Rollenbilder

So wird Ernährung zum Männerthema

13. Dezember 2011, 10:39

Junge Männer tun sich schwer ungesunde Ernährungsgewohnheiten aufzugeben - Sie fürchten um ihre männliche Identität

Wien - Selber Essen auf den Tisch zaubern statt nebenbei Pommes futtern: Auch junge Männer profitieren, wenn sie wissen, wie es in der Küche läuft. Das zeigt nun das vom ‚forum. ernährung heute' als Fazit eines Symposiums veröffentlichte Konsensuspapier, an dem Experten, Trendforscher und Soziologen mitgewirkt haben.

Männer essen häufig Fleisch und viel Fettes - Salat und Gemüse überlässt man(n) lieber den Frauen. Die Folgen sind alarmierend: „Nahezu jeder fünfte männliche Jugendliche ist zu dick, jeder achte ist sogar adipös", erklärt Marlies Gruber vom ‚forum. ernährung heute'. „Drei Viertel aller jungen Männer sind mit Kalzium unterversorgt. Die Fettaufnahme ist viel zu hoch - bei den gesättigten Fettsäuren sogar fast doppelt so hoch wie empfohlen. Verschärfend dazu kommt noch, dass die Hälfte der jungen Männer so gut wie nie Gemüse isst und ein Drittel nicht mal Obst." Das ‚forum. ernährung heute' ist daher gemeinsam mit Experten den Ursachen auf den Grund gegangen und hat daraus konkrete Lösungsansätze erarbeitet. Diese wurden jetzt in einem ausführlichen Konsensuspapier veröffentlicht. 

Rollenerwartungen: Mann am Grill - Strammer Max am Teller

Eine der wesentlichen Ursachen der Fehlernährung sieht der deutsche Ernährungsexperte Thomas Altgeld in der Rollenerwartung der Gesellschaft: „Männer bereiten das ganze Jahr keine Nahrung zu, stehen aber wie selbstverständlich im Sommer beim Grill. Das ist geschlechtsstereotypes Verhalten." Genau dieses bestimmt oft auch, was der Mann aus der Speisekarte auswählt: „Die Forelle Müllerin etwa kann für viele Herren mit dem Jägerschnitzel, Strammen Max oder dem Holzfällersteak nicht mithalten. Hier zeigt sich deutlich, dass man gerade beim Essen beweisen kann, wie männlich oder unmännlich man ist." Altgeld warnt, dass junge Männer ungesunde Ernährungsgewohnheiten kaum aufgeben können, ohne dabei um ihre männliche Identität zu fürchten.

Deshalb müssten sich Männlichkeitskonzepte und Rollenerwartungen verändern.
Das ‚forum. ernährung heute' rät unter anderem zur Früh-Förderung in der Küche daheim: „Junge Männer können am ehesten in die Speisenzubereitung eingebunden werden, wenn es sich um die Lieblingsspeise oder schnelle Gerichte handelt. Nimmt man sie mit zum Einkaufen oder lässt sie allein los ziehen, steigen auch das Interesse und die Freude am Kochen", sagt Marlies Gruber. Dass Zwiebel schneiden und Abschmecken auch Spaß machen, könnten ebenso die Väter vorleben: „Die Vorbildrolle ist sehr wichtig. Wenn der Vater in der Küche öfter aktiv ist, werden die Söhne dieses Verhalten eher übernehmen", so Gruber. Zudem geht es darum, sich im hektischen Alltag Zeit zum Essen und Genießen nehmen zu können. "Mit einem kleinen Einmaleins der Lebensmittelzubereitung und Qualitätsbewusstsein im Hinterkopf lassen sich auch schnell gute und situationsgerechte Essensentscheidungen treffen. Das kann man trainieren," sagt Gruber.

Neue Konzepte für trendiges Kochen

Auch Österreichs Foodtrendexpertin Hanni Rützler sieht gerade in der Zubereitung viel Potenzial und eine große Chance: „Wir haben es meiner Meinung nach einem einzigen Mann zu verdanken, dass Männer ihre Leidenschaft fürs Kochen entdecken können. Jamie Oliver hat gezeigt, dass man nicht französisch sprechen muss, um Gemüse zu schneiden. Er hat ein neues männliches Kochen inszeniert." Auch boomende neue Restaurantkonzepte weisen in diese Richtung: „Da gibt es zum Beispiel das Kochen im Supermarkt: Die Leute können einkaufen, dort direkt selber alles zubereiten, essen und danach alles liegen lassen. Das Konzept ist sehr erfolgreich. Oder auch ein Trend namens Visit Kitchen. Dort kann der Mann dem Koch über die Schulter schauen und Fragen stellen. So kochen zu lernen macht großen Spaß", erklärt Rützler.

Neben der Familie ist somit auch die Wirtschaft verstärkt gefordert, das Kochen völlig neu zu erfinden. „Der Bogen der Lösungsansätze ist ein sehr weiter", sagt Gruber: „Die Schulen könnten im interdisziplinären Unterricht der Herkunft von Lebensmitteln und der Speisenzubereitung weit mehr Platz einräumen. Aber auch die Medien sind gefragt, das Thema "ausgewogenes Essen" männergerecht zu präsentieren", appelliert Gruber. Das ‚forum. ernährung heute' wird nun vom Konsensuspapier abgeleitet 2012 ein zielgruppenspezifisches Projekt starten. (red)

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14 Postings
m_M
01
16.12.2011, 21:23
Sie fürchten um ihre männliche Identität ??

ungesundes essen ist also männlich!
was ist das für eine Sch....e

martinus
 
20
14.12.2011, 07:35

Es ist ja auch schwierig sich richtig zu ernähren wenn man von überallher nur Blödsinn hört (den artikel leider mit eingeschlossen).

Die Meinung dass Fleisch, Fett, gesättigte Fettsäuren schlecht sind, ist überholt. Mittlerweile gibt es genug Studien die besagen dass gesättigte Fettsäuren alles andere als schlecht sind. Mehr zum Thema Fett: http://j.mp/vDxwMJ

Das Problem ist nicht das Fett, sondern die Kohlenhydrate! Wir essen viel zu viel Brot und Zucker, darauf ist der menschliche Körper evolutionstechnisch nicht vorbereitet. Sehr sehenswertes Video dazu: http://j.mp/u8YvZi

Ich ernähre mich seit Monaten hauptsächlich von Fett, Fleisch, Gemüse, Nüsse und bin jetzt ziemlich am Idealgewicht.

goldstandard
12
14.12.2011, 11:11
Selbstverständlich ist

zuviel tierisches Eiweiß schlecht! Es gibt genügend Studien, die belegen, dass eine vegetarische bzw. vegane Ernährung wesentlich gesünder ist: siehe z.B. Heidelberger Studie, China-Studie....

martinus
 
01
14.12.2011, 12:38

Haben Sie vielleicht Links zu den Papers? würde mich sehr interessieren.

"Meta-analysis of animal fat or animal protein intake and colorectal cancer, 2009" http://j.mp/s2zPsM
Conclusion: On the basis of the results of this quantitative assessment, the available epidemiologic evidence does not appear to support an independent association between animal fat intake or animal protein intake and colorectal cancer.

Johannes Benn
31
13.12.2011, 17:31
.

warum sollen die maenner nicht genau so gut bis sie 25 sind die speisen der mutter essen und danach die der eigenen frau? das problem ist ja eher fast food...

Jane Lane
 
01
14.12.2011, 10:19

Und die, die keine Frau finden oder die nicht mehr bei Mutti wohnen müssen leider verhungern?;)

Johannes Benn
20
14.12.2011, 13:31
.

der hunger wird sie schon in den hafen der ehe treiben...

M L3
00
16.12.2011, 20:22
Und mit der Idee, daß ich (männlich) am liebsten gemeinsam mit meinem Freund koche, bringe ich dein Weltbild dann komplett zum Einsturz?

:-) Macht nix!

m_M
00
17.12.2011, 00:55
bringe ich dein Weltbild dann komplett zum Einsturz?

NEIN bringt sie nicht!

Es muss ja nicht beim Kochen
„Alles zum kochen“ kommen ; )
kümmere dich nicht Zuviel um andere
nur du bist für dich verantwortlich
so sagt es Gott ...

Jane Lane
 
02
14.12.2011, 15:18

In einer wirren Paralellwelt, in der allen Männern die Hände abgefallen sind?
Oder ist das jetzt was Katholisches?:P

Simplicius Simplicissimus
40
13.12.2011, 16:25
Kann aber auch sein, ...

... dass Mütter an den schlechten Essgewohnheiten schuld sind. Was Kinder so vorgesetzt bekommen, sieht man an den Fettbäuchen schon im Kindergarten. Die Koch- und Einkaufgewohnheiten haben sich seit der Zwischen- und Nachkriegszeit kaum geändert. Außer man wächst unter emporgekommenen Kleinkeuschlern auf, dann gehst verseuchtes Sushi essen.

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
03
13.12.2011, 19:07
Wenn sie das schon so treffend analysieren

wissen sie ja sicher auch das in den besagten Situationen sehr oft der Papi, als Geldverdiener und Hausherr natürlich, sagt was die Mami denn auf den Tisch zaubern muss sonst...

auweh mit e
00
14.12.2011, 18:20

von mutti gibts dann die fette süße nachspeise hintennach, damit das kindchen auch mal was anderes als fleisch bekommt. :)

goldstandard
01
13.12.2011, 13:14
Liebe Standardredaktion!

Der Sinn des "Forum Ernährung" ist einzig und allein, der Nahrungsmittelindustrie nicht weh zu tun und deren Umsätze nicht zu schmälern. Sie wird von wirtschaftlichen Interessengruppen finanziert und im Vorstand saßen und sitzen namhafte (ehemalige) Vertreter der Nahrungsmittelindustrie. Letztlich ist meiner Meinung nach das "Forum Ernährung" eine getarnte PR-Abteilung der Nahrungsmittelindustrie. Also wenn Sie diesen Ernährungsverein erwähnen, dann bitte auch den Lesern die wirtschaftlichen Hintergründe nicht vorenthalten. Und Frau Rützler ist sowieso unglaubwürdig, da sie schon mehrmals für McDonald´s tätig war.

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