In Israel wird Rassismus salonfähig

Blog | Andreas Hackl, 13. Dezember 2011, 12:16
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    Mit "Netanyahu zerstört die Stadt Tel Aviv" beschwert sich eine Demonstrantin über die vielen Migranten.

     

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    Arbeit gibt es für viele afrikanische Migranten keine.

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    Eine Bibliothek im Levinsky-Park bietet Bücher in 10 verschiedenen Sprachen.

Ein neues Regierungsprogramm will die "Einwanderungsflut" beenden - Die Rechten freuen sich

"Sie sind wie Parasiten. Sie fordern und fordern", schimpfte eine der Demonstrantinnen, die an diesem Sonntag in Tel Aviv auf die Straße gingen, um, wie sie sagen, Israel den Israelis zurückzugeben.

Weniger als hundert Menschen waren es, die durch das Migrantenviertel in Süd Tel Aviv marschiert sind. "Die Nation Israel lebt" haben sie stolz geschrien. Und "Sudanesen in den Sudan" riefen sie auch. Auch wenn es nur einige Dutzend waren: ihre Worte werden indirekt auch von der israelischen Regierung mitgetragen.

Um "die menschliche Welle" zu stoppen, die "ein Schlag für Israels Wirtschaft, Gesellschaft, Wohlfahrt und Sicherheit" ist, wie Premierminister Benjamin Netanyahu erklärte, wurde Anfang der Woche ein 126 Millionen Euro Plan auf Schiene gebracht, der "das Schlimmste" verhindern soll. "Ganze Bevölkerungen beginnen sich zu bewegen. Wenn wir nicht jetzt handeln, werden wir überflutet", warnte Netanyahu. Teil des Plans ist die Fertigstellung eines 240 Kilometer langen Zaunes mit modernster Überwachungstechnologie entlang der Grenze zu Ägypten. Schon in einem Jahr soll er fertig sein.

Wie schwierig die Lage für viele der Flüchtlinge und Einwanderer geworden ist, zeigt ein kurzer Besuch beim Verein Assaf. Hier sitzen Migranten aus Eritrea und dem Sudan im Warteraum, und trinken eine Tasse Gratis Kaffee oder Tee. "Spricht hier jemand Englisch?" fragt eine Assaf-Mitarbeiterin in die Runde. Zaghaft meldet sich einer. "Wie können wir dir helfen?" fragt ihn die junge Frau, und findet bald heraus, dass der junge Mann zuckerkrank ist, und Probleme hat an Insulin zu kommen. Eine junge Frau lehnt unterdessen an der Wand. "Mir ist egal mit wem ich spreche, ich brauche einfach nur irgendjemand, der mir diese Webseite vom Hebräischen ins Englische übersetzt", erklärt sie verzweifelt.

Und ein anderer Mann, der im Warteraum auf der Couch sitzt, hofft auf Arbeit. Die Leute von Assaf, habe ihm ein Freund erzählt, können vielleicht helfen. "Migranten kommen wegen allem Möglichen zu uns", erklärt die Assaf-Koordinatorin Orit Marom, und fügt in abfälligem Ton hinzu, dass daran die Ignoranz der Regierung schuld ist.

Das umfangreiche Regierungsprogramm gegen die "Menschenflut" verschafft den Nationalisten und Rassisten Auftrieb. Das hat man bei der Demonstration diesen Sonntag deutlich gesehen, als die Demonstranten quasi unter Polizeischutz durch das multikulturelle Viertel marschiert sind allen voran die Aktivisten der sogenannten "Nachbarschaftswache", die vom Parlamentsabgeordneten Michael Ben-Ari angeführt wird.

Im Levinksy Park, der ein zentraler Treffpunkt für viele Migranten in Süd Tel Aviv ist, hat die Polizei dann viele der anwesenden Afrikaner teilweise verbal, teilweise aber auch mit Tritten, zum Weggehen aufgefordert. Zum Schluss kam es dann über die von der Polizei gesicherte Front hinweg zu verbalen Scharmützeln zwischen den Nationalisten und Gegendemonstranten. "Früher wart ihr selbst Flüchtlinge, und jetzt seid ihr Rassisten", schrie ein Gegendemonstrant hinüber. (Andreas Hackl, derStandard.at, 13.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
1 2
fred bull
00

Das "wird" stimmt in der Überschrift nicht, wie allein schon das Kastensystem innerhalb der jüdischen Gesellschaft (mit den Aschkenasen an der Spitze) zeigt.

Übrigens, zum herhalten für Propagandavideos (zB http://www.youtube.com/watch?v=N... e=related) sind Sudanesen der israelischen Gesellschaft gut genug.

mario.auto
32
19.12.2011, 13:16

Die Idee eines Gottesstaates passt meiner meinung nach nicht ins 21. Jahrhundert.

Dass ein solcher zwangsläufig fremdenfeindlich ist liegt auf der Hand.

Dubi Schlau
20
18.12.2011, 19:51
wieso auch nicht
32
16.12.2011, 00:41

Hier geht es um illegale Einwanderer aus Afrika. So leid sie mir auch tun, es ist tatsächlich ein Problem, von einer Dimension die wir in Österreich nicht kennen. Wir haben lauter westliche Länder um uns herum und trotzdem schaffen es Asylwerber zu uns. Jetzt stelle man sich einmal vor man hat Länder wie Ägypten neben sich und das übernächste Land ist dann schon der Sudan und Eritrea.

Martin Dobes
 
34
15.12.2011, 18:48
Ich frage mich was der gute Hackl für eine Agenda hat ...

Ich spreche nicht ab, dass es in Israel nicht Rassismus gibt, und sicherlich müsste auch die Politik gegenüber diesen "Migranten" besser werden.

Allerdings, der vollkommen missverständliche Gebrauch des Wortes "Migranten" führt zu dem Eindruck des weniger informierten Lesers, als ob die Tendenz in Israel gegen Ausländer im Allgemeinen geht.

Es geht hier jedoch um ein ganz objektives Problem von Menschen, die illegal nach Israel kommen, hauptsächlich vom Sinai über die Wüste (deshalb auch der Plan des Zaunes).
In jedem anderen Land würde eine solche Sache ebenfalls die Regierung beschäftigen und zu einer Lösung der Angelegenheit drängen.

Aber Hr. Hackel hat offensichtlich das Bedürfnis uns schlechter darzustellen als wir sind.

Johannes Benn
01
14.12.2011, 13:28
.

aus historisch nachvolluoehbaren gruenden ist israel von einigen politisch korrekten zwaengen befreit, das ist sehr gut fuer das land und verschafft ihm einen uneinholbaren vorsprung vor den europaeischen laendern

baneck08
51
14.12.2011, 11:26
Der Österreicher (!) Hackl und seine ganz besonderen Gefühle zu Isarel ...

immer wieder zum K ...

Originallindwurm
19
14.12.2011, 09:56
Ein bisschen tendenziös, der Artikel

Rassismus wird in Israel nicht mehr und nicht weniger "salonfähig" als in Europa. Israelis sind Menschen wie alle anderen und haben auch keine Verpflichtung, besonders moralisch zu sein. Auschwitz war keine Besserungsanstalt, auch wenn das allzu viele meinen, sondern eine Massenmordmaschine, die den Überlebenden vor allem eine Lektion erteilte, nämlich nie wieder wehrloses Opfer zu sein. So betrüblich rassistische (aber auch fundamental religiöse) Strömungen in Israel auch sind, um die geht es meist gar nicht, sondern darum, dass Israel für afrikanische Flüchtlinge das am leichtesten erreichbare Wohlstandsland westlicher Prägung ist. Israel KANN die gar nicht alle aufnehmen, und es ist sein Recht, das auch nicht zu wollen.

strgcstrgc
05
14.12.2011, 09:22

weniger als 100 personen und ein artikel im standard?
warum?

der schwitzbär der schwitzt sehr
55
14.12.2011, 00:47
Schaut, es gibt gute Menschen in Israel

die rassistischen Idioten sind nur einige Dutzend

es ist Problem allerorts, daß die paar Dutzend Radikale mehr Krawall machen als die schweigende Mehrheit - das haben wir hier auch

sobald sich in Israel eine wählbare Partei findet, werden auch nicht mehr so viele den rechten Dreck um Liebermann und Netanjahu wählen

erinnert euch, wie Sharon von der Notwendigkeit eines Friedensschlusses sprach und die Kadima vom Likud abspaltete: er hatte auf Anhieb die Mehrheit

die Menschen wählen nur deshalb Trottel, weil sonst nichts in Sicht ist

das Problem haben wir doch genauso - locker 2/3 von Strache sind Protestwähler, die sich eine gute Alternativpartei jederzeit abholen könnte

also shice auf die paar Dutzend Krawallis - die gibt's überall

Martin Dobes
 
11
15.12.2011, 19:46
Finde ich eine gar nicht so schlechte Analyse

wobei man auch überhaupt das Problem der Zersplitterung von 120 Parlamentsmandaten auf weiß ich wie viel Listen aufgeteilt erwähnen muss. Denn letztlich soviel Unterschied zwischen Netanyau und Livni besteht ja auch wieder nicht. Es ist vielleicht in erster Linie ein Machtkampf der sich innerparteilich nicht legen ließ, und dann halt zur Spaltung führte, mit dem Wissen, dass beide letzlich im Parlament verbleiben werden. Und der Netanyahu auf dem rechten Flügel des Likud tut sich halt leichter mit den religiösen Listen und den ultrarechten wie diesem Idioten Liebermann, der für mich persönlich eine echte Gefahr für die zion. Idee und das Bestehen des isr. Staates darstellt. Doch wirklich wohlfühlen wird sich der gute Bibi auch wieder nicht

auf den zweiten Blick
31
14.12.2011, 11:14

Der Zionismus als Ideologie unterscheidet von vornherein zwischen "wir" und die "andern" .

Das hat er mit den rechten Ideologien gemeinsam.

Wenn die Religion über die Staatsbürgerschaft entscheidet, entsteht zumindest ein Nahverhältnis zu einem Gottesstaat.

wurm83
 
44
14.12.2011, 10:19
ähhhm vorsicht mir ihrer behauptung

ich würde eher sagen mittlerweile sind 25 % der israelischen bevölkerung ultra-strenge juden (die müssen auch nciht arbeiten oder zum militär deshalb sind die zahlen ziemlich genau)

geschlechtertrennung in bussen, stadtbezirke in denen frauen die zu viel haut zeigen bespuckt und geschlagen werden, immer wieder vorwürfe der EIGNEN soldaten wegen dem umgang mit den palis, und last but not leat ein paar hundert rechte die durch israel marschieren...unbehelligt...

israel radikalisiert sich ...und das schnell wie auch überall anders ist der extreme glauben die treibende kraft...ein unterschied zu radikalen isalmisten kaum mehr erkennbar (frauen müssen verschleiert sein, frauen müssen getrennt werden, und religion > staat)

wieso auch nicht
01
16.12.2011, 00:39

25% ist weit übertrieben. Vielleicht 10%.

René Herndl
78
13.12.2011, 21:04
Zionismus und Rassismus ...

... sind, wie schon einmal von der UNO festgestellt (aber auf Druck der USA wieder widerrufen) Begriffe, die sich sehr stark ähnlich sind, was allerdings auch ein Problem radikaler Religiöser ist, wie auch bei anderen Religionen. Rassismus und Nationalismus sind ursächliche Folgen religiösen Fundamentalismus, wiel dieser andere Glaubensrichtungen und Nichtgläubige ablehnt, als zweitklassig betrachtet und verachtet. Deshalb ist Rassismus auch in allen monotheistischen Religionen zu finden, also auch in Israel.

Radagast ist ein rarer Gast.
01
14.12.2011, 09:51

nationalismus und religion sind zwei grundsätzlich verschiedene paar schuhe. im zionismus verschränken sie sich, weil die juden als religiöse gemeinschaft UND moderne nation verstanden werden. natürlich sind die zwei dinge nicht immer aus einander zu halten, aber ich würde nicht meinen, dass nationalismus eine folge religiösen fundamentalismus' ist!

F.S.K
26
13.12.2011, 20:00
zuwanderung zu begrenzen ist kein rassismus.

(Ver)Walter
10
14.12.2011, 18:30

In dem Moment, in dem nach Herkunft selektiert wird schon! Oder wollen Sie jetzt allen ernstes behaupten, dass Zuwanderungsbeschränkungen auch für gut situierte jüdische Europäer oder Amerikaner gelten würde?

Martin Dobes
 
01
15.12.2011, 20:18
es wird nicht nach Herkunft selektiert, sondern nach legalität der Einwanderung

Abgesehen davon, gibt es für Juden ein Rückkehrrecht.
Besteht auch in Deutschland.

Das Problem ist wie gesagt die unkontrollierte, illegale Infiltrierung nachgeradezu dieser Leute, wobei vollkommen klar ist, dass sie nichts anderes suchen, als sich von ihrer ehrlichen Arbeit in menschlicher Würde zu ernähren und ein friedliches und normales Leben zu leben.

Dass es immer ein paar Idioten gibt, müsste man letztlich gerade in Österreich sehr wohl wissen. Oder hätten Sie gerne, dass ich meine Rückschlüsse auf die Mehrheit der Österreicher anhand der Idioten dort mache?

wurm83
 
12
14.12.2011, 10:41
und wer kann die zuwanderung begrenzen?

genau die politik...was bringt es also durch das "flüchtlingsviertel" mit rassitischen parolen zu ziehen?

--> das macht man nur dann wenn man nciht wirklich was ändern will, weil ein feind dem man an allem die schuld geben kann schdet nie...deshalb nicht bei der regierung für veränderung protestieren sondern bei den ärnmsten der armen aus hass...

Timagoras
 
65
13.12.2011, 19:59
wenn in Israel ähnliche ungute phänomene auftreten, wie in Ungarn, Polen, Österreich oder Italien, dann ist das aber natürlich nicht vergleichbar, sondern dann empfindet der aufrechte und anständige Österreicher das als ...

... VIEL schlimmer!

und jetzt mögen die, die so denken, sich bitte mal wirklich gedanken machen.

aber über sich!

iwan grorosnij
21
13.12.2011, 18:41

ich glaub das ist in israel noch um ein stück problematischer als bei unseren rechten

immerhin hat israel wirklich was von außen zu befürchten (hamas, vernichtet israel usw)

im prinzip kann man den israelis auch nicht vorwerfen das es bei ihnen die gleichen idioten gibt wie bei uns, vor allem nicht als mitteleuropäer

methinks there is much reason in his sayings
218
13.12.2011, 20:10

genau darum geht's ja: natürlich kann man den israelis nicht "vorwerfen", dass es bei ihnen die gleichen idioten gibt wie bei uns - es gibt sie einfach deshalb, weil menschen in erster linie menschen sind und erst in 35. oder sonst einer linie juden, christen, schwarz, weiß, briefmarkensammler oder modelleisenbauer.
es gibt eine spezies, die heißt homo sapiens sapiens - alle weiteren unterscheidungen sind im grunde nur gewollt & letztendlich albern.

deshalb glaube ich auch, dass diese rassisten in israel ziemlich gleich gestrickt sind wie unsere hiesigen; mit hamas oder hizbollah hat das wenig zu tun.

Gundel
32
13.12.2011, 20:54
das ist so wahr!

dem ist nichts hinzuzufuegen

Johannes Benn
12
13.12.2011, 17:39
.

wieso wird keines meiner zu diesem artikel verfasste postings veroeffentlicht?

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