Neues Gesicht der Wiener ÖVP: Obmann Manfred Juraczka
Noch im Oktober machten die Parteikollegen in Neubau aus Manfred Juraczka einen "Juracka" auf ihrer Website.
Mit seiner Ernennung zum Parteiobmann der Wiener ÖVP sollten die Irrungen um seinen Namen nun ein Ende haben. Denn: Bekannt ist der 42-Jährige vielen auch in den eigenen Reihen erst seit einigen Monaten - und das trotz eines Vierteljahrhunderts Parteizugehörigkeit.
Seine bislang öffentlichkeitswirksamste Episode war die Forderung nach Speichelproben von Hunden, um per DNA-Analyse die Besitzer von Hundstrümmerl-Verursachern zur Rechenschaft zu ziehen. Die Idee rief durchaus Reaktionen hervor, blieb aber ein frommer Wunsch des Hernalser Parteichefs.
Die politischen Stationen des ÖAABlers sind durchwegs solide: Verschiedenen Funktionen in der JVP folgte 2003 der Wechsel in die Bezirkspolitik. Drei Jahre lang war Juraczka Bezirksvorsteher-Stellvertreter im 17. Gemeindebezirk, dann kam der jähe Einbruch der Landespartei bei der Wien-Wahl im Herbst 2010.
Mit den Worten "Ich steh auf Wien" ließ er sich ein Jahr später als nicht amtsführender Stadtrat angeloben, um den Wienern einen "bürgerlichen Gegenentwurf" zu Rot-Grün zu bieten, wie er gerne in Interviews betont. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Neo-Berufspolitiker noch als Sales Manager bei Alcatel beschäftigt.
Etwas bunter als sein politischer Werdegang liest sich der Rest seiner Vita: Nach dem Studium der Publizistik- und Politikwissenschaften arbeitete er zuerst als Mitarbeiter des Nationalratsabgeordneten Fritz König. Danach folgten einige Jahre als Consultant und Geschäftsführer der PR-Agentur Public Opinion.
Auf der Internet-Plattform Xing führt er neben seinen Interessen ("Literatur, Tennis, Motorsport...") den Erhalt des Bundes-Ehrenzeichen an. 2002 überreichte ihm dieses Benita Ferrero-Waldner für sein Werken in der österreichisch-venezolanischen Gesellschaft.
Kommunikation soll seine Stärke sein. Keiner, der Beschlüsse im Alleingang entscheidet. "Er ist weder Lückenbüßer, noch Wunderwuzzi", beschreibt ihn ÖVP-Kollege Adolf Tiller kurz vor der Wahl am Montagabend, "einfach ein ganz patenter Kerl."
Welchen Kurs er mit der Wiener ÖVP ansteuert, wird sich zeigen. "Urban und liberal", ist die Hoffnung des einen Lagers, "konservativ und wertverpflichtet" attestieren ihm diejenigen, die ihn schon vor seiner Nominierung gekannt haben. (Julia Herrnböck/DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)