Schmäh im Spiegelpalast

13. Dezember 2011, 11:16
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Die Palazzo-Show "Dinner Furioso" ist eine gelungene Mischung aus Akrobatik, Slapstik und Kabarett, garniert mit viel Austropop

Wien - Die romantischen Palazzo-Zelte, Spiegelpaläste genannt, werden Jahr für Jahr in mehreren Städten aufgeschlagen, darunter in Amsterdam, Berlin, Rotterdam und Stuttgart. Und die Show, die gegenwärtig am Messegelände zu sehen ist, wurde bereits andernorts gezeigt. Aber nur in Grundzügen. Denn für Wien hat man das Dinner Furioso, so der Titel des Varietés, komplett überarbeitet: Es ist das österreichischste Programm in der Palazzo-Geschichte.

Reiner Scharlowsky, echter "Piefke", führt als Maître Willi im Frack durch den Abend. Mit angeklatschtem, streng gescheiteltem Haar erinnert der Düsseldorfer ein wenig an Theo Lingens. Er besticht mit gewählter Ausdrucksweise, und zwischendurch streut er Aphorismen ein: "Jugend ist ein Fehler, den die Zeit korrigiert." Doch der zerstreute Oberkellner-Professor gebärdet sich als Despot. Und so beginnt das Team, ein elfköpfiger Kellner-Chor, singend zu meutern. Man fordert "Schmäh" ein - und bietet geschickt kombinierte Medleys aus Falco-Songs, Zauberflöte, Wienerliedern und Fendrich-Hymnen.

Im Laufe des Viergang-Dinners wird Chantall, die mit der Peitsche Zeitungen zerfetzt, das Kommando übernehmen. Aber nicht nur sie versteht es, mit coolen Ansagen ("Gewalt ist keine Lösung, solange man nur darüber spricht") und einer Körperverbiegungsnummer zu beeindrucken: Mr. Edd & Lefou, Koch und Küchenjunge, bieten perfekt getimte Zeitlupen-Pantomime, Andrey Koltsov aus Russland widersetzt sich der Schwerkraft, die Gruppe Hakuna Matata aus Tansania baut atemberaubende Menschentürme - und Dennis Schleussner, vierfacher Weltmeister im Sport-Stacking, vollführt mit Yo-Yos unglaubliche Kunststücke.

Die Veranstalter haben zudem dazugelernt: Die Hebebühne in der Manege garantiert, dass wirklich alle die Darbietungen verfolgen können. Was Reinhard Gerer allerdings bewogen hat, zwei Fisch-Vorspeisen hintereinander zu servieren, bleibt ein großes Rätsel. (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Dezember 2011)

0800 01 77 66, Dienstag-Samstag 19.30, Sonntag 18.00

  • Vollführt mit Yo-Yos unglaubliche Kunststücke in Affengeschwindigkeit: Dennis Schleussner, vierfacher Weltmeister im Sport-Stacking.
    foto: palazzo

    Vollführt mit Yo-Yos unglaubliche Kunststücke in Affengeschwindigkeit: Dennis Schleussner, vierfacher Weltmeister im Sport-Stacking.

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