Mario Scheiber wagt am Mittwoch im Gröden-Training den nächsten Versuch: "Ich möchte Vertrauen und das Gefühl für den Speed gewinnen, ich will mich herantasten"
Wolkenstein/Grödnertal - Mario Scheiber, eines der hartnäckigsten Stehaufmännchen im alpinen Ski-Weltcup, kehrt einmal mehr zurück. Zehneinhalb Monate nach seinem Sturz in Chamonix am 27. Jänner gibt der Osttiroler am Mittwoch (12.15 Uhr) im Abfahrts-Training in Gröden sein Comeback auf der Weltcup-Bühne. "Ich habe Trainingsrückstand und seit Jänner keine Rennpraxis. Ich werde es daher eher gemütlich mit der etwas runderen Linie angehen. Ich möchte Vertrauen und das Gefühl für den Speed gewinnen, ich will mich herantasten", meinte Scheiber .
Scheiber tappt trotz zwei gelungenen Trainingstagen auf der Reiteralm im Dunklen, wo er im Vergleich zur Konkurrenz steht. Platzierungen sind für Scheiber vorerst nebensächlich, aber der Papa der fünfeinhalbmonatigen Joleen Sophie weiß: "Ich bin ein Renntyp." Besonders gespannt ist Scheiber, wie sein Körper auf die gewaltigen Sprünge beim Südtiroler Klassiker auf der Saslong reagieren wird. Bei den berüchtigten Kamelbuckel sind 50-Meter-Sätze keine Seltenheit, der von Michael Walchhofer aufgestellte Rekord steht sogar bei 82 Metern.
"Mannschaftlich war das sehr stark"
Die ersten beiden Saisonabfahrten in Lake Louise und Beaver Creek hat Scheiber von Österreich aus mitverfolgen müssen. "Der Sieg hat für uns Österreicher gefehlt, aber mannschaftlich war das sehr stark", meinte Scheiber angesichts der Plätze 3 (Hannes Reichelt), 4 (Romed Baumann) und 5 (Klaus Kröll) in Lake Louise und Rang 3 (Kröll) in Beaver Creek.
Dass nach dem Rücktritt von Walchhofer der neue Teamleader Klaus Kröll heißt, steht für Scheiber aufgrund der Erfolge des Steirers außer Frage. "Klaus ist der älteste und erfolgreichste Abfahrer in der Mannschaft und hat daher die Teamführung übernommen. Er ist ein Vorbild für die Jungen." Der neunfache Weltcup-Zweite ist sich sicher, dass Leute wie Kröll, Romed Baumann, Georg Streitberger und natürlich auch er selbst in die großen Fußstapfen Walchhofers treten können. "Aber das braucht noch etwas Zeit, schließlich war Walchhofer einer der erfolgreichsten Abfahrer aller Zeiten", erklärte er.
Immer wieder
Das wievielte Comeback Scheiber gibt, weiß nicht einmal er selbst. Alleine die Krankenakte des Jahres 2011 hat es in sich. Ende Jänner stürzte Scheiber im Chamonix-Training und zog sich einen Bruch des rechten Schlüsselbeins und des Nasenbeins zu, die WM in Garmisch-Partenkirchen war damit geplatzt. In seiner ersten Enttäuschung sprach Scheiber erstmals laut über ein Karriereende nach, Ende April entschied er sich jedoch zu einem weiteren Anlauf.
Im Sommer musste Scheiber dann kurzfristig das ÖSV-Trainingscamp in Chile auslassen, aufgrund einer schweren Verkühlung kletterte er nicht in den Flieger Richtung Südamerika. Das Comeback hätte dennoch schon in Lake Louise über die Bühne gehen sollen, Scheiber wurde aber von den Folgen eines Bandscheibenvorfalls eingeholt und trat aufgrund von starken Rückenschmerzen die Heimreise an.
Dank Wärmetherapien und Ruhe verbesserte sich die Situation stetig, vor zwei Wochen begann Scheiber dann wieder mit Konditionsschichten und Rumpftraining. "Ich habe keine Schmerzen mehr und bin zu hundert Prozent fit", freut sich Scheiber nun auf die langersehnte Rückkehr in den Weltcup.(APA)