Islamisten punkten mit sozialer Hilfe

Reportage | 13. Dezember 2011, 06:15

Zweite Wahlrunde: In Imbaba, im Westen Kairos, ist den islamischen Parteien der Sieg sicher

Die Straßen sind eng und staubig. Das wichtigste Verkehrsmittel ist das Tuk-tuk, das dreirädrige indische Motorrad. Die Menschen wohnen beengt. "Fünf Millionen leben hier" , schätzt einer von ihnen. Genau weiß es niemand. Auch das ist Kairo, allerdings ein Stadtteil, dem kein Vermerk im Reiseführer gewidmet ist. Imbaba gehört zur Provinz Giseh, dem Gebiet Kairos, das westlich vom Nil liegt. Giseh ist eine der neun Provinzen, in denen am Mittwoch und Donnerstag die zweite Runde der ägyptischen Parlamentswahlen ausgetragen wird.

Gamal sitzt nach dem Freitagsgebet noch vor einer kleinen Moschee. An der Hauswand klebt ein Plakat der salafistischen Nur-Partei. "Mit der Moschee hat das nichts zu tun. Aber die meisten Menschen hier wählen die Islamisten" , meint Gamal. Imbaba war einst berüchtigt als Hort von militanten Islamisten. Sie brachten ihm den Namen "islamische Republik Imbaba" ein.

Die radikalen islamischen Gruppierungen haben inzwischen der Gewalt abgeschworen, und mehrere ihrer Exponenten haben nach der Revolution Parteien gegründet. Die Salafisten wurden in den letzten Monaten aber beschuldigt, hinter einer neuen Welle von Intoleranz und hinter den religiösen Auseinandersetzungen mit Christen zu stehen, die im Sommer ausgebrochen waren. Es gab sogar Gerüchte, sie würden als Abschreckung Körperstrafen praktizieren. Einem jungen Mann, der ein Tuk-tuk gestohlen hatte, soll eine Hand oder - nach einer andern Version - ein Ohr abgeschlagen worden sein.

Sozial konservativ

Imbaba ist ein sozial konservativer Fleck geblieben. Die Polizeibrutalität im Mubarak-Regime ist jetzt eine Art Sympathiebonus für die Islamisten. "Mubarak wollte, dass wir mit den Alltagssorgen beschäftigt sind und zu allem schweigen" , erklärt Gamal, der Besitzer eines kleinen Ladens ist. Aber nach der Revolution ist die wirtschaftliche Lage noch schlechter geworden. Von den Wahlen erhofft sich Gamal, dass eine Regierung kommt, die sich um die breite Masse und nicht nur um die Besserverdienenden kümmert. Zwei Drittel der Menschen auf dem Tahrir-Platz demonstrierten im Januar für einen besseren Lebensstandard und mehr Jobs.

Karitative Organisationen

"Wenn der Ägypter ein Pfund hat, kauft er Essen. Wenn er ein halbes Pfund hat, kauft er Essen. Und wenn er kein Geld hat, isst er auch" , erklärt ein Gast in einem Kaffeehaus die Überlebensstrategie. Ist kein Geld da, hilft die Familie oder eine der karitativen Organisationen, die von den religiösen Gemeinschaften - auch von den christlichen - geführt werden. Hier erhalten Bedürftige Geld oder Lebensmittel wie Zucker, Öl, Reis und Tee, aber auch Medizin.

Diese Organisationen sind deshalb lokal stark verwurzelt. Das gilt vor allem für die stärkste unter ihnen, die Muslimbrüder. Die Kandidaten ihrer Freiheits- und Gerechtigkeitspartei sind die meisten im Wahlkreis. Auch in diesen Tagen halten sie nicht nur Reden. Ihre jungen Mitglieder haben Tische mit einem Laptop aufgestellt, wo es neben Informationen über die Kandidaten auch Hilfe für die Bürger gibt, damit sie das richtige Wahllokal auf Anhieb finden. Für die Menschen in Imbaba ist Politik vor allem Lebenshilfe, und da haben die Islamisten den besseren Leistungsausweis als ihre politischen Konkurrenten. (Astrid Frefel aus Kairo/DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)

Kommentar posten
12 Postings
klaus dona
01
16.12.2011, 15:44
Islamist

Diese Bezeichnung ist eine Diskriminierung für alle friedlichen Moslems. Die Herren die dieses Wort eingeführt haben lachen sich tot. Islam-mist

hallo tschüss
00
13.12.2011, 20:50

@wurm83 Naja zum Glück gilt diese Geschlechtertrennung in den Bussen nur für Jerusalem -> wo die meisten Ultraorthodoxen leben. Der Rest Israels ist davon gar nicht begeistert - daher ziehen viele nach Tel Aviv zb. ca. 70% von der Bevölkerung sind säkulare Menschen.

Gilgamesh
01
13.12.2011, 13:41

Warum wählen die Kopten nicht eine Partei?
Sie sind so zahlreich, dass sie einen Gegenpol zu islamistischen Zügen einnehmen könnten.

hallo tschüss
00
13.12.2011, 16:05

die Kopten machen nur ca. 7% der Gesamtbevölkerung aus...und eine einzelne Partei für Kopten ist doch auch ziemlich schwer umzusetzten...wie in jedem Volk, so gibt es auch bei den Kopten konservative, rechte, linke, säkulare, liberale etc. und das alles unter einem Hut zu bringen erscheint mir schon sehr schwierig.

manto bamminger
12
13.12.2011, 11:49
da steckt sicher ein heimtückischer plan dahinter

die bösen islamist schon wieder jetzt verführen sie die leute indem sie ihnen helfen.
sehr verdächtig, und diese gastfreundschaft die man in islamischen ländern genießt ist sicher ein billiger trick um ausländer einzufangen.

In österreich ist das so: Mir fuhren 2 buben mit ihrem moped in mein auto, ja ein bissal schaden und so,..ich sagte aber jungs das passt schon, vergessen wirs. Das ganze kam dann aber vielen leuten sehr verdächtig vor, also hab ich jetzt einen großen prozess am hals, denn nette selbstlose leute gibts ja ned, da kann ja was nicht stimmen.

Helicopterman
01
13.12.2011, 12:51
Wenn Sie in einem islamistischen Regime

irgendwelchen Religionspolizisten oder Mullahs verdächtig vorkommen haben Sie (falls überhaupt) Prozesse mit Bestrafungsnormen vor sich, gegen die heimische Gerichtsverfahrenn ein Lärcherlschaß sind.

wurm83
 
01
13.12.2011, 14:37
traurig aber wahr

wenn ich mir so ansehe wie die "religion" wieder im vormarsch ist...

die islamisten übernehmen die kontrolle über die von anderen diktatoren befreiten länder...die christen bekommen unter den rechtspopulisten wieder einen schönen touch nach rechts (und wehren sich auch nciht wirklich stark dagegen) im gegenteil der papst nähert sich wieder der piusbruderschaft an und gegen die ist die FPÖ ein linker anarcho verein...

und last but not least unsere jüdischen freunde die eine geschlechtertrennung in bussen eingeführt haben und frauen in kurzen hosen oder röcken von erz-konservativen juden bespuckt und getreten werden weil sie nackte haut zeigen

Herzerzog Johann
13
13.12.2011, 10:37

In Kärnten verteilt der Landeshauptmann sogar Bargeld ...

DerAndere34
31
13.12.2011, 12:28

ach, sieh einer an ...

und ich kann mich an jemanden erinnern der meinte dass er lieber eine milliarde staatsschulden hat als 1000 arbeitslose.
ist sehr ähnlich.

und dem haben alle zugejubelt und viele trauern ihm heute nach ...

so und wie war das jetzt mit dem kärntner der sooo pöse sein soll?

klaus dona
15
13.12.2011, 10:25
Islamist

Christianist, Jüdist, Islamist, Christianist, Jüdist,...

Es wird eine Zeit kommen, wo Sie sich für dieses Wort entschuldigen müssen.

prusiner
25
13.12.2011, 09:42
na bestens

wenn die wirtschaftliche und soziale Lage dann doch nicht so schnell besser wird, dann werden Sündenböcke gesucht werden

- der "Westen" samt Israel (geht immer, ein bisserl demonstrieren und so)
- die Kopten dann als unmittelbar greifbare Sündenböck
- und wenn das dann nicht mehr reicht, wird´s wohl nicht nur mehr rhetorisch gegen Israel gehen

alles keine guten Nachrichten für die Region ..

RSteiner
210
13.12.2011, 09:21

Mit der gleichen Taktik hat die eh-schon-wissen-Partei in den 1930ern die Macht in Deutschland an sich gerissen.

Auch damals waren die meisten zu feig um sie zu kritisieren. (Die damaligen Schlägertrupps waren genauso effizient wie die heutigen wenn es um die Unterdrückung von Opposition geht)

Traurig, das ganze.

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