema", so VAp-Geschäftsfüher Werner Müller. Ob etwaige Webseiten, die Anleitungen zum Umgehen von Sperren veröffentlichen, dann auch gesperrt werden sollen und wo die Grenzen gezogen würden, blieb unklar. "Das ist ein gesellschaftspolitisches Minenfeld."

Die Maßnahmen sollen sich laut VAP nicht gegen den einzelnen User oder den meist wenig professionellen User Generated Content richten, der sich etwa auf Seiten wie YouTube findet, sondern gegen die großen kommerziellen Piratenplattformen

Der Fachverband für Werbung und Marktkommunikation wird sich zudem dafür einsetzen, dass keine Werbung von österreichischen Unternehmen mehr auf Piraterieseiten geschalten wird, hieß es. Größtenteils finanzieren sich demnach die vom VAP ins Auge gefassten Portale, die beim Pressegespräch jedoch nicht einzeln ausgewiesen wurden, über solche Werbung.

DVD-Verkäufe

VAP-Präsident Ferdinand Morawetz betonte, dass die DVD-Verkäufe in Deutschland, nach dem Ende von kino.to, um "rund 25 Prozent" zunahmen. Er sieht den Kampf gegen Filmpiraten als Kampf für Arbeitsplätze.  Dessen werde man sich bewusst, wenn man sich einmal den ganzen Abspann eines Films ansehe. Und es gebe schließlich genügend legale Angebote - von Kino über CD und DVD bis hin zu Onlineplattformen, um sich Filme anzusehen oder Songs anzuhören. Als attraktives Beispiel wurde Spotify genannt, das einen mustergültigen Start in Österreich hinlegte.

Laut Andreas Manak hat sich die Aktivität des Vereins im Übrigen weitgehend von den Flohmärkten ins Internet verlagert, die Schäden durch illegalen Contenterwerb belaufen sich in Österreich nach Schätzungen auf rund 30 Millionen Euro.  (APA/sum)

  • UPC musste mit der einstweiligen Verfügung im Mai den Zugang zum Portal kino.to sperren. Derzeit läuft der Musterprozess, der den Providern eine Mitverantwortung durch die Vermittlung von rechtswidrigen Inhalten anlastet, in dritter Instanz.

    UPC musste mit der einstweiligen Verfügung im Mai den Zugang zum Portal kino.to sperren. Derzeit läuft der Musterprozess, der den Providern eine Mitverantwortung durch die Vermittlung von rechtswidrigen Inhalten anlastet, in dritter Instanz.

Share if you care.