Heilige Nacht, sündige Nacht

Gastkommentar

Fleisch oder vegetarisch? Die Gewissensentscheidung beim Weihnachtsessen. Vegetarier leben Fleischessern einen vermeintlich moralischen Lebensstil vor. Warum will sich davon nicht jeder eine Scheibe abschneiden? Von Wolf-Christian Ulrich

Die Entscheidung war klar. Schon während im Fernsehen die Doku lief, während reihenweise Hähnchen durch die Schlitzmaschinen liefen, Schweine im Akkord geschlachtet, Küken mit einem Wisch ins Weg befördert wurden. Die Entscheidung war: wenn Fleisch, dann nur noch Bio und wenn Bio, dann nur noch aus einigermaßen vernünftiger Haltung.

Es dauerte nicht lange, da saß ich mal wieder beim Vietnamesen und bestellt wie immer die Pho, mit Huhn. Da schwamm es dann, grau gescheibt, in der Brühe. Und ich ekelte mich ganz genau drei Sekunden lang und dann wollte ich es auch nicht stehen lassen und dann war ich wieder bei den alten Gewohnheiten. Gerade heute wieder: Köttbullar in der Kantine. Und die Gemüsepasta bleibt daneben stehen.

Gewissensbisse

Bei jedem Bissen Gewissensbisse? Ja. Immer mehr jedenfalls. Obwohl auch immer mehr Menschen sagen: Das sind Probleme für Besserverdiener. Stimmt vielleicht. Es gibt jedenfalls einen Grund, weshalb das Kilo Rind beim Discounter nur 1,99 kostet. Weil es nachgefragt wird. Zurück zum Sonntagsbraten, sagen dagegen Ernährungsberater, also lieber weniger und dafür besser.

Vegetarier rechnen vor, warum die Herstellung eines Kilos Fleisch auch ein ökologisches Desaster ist. Mindestens sieben Kilo Getreide werden dafür benötigt. Tausende Liter Wasser. Eine Fläche, so groß wie Österreich braucht es, um die Tiere zu halten, die auf Deutschlands Tellern enden. Fast ein Fünftel des Welt-CO2-Ausstoßes kommt aus der Tierhaltung. Und, und, und. Vor allem die Massentierhaltung ist es, die industrielle (und wahrlich unethische) Schlachtindustrie, die selbst der Chefredakteur des Fleisch-Magazins "Beef" als "perverseste Form der Lebensmittelindustrie, die Massentierhaltung" geißelt.

Jeder Bissen gegen das Gewissen. Und jeder Bissen ein Stück Gewohnheit. Es ist ja nicht so, als hätten wir die schrecklichen Bilder noch nie gesehen. Als hätten wir noch nie was gehört von Antibiotika, Dioxin und Gammel-Skandalen. Als käme uns der Preis nicht aberwitzig billig vor. Zu billig für gute Lebensmittel. Und trotzdem greifen die meisten von uns zu. Im Supermarkt und in der Kantine. Im Restaurant oder im Imbiss.

Auf die Würze kommt es an

Vielleicht müssen wir zurück zu einer Kultur, in der wir das Produkt würdigen. Vegan-Koch Björn Moschinski sagt: "Fleisch ist Geschmacksträger, wie Fett. Auf die Würze kommt es an, auf die Verarbeitung." Das ließe sich mit Gemüse genauso spannend gestalten. Mag sein. Aber vielleicht erinnern wir uns mal wieder daran, was wir wirklich können - oder konnten. Super Brot backen (ok, das ist ein anderes Kapitel). Super Bier brauen (das findet man noch hier und dort). Und super Würste herstellen. Auch die gibt's noch. Und weisen den Weg: Auf ein Spezialitätentum, das hoffentlich viel mit Geschmack zu tun hat, mit einer guten Herstellung und einer würdigen Haltung der Tiere. (Wolf-Christian Ulrich, derStandard.at, 14.12.2011)

Info

Die zdf-Sendung "log in" fragt heute Mittwoch, 14.12.2011, um 21 Uhr: "Fleischeslust contra Grünes Gewissen - Kann der Weihnachtsbraten Sünde sein?" Im Livestream unter login.zdf.de und im Fernsehen auf ZDFinfo.

Autor

Wolf-Christian Ulrich, The European, ist Journalist und moderiert die interaktive Talkshow log in auf ZDFinfo. "log in" ist ein neuartiges Format im deutschen Fernsehen, das jungen Menschen die Möglichkeit bietet, bei einer politischen Talkshow live an der Diskussion mit den Gästen teilzunehmen.

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Vielleicht wäre es einfacher sich kein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Billiger und gesünder ist es auf jeden Fall.

Am Schlachthof gibt es keine Würde.

Es gibt keine würdige Haltung der Tiere.

????????

Köttbullar
notwendig, dasz man ein zu googelndes Vokabel verwendet. 1 Kilo rind um € 2.- hab ich auch noch nie gesehen

Beim Penny Markt hab ich schon einmal

1kg um 2,49 gesehen. Da ich dort aber kein Fleisch kaufe, weiß ich leider nicht ob das ein Sonderangebot war oder ob das Standard ist. Und Faschiertes gibt es öfters im Angebot um 0,99 pro 500g - damit wären wir bei den 2 Euro pro Kilo

Penny Maerkte kenn

ich ueberhaupt nicht von innen u. vorfaschiertes kauf ich nicht

das werdens ja auch net finden... glauben sie wirklich an "ehrliche" Argumente bei einem dermassen emotionalen, quasi-religiösen Auftreten von selbsternannten "ExpertInnen"?

hier läuft wieder mal der Kreuzzug der Veganazis, und in Glaubenskriegen ist ja jedes Mittel recht...

mit der Lüge vom "Kilo Fleisch um 1,99" sehen sie aber nur die Spitze des Eisbergs...

die Behauptung der in A verkaufte Soja wäre nicht genetisch manipuliert ist die nächste... frei von Gentechniks sind i.d.R. nur Produkte die explizit als solche gekennzeichnet sind...

Auf welche Behauptung zielen Sie hier mit Ihrer Aussage über Gentechnik-Soja ab?

Dass in der Masttierhaltung auch Gentechnik-Sojaschrot angewandt wird, streitet doch kein Mensch ab. Nur können Sie sich eben bei den in Österreich für den menschlichen Verzehr verkauften Soja-Produkten sicher sein, dass diese frei von jeglicher Gentechnik sind. Und genau darauf zielen die Argumentationen hier auch ab;
Ist auch immer extra als gentechnikfrei deklariert, um alle Zweifel aus dem Feld zu räumen...

was wollen sie uns denn mit diesem Gefasel genau sagen? dass sie "wissen" dass ihr Soja gentechnikfrei ist?

dann informieren sie sich bitte was "gentechnikfrei" bedeutet....

und denken sie drüber nach wie "ernst" sie ein "Gentechnikfreiheits-Gütesiegel" nehmen können nachdem sogar schon mit der Bezeichnung "bio" systematisch organisierter Betrug begangen wird?

wollen wir hier gleich aufzählen wie viel Fälle von VORSÄTZLICHER Falschauszeichnung dieses Jahr behandelt wurden?

erinnern sie sich noch an die "steirischen Freilandeier" aus den ungarischen Legebatterien?

Ich verstehe nicht, warum manche meinen, Tiere die mit Futter gefüttert wurden, die mit modernen Methoden produziert wurden, wäre schlechter.
Für mich ist ein gentechnikfrei-Pickerl auf einer Verpackung eine abschreckende Kennzeichnung die mir sagt, hier will mir jemand mit Angstmache mein Geld abzocken.

so sicher waere

ich mir da nicht

???

nich genmanipuliertes soja in europa scheint mir ein Widerspruch in sich zu sein

lol, glaubst wirklich an das heilige Gentechnikverbot?

dann informier dich mal besser über den rechtlichen status quo...

Ich versteh nicht, wie das mit dem gentechnisch veränderten Soja so schwer zu verstehen ist, daher nochmal: Es gibt in Österreich ein ANBAUVERBOT für jeglichen gentechnisch veränderten Organismus (außer im Labor). Des weiteren haben die österreichischen Supermärkte (ausser Meinl und Schlecker) eine Übereinkunft (gegenüber sich und den Konsumenten) KEINE gentechnisch veränderten Nahrungsmittel zu verkaufen. Wenn in einem Produkt gentechnisch veränderte Zutaten enthalten sind, muß dies am Produkt gekennzeichnet sein.

Ich bitte doch dringend darum, mit diesem "Gentechnik-Blödsinn" aufzuhören.

Der einzig gentechnisch veränderte Soja wird zur Tierfütterung verwendet - Über diesen Umweg muß am Fleisch kein Gentechnik Vermerk stehen. mfg. H.B.

und wer soll

das kontrollieren ?
http://derstandard.at/132322293... -geliefert

wobei die it. Lebensmittelpolizei sicher "happiger" ist als unsere

dieser Link hat überhaupt nichts mit gentechnisch verändertem Soja zu tun. Es geht dabei um falsch deklarierten Bio-Soja - und sogar diese falsche Deklaration ist aufgeflogen, obwohl es um einiges schwieriger ist, bio von nicht bio zu unterscheiden als gentechnisch verändert von gentechnisch nicht verändert.

Gentechnisch veränderte Pflanzen haben bekannte gentechnisch eingebrachte Sequenzen die mit wenigen Handsgriffen und geringem Zeitaufwand nachgewiesen werden können - und dies wird auch kontrolliert.
mfg H.B.

echt

wer sollte das kontrollieren. Da kommt irgendwas, Papiere prima vista ok. Wie lange haben die Deutschen gebraucht um draufzukommen, dasz nicht die Spanier die boesen waren, bei den Sprossen ?

Wer? Es gibt staatliche Kontrollbehörden und den Konsumentenschutz...

aber, ja klar, wenn man das unbedingt will, kann man immer sagen, daß alles zu wenig kontrolliert wird und das quasi alles möglich ist. Und unsere Rinder sind mittlerweilen auch genmanipuliert und man kann überhaupt nix mehr essen.

Ein bisschen Vertrauen in die Kontrollorgane unseres Staates sollte man halt schon haben...

es ist auf Grund

der Masse nicht kontrollierbar, waere ja auch viel zu teuer. Ich such mit irgendwelche Spezialisten in Neapel die mir die Papiere machen, dann kauf ich ein paar Tankwagen Sojasauce , manipulierte, in China. Bis mir da wer draufkommt bin ich weg

viel spaß beim weiterhin "weltverschwören" ...

Weltverschwoeren

ist gut, bei 700.000 t beschlagnahmt

Ich denke, wir reden gekonnt aneinander vorbei. Mein Anfangsstatement bezog sich darauf, daß in Österreich KEIN gentechnisch veränderter Soja (außer als Nutztierfutter) verkauft wird, und Sie kommen immer mit Zahlen die sich auf Bio-Lebensmitteln beziehen. Nicht Bio heißt nicht gleich Gentechnisch verändert. Das hat überhaupt nichts miteinander zu tun. Nochmal: Es ist viel schwieriger gentechnisch veränderte Nahrungsmittel falsch deklariert durch zu bekommen, weil die Kontrolle viel einfacher ist. Außerdem müsste es zu einer doppelten falsch Deklaration kommen: 1. daß nicht gentechnisch verändert, 2. daß österreichisch. Ich bitte also darum, österreichische Sojaprodukte nicht unberechtigt in gentech-Verdacht zu bringen. mfg. H.B.

es ist doch

voellig wurscht, welche Papiere ich faelsche. Die haben den Schwindel ja nicht aufgedeckt, weil irgendwer die Produkte kontrolliert hat sondern weil irgendwer irgendwo telephoniert hat.
Da wurden Produkte aus Rum nach IT verbracht u. dort umdeklariert. Ob ich das mit Bio o. mit OGM mach bleist sich doch gleich

Das wäre ja ein schönes Argument wenn die österreichische Endkontrolle nicht NACH den Umdeklarationen in Italien kommen würden und wenn nicht die meisten Sojaprodukte wie Tofu, Sojamilch usw. aus österreichischem Soja hergestellt werden (ein Blick auf die Verpackung gibt Aufschluß). Die Hersteller kaufen den Soja daher bei österr. Bauern und nicht bei Importunternehmen. Natürlich können Sie jetzt Kontrollbehörden oder den Verarbeitungsfirmen Korruptheit vorwerfen, das können sie dann aber der kompletten Lebensmittelindustrie, auch der Fleischindustrie - wo man beim Dioxinskandal erst draufkam, daß dem Verbraucher bei Handl Tyrol oder Radatz nur vorgegaukelt wird, österr. Fleisch zu kaufen. Das Thema wird dann wohl zu einer Grundsatzfrage.

ich kenn von

Soja nur das Flascherl welches beim Chinesen ums Eck am Tisch steht, glaube nicht, dasz dies Made in Aut ist.
http://www.kikkoman.com/index.shtml
da kaufens halt irgendwo in Asien 2 Kontainer, schmuggeln die ueber Neapel o. Genua ein u. auf gehts. Vor einem halben Jahr wurden in der Lombardei chin. Friseure ausgehoben, da war nicht ein Produkt, welches in Europa zugelassen ist, im Einsazt

Und, ja, ich werfe der gesamten Lebensmittelindustrie wenn schon nicht Koruption so doch einen recht kreativen Umgang mit der Wahrheit vor.

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