Artikel "Zwei Banden im brutalen Drogenkrieg" arbeitet mit "Pauschalverdächtigungen von Ausländern" - "Österreich": "Sogenannter Presserat" darf keine Urteile über Nichtmitglieder fällen
Wien - Ausländerdiskriminierung und schlechte Recherche wirft der österreichische Presserat der Tageszeitung "Österreich" in Zusammenhang mit dem Artikel "Zwei Banden im brutalen Drogenkrieg" vom 4. Oktober vor. Seine Entscheidung veröffentlichte der Presserat am Dienstag in einer Aussendung, sehr zur Empörung von Oliver Voigt, Geschäftsführer der Mediengruppe "Österreich", der davon überzeugt ist, dass der Presserat nicht befugt ist, Urteile über Nichtmitglieder zu fällen. "Österreich", das nicht Mitglied im Presserat ist, will die Veröffentlichung der Entscheidung nun juristisch prüfen lassen.
Der Presserat wirft "Österreich" vor, mit dem beanstandeten Artikel und dem plakativen Stil, in dem er verfasst sei, "das latente Misstrauen der Bevölkerung gegen Ausländer zu verstärken und Fremdenangst zu schüren". Die Zeitung nehme auf einen einzelnen Vorfall Bezug, vermittle aber den Eindruck, dass brutale Drogenkriege zwischen Tschetschenen und Afrikanern längst Alltag seien. Zuverlässige Quellen würden im Artikel nicht angeführt. "Eine mit dem Ehrenkodex für die österreichische Presse vereinbare Berichterstattung muss Vorfälle so wiedergeben, wie sie sich ereignet haben", hieß es.
Der Presserat argumentiert, dass "Österreich" trotz Aufforderung des Senats in seiner Stellungnahme "leider nicht auf inhaltliche Punkte eingegangen" sei. "Dadurch wurde der Senat in seiner Annahme bestärkt, dass hier nicht sorgfältig recherchiert wurde." Diese Argumentation stößt bei Voigt auf vollkommenes Unverständnis. Da man nicht davon ausgehe, dass der Presserat überhaupt zuständig sei, habe man auch keine Notwendigkeit gesehen, dass sich die Redaktion zu dem Artikel äußert, so Voigt. "Ich halte es für grob fahrlässig, wenn ein sogenannter Senat Annahmen trifft" - ohne eine zugrundeliegende Stellungnahme. Selbstverständlich sei der Artikel inhaltlich korrekt recherchiert gewesen, konstatierte der "Österreich"-Geschäftsführer und kündigte rechtliche Schritte an. (APA)