Feiertags-Rezept

Ein Hoch auf die Dorschleber

Gregor Fauma, 29. Dezember 2011, 14:13
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    foto: gregor fauma

    Ein nicht abschwellendes Aroma dezenten Fischtrans, gestrandeten Treibguts und frischen Fischbeuschels flutet die Geschmackspapillen.

Sie beglückt Freunde fetter Innereien und Besessene geiliger Konsistenzen - eine Huldigung von Gregor Fauma

In Zeiten produktlibidinöser Einengung seitens der Spitzengastronomie fällt es engagierten Helden am Herd schwer, Orientierung zu finden. Sie stehen ratlos vor Supermarktregalen, welche bestens sortiert Jahrgangsbirkenrinde und verschnorchelte Heustadlkarotten wohlfeil bieten, und suchen vergebens in den neuesten Kochbüchern Inspiration für wagemutige Kochkompositionen.

Für Freunde fetter Innereien

Im Spannungsfeld von Luxus und Alltäglichkeit zu bestehen, scheint die Küchenparole der Zeit zu sein. In dieser drängt sich ein Produkt auf, dass völlig zu Unrecht verkannt, wenn nicht sogar aus der gastrokulinarischen Wahrnehmung verdrängt wurde. Es ist die Foie de Cabillaud, oder, wie der Feinspitz dazu sagt, die Dorschleber in der Dose. Sie beglückt Freunde fetter Innereien, Liebhaber extremer Aromatik und Besessene geiliger Konsistenzen. Ihr komplettes Fehlen auf inter- wie nationalen Speisekarten macht sie zu etwas Besonderem, zu einem raren Luxusgenussmittel unter all den banalen Preistreibern wie blasiertem Beluga oder geangeltem Angler.

Paniert und gebacken im eigenen Öl

Ja, die Dorschleber ist die Universalwaffe gegen Langeweile am Herd wie am Teller. Die klassische Zubereitungsart beschränkt sich auf das Anrichten auf einem Butterbrot samt dezentem Salzeinsatz. Nicht zu toppen hingegen ist jedoch ihr Erscheinen als Foie de Cabillaud a la Viennoise, also paniert und gebacken im eigenen Öl, welches man mit Rapsöl streckt. Gegner dieser leichten Zubereitungsart greifen zu Schweineschmalz. Vor dem Anrichten empfiehlt es sich, die Teller mit den ätherischen Ölen einer Zitronenschale zu aromatisieren. Die krachend knusprige Panier umhüllt die aromabombigen Dorschlebern, die in ihrer Konsistenz an poeliertes, cremiges Kalbshirn erinnern. Ein nicht abschwellendes Aroma dezenten Fischtrans, gestrandeten Treibguts und frischen Fischbeuschels flutet die Geschmackspapillen und beantwortet sämtliche Fragen nach fragilen Modetrends mit ihrem Tanz zwischen derb-billigem Image und luxuriösem Geschmack. Wer traut sich über das Carpaccio? (Gregor Fauma, derStandard.at, 29.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
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was zum geier
02

mehr von fauma. weniger von fidler. bitte danke.

prescott
 
00
Jawohl, so soll es sein ...

Diesem Vorschlag möchte ich uneingeschränkt beipflichten. Ein dreifach Hoch dem OberkllnerPatzig!

Follow me, everything is alright
00
Ah die Dorschleber,

würde sie das 20fache kosten, wär' sie prominenter. Ich mag sie so wie sie ist. :-)

Die Edle
00
Habe ich noch nie probiert

geschweige denn von diesem Gericht gehört. Nach lesen dieses Artikels habe ich beschlossen, es zu probieren. Sehr anmachend geschrieben.

muppetbasher
00
31.12.2011, 16:55
Gregor Frauma for Nobelpreis!

Aber nicht fürs Rezept, sondern für den Text!

nihil obstat
00
31.12.2011, 16:30

Mhh - Dorschleber habe ich gerade mit Jalapeño-Ringen, Kapern und etwas Olivenbrot als kleine Vorspeise gehabt. Excellente Empfehlung, sie demnächst zu backen - danke!

Veniamin Kostitsin-Teterin II
10
31.12.2011, 14:48
dorschleber! kindheitserinnerungen ... aaaah.

geht uebrigens hervorragend mit balik

otto strammer
01
30.12.2011, 16:20
Umami-Fett Junkies

habens schwer und leicht zugleich:
Es ist selten gesund, und es gibt meist noch eine Steigerung.

Android1337
13
30.12.2011, 15:31
Ich bevorzuge Hirn vom lebenden Affen

Das Lama Dalai
00

Aber paniert.

jumpingjack flash
00

das überlebt kein affe

freiraumXi
00
30.12.2011, 15:28
von 10 rezepten

oder gelisteter schmankerl sicher 9 vom tier.

..

tramezzino
00
31.12.2011, 18:05

logisch, alles andere sind ja nur beilagen.

Poldi Fesch
00
30.12.2011, 19:27
wohl nicht

sehr ueberraschend

Conchita Kaslaberl
125
30.12.2011, 13:54

das rezept beim standard ist ein einfaches. alles, wovor einem graust, bzw. was man aus ethischen gründen nicht essen will, wird hier als ultimative bobo-leckerei verbraten. sauschädel, dorschleber, nackschnecken, stierhoden usw. und schon hat man wieder einen lustigen artikel, bei dem sich die leserschaft auskot*en darf.

jumpingjack flash
01
beleidigt?

na dann gönnen sie sich einfach ein stück leber-WURST

Balkonbepflanzer
00
Isst man Fleisch und Fisch.

Dann kann man ruhig alles vom Tier essen und nicht nur das Filet. Innereien sind nicht jedermans Sache, ich mag zB Leberknödel oder Lungenstrudl. Stierhoden ist übrigens auch erst heute was ungewöhnliches, als Kind war das am Land durchaus üblich wenn nach dem Schlachten alles am Tisch gekommen ist. Aber Sie scheinen ein Gutmensch zu sein, der entweder Vegetarier ist oder nur zu Tode gestreicheltes Filet vom "garantiert" Biotier zu Gemüte führt. Und notfalls kann man ja immer noch alles Bobo schimpfen, des is so eine klassisch Floskel geworden, wirklich lustig.

tramezzino
02
31.12.2011, 18:07

aus ethischen gründen gebe ich dir jetzt nicht die passende antwort...

Poldi Fesch
00
30.12.2011, 19:28
die Leserschaft wohl

kaum, hoechstens ein paar Kasperln

Das Tripple A ist wichtiger als du
01
30.12.2011, 14:31

'was man aus ethischen gründen nicht essen will'

wollen vielleicht schon, aber nicht unbedingt soll..

ps.: esst weniger lebewesen ;)

nwanma
02
30.12.2011, 12:25

Das ist wohl die "Light" Variante - ohne Sauce Tartare...

santiago nasar
00
30.12.2011, 12:22
herrlich,

herr fauma. und ich werd das jetzt wirklich mal probieren.

Friederich
03
30.12.2011, 11:40

Kartoffelsalat mit Dorschleber, Salzgurken, hart gekochte Eier, Erbsen, Salz,
Pfeffer und Frühlingszwiebeln.
Frittiert kann ich mir die Dorschleber schlecht vorstellen.
Ich glaube dann zeigt meine Galle ihre böse Seite.

Je m'appelle Mirabelle L.
 
00
16.1.2012, 21:40
frage

was halten sie von rote-rüben-salat dazu oder anstatt salzgurke?

Dagmar Rehak Wien
 
01
16.1.2012, 23:35

Friederich schläft schon tief und fest. Daher muss ich für ihn antworten:
Salzgurke schmeckt besser und ist gesünder als Rote-Rüben-Salat. Letzterer entwässert und ist daher nicht ganz ungefährlich.

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