Oberösterreich

Tannpapier fürchtet um Existenz

13. Dezember 2011, 11:22

Zigarettenindustriezulieferer leidet unter Verschärfung der EU-Tabakproduktrichtlinie

Linz - Der weltweit tätige Zigarettenindustriezulieferer Tannpapier mit Hauptsitz in Traun (Bez. Linz-Land) in Oberösterreich fürchtet um seine Existenz. Grund sind Bestrebungen in der EU, die Tabakproduktrichtlinie in Richtung Einheitsverpackungen (plain packing) und Regulierung von Inhaltsstoffen wie Farben und Pigmenten zu verschärfen. Auch außerhalb der EU gibt es derartige Trends.

Tannpapier bedruckt in neun Produktionsbetrieben in acht Ländern vor allem das Tipping-Papier von Zigaretten - das Mundstück und den anschließenden Teil, auf dem die Zigarettenmarke steht. Geliefert wird an fünf internationale Großkonzerne der Zigarettenindustrie und viele kleinere Firmen in über 90 Ländern. Mit den Tannprodukten wurden 2004 1,4 Billionen Zigaretten hergestellt. Diese Zahl ist abgesehen von einer Delle im Jahr 2009 ständig gestiegen, 2010 waren es fast 1,7 Billionen Stück. Die 1964 gegründete Firma gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit drei bedeutendsten Unternehmen der Branche, ihr Marktanteil betrage 30 Prozent. Die Gruppe beschäftigt 1.300 Mitarbeiter und machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 244 Mio. Euro.

Tannpapier rechnet bis 2014 mit einer Entscheidung über eine Verschärfung der EU-Tabakproduktrichtlinie. Es handelt sich um eine Umsetzung eines Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauches. Andere Länder hätten bereits entsprechende Beschlüsse gefasst. Australien beispielsweise hat ab 1. Dezember 2012 olivgrüne Einheitsschachteln gesetzlich vorgeschrieben. Derartige Entwicklungen hätte massive Auswirkungen auf das Kerngeschäft der Firma, warnt der Vorstandsvorsitzende Christian Trierenberg: "Was immer beschlossen wird, ist nicht zu unserem Vorteil". Derzeit würde das Zigarettenpapier mit bis zu sieben Farben bedruckt. Wenn nur ein Druck übrig bleibe, sei das "ein Primitivgeschäft, das jeder machen kann". Als Konsequenz befürchtet Trierenberg: "Im schlimmsten Fall geht das bis zum Zusperren".

Das Unternehmen argumentiert gegen eine Verschärfung der Tabakproduktrichtlinie mit dem Verlust von Arbeitsplätzen, Wertschöpfung sowie Steuereinnahmen und der Schwächung des Wirtschaftsstandortes Österreich. Außerdem würden wissenschaftliche Beweise fehlen, dass die geplanten Maßnahmen oder auch die schon bisher angewendeten Warnhinweise eine Einschränkung des Tabakkonsums bewirken würden. Es bestehe die Gefahr, dass der illegale Handel gefördert werde, weil die Unterschiede zwischen Original und Fälschung schwerer erkennbar würden. Außerdem handle es sich um eine Bevormundung der Bürger. (APA)

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