Jetzt die Sau rauslassen

13. Dezember 2011, 17:02
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Und das Ablaufdatum nicht zu ernst nehmen: Harald Fidler isst sich von Sievering nach Kirchberg und fleht um Hilfe der UserInnen bei der Eingeweideschau

In einem Jahr ist es vorbei. Warum kommt mir der Satz nur so bekannt vor? Nein, ich übe hier nicht den eingesprungenen Aushilfsthurnher und beginne die nächsten 20 Jahre jedes Schmeck's mit demselben, hoffnungsfrohen Satz. Aber er passt schon wieder so gut.

Das Ablaufdatum lautet Dezember 2012. Dann verliert das nette Lokal mit diesem Namen sein nettes Lokal in der Sieveringer Straße 11, wenn ich das richtig erinnere. Und schon ein Jahr vor diesem Ablaufdatum (und viele, viele Monate nach der Eröffnung) hab ichs doch noch hingeschafft.

Da haben wir den Salat

Der Platz unter der Wildsau mit der Sonnenbrille ist wie für mich gemacht, halt ohne Sonnenbrille. Nur bin ich im Widerspruch zu meiner schon etwas leblosen Verwandtschaft an der Wand doch ein bisschen empfindlich. Insbesondere beim Einsatz von Salz. Und mit dem spart man an diesem Abend nicht.

Wenn mich nicht alles täuscht, war's das Salatbett der beiden sonst sehr anständigen Fleischlaberln, das mir ein bisschen zu großzügig gesalzen wirkte. Aber da wartete ja noch viel, viel Ablenkung vom Salat auf  Die Quiche 1a, die Polenta sehr fein, die roten Rüben mit Ananas mehr als nur interessant, die Hühnerflügel wiederum ein bisserl salzig.

Aber das Ablaufdatum ist ja auch auf ordentlich Flüssigkeitszufuhr ausgerichtet, und wäre nicht mein Auto vor der Türe gestanden, ich hätt die für eine Art Buffet sehr ansehnliche Weinerei schon ordentlich ausgekostet. So freilich blieb's beim reinsortigen Klosterneuburger Stiftsapfelsaft. Und bei 16,50 Euro.

Heimlich herummachen

In einem Jahr ist hoffentlich gar nichts vorbei. Ganz im Gegenteil. Diese Herrschaften machen's ja auch schon eine Zeit, heimlich, still und leise,  les ich bei Kollegen Corti. Wie gibts denn das? Ein Lokal im Einzugsgebiet von Tulln? Mit einem Koch, der bei der wunderbaren Gerti Sodoma Souschef war? Und ich weiß nichts davon? Geht's noch?

Ja, das geht. Obwohl ich ein bisschen besorgt war. Aber wer geht schon an einem Vorweihnachtseinkaufsamstag gegen 17 Uhr in Kirchberg am Wagram in die Ortsvinothek essen? Genau, wir. Weil ländliche Hausbesuche halt hungrig machen. Und durstig natürlich.

Außer uns war in dem chicen Panoramabau (Panorama, wenns halt nicht schon finster ist) des Weritas relativ wenig Kundschaft, wiewohl am Freitag das Rondo davon kündete. War der Leser- und innenschaft wohl ein bisserl zu weit vor Weihnachten. Als wir gingen, trudelte dann aber eh ganz ordentlich Publikum ein.

Voller Vorfreude

Ich wollte ja schon ausholen, von der Entenleber zum Reh zumindest - pot au feu, wenn die Erinnerung stimmt, aber die schwächte ich inzwischen noch ein wenig. Aber soll man ausholen, wenn die Wunderbare wundersamerweise nach den Ricotta-Tortelloni einen Punkt macht? Eben. Die Entenleber war jedenfalls schon sehr fein. Und ich schwelge nun in Vorfreude auf das Reh und andere schöne Dinge, beim nächsten Hausbesuch.

Und was mit dem Durst? Viele, viele Winzer vom Wagram auf der Karte, nona, von denen ich auf den ersten Blick nur den Fritsch kenne (und schätze). Die anderen werd ich mir jetzt langsam erarbeiten. Mit Blick übers Tullnerfeld, wenns wieder länger hell ist - oder wenn ich eben schon zum Gabelfrühstück in der Vinothek umkehre. Man hat schließlich einen Ruf als Wildsau zu verlieren.

UserIn, hilf!

PS: Meine nächste Essbegleitung fällt in Sachen Sex Appeal, für mich jedenfals, doch merklich ab, hat aber einen Hang zu besonderen inneren Werten. Tobias Müller traut sich, mit mir essen zu gehen. Er würde gerne Innereien zu sich nehmen. Ordentlich. Möglichst in Wien. Bittermanns Donnerstag hätte mich und ihn sehr gereizt, aber wie kommen wir dann wieder vernünftig, heil und im Vollbesitz unserer Führerscheine zurück in die Hauptstadt?

Also: Sachdienliche Hinweise für eine beherztes Eingeweideschau, nach Möglichkeit am Montag offen, in Wien? Und, danke, Barbanek ist eh fein, haben wir hier aber schon abgefrühstückt. Herzog's auch. Ebenso die zumindest ebenso feine Meixners Gastwirtschaft. Max Stiegls Gut Purbach - siehe auch oben. Amstätter detto.

Orgasmus in Rom

PPS: Und wo bleibt die nächste Portion Italienische Speise? Demnächst hier, wenn nicht noch ein paar Sauereien auf Lager lägen. Zur Überbrückung kann ich bis dahin Orgasmus in Rom empfehlen.

 

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Im Ablaufdatum (Sieveringer Hauptstraße 11, 1190, 0699/11038296) leistete mir dieser nette Herr Gesellschaft. 
Für das nächste Schmeck's-Essen habe ich in Kollegen Tobias Müller schon eine etwas gesprächigere Begleitung, aber noch kein Lokal. Bitte um Tipps, Schwerpunkt: feine Innereien in Wien und Umgebung.
    foto: harald fidler

    Im Ablaufdatum (Sieveringer Hauptstraße 11, 1190, 0699/11038296) leistete mir dieser nette Herr Gesellschaft. 

    Für das nächste Schmeck's-Essen habe ich in Kollegen Tobias Müller schon eine etwas gesprächigere Begleitung, aber noch kein Lokal. Bitte um Tipps, Schwerpunkt: feine Innereien in Wien und Umgebung.

  • Das war der Antipastoteller im Ablaufdatum, live weitaus schöner, leider wieder einmal nur das *Phone (Name der Redaktion bekannt) mitgehabt.
Daten zur Weritas-Vinothek in Kirchberg am Wagram beim Profi. Zwei Gänge, drei Achteln, ein Apfelsaft und ein Kaffee: 29 Euro.
    foto: harald fidler

    Das war der Antipastoteller im Ablaufdatum, live weitaus schöner, leider wieder einmal nur das *Phone (Name der Redaktion bekannt) mitgehabt.

    Daten zur Weritas-Vinothek in Kirchberg am Wagram beim Profi.
    Zwei Gänge, drei Achteln, ein Apfelsaft und ein Kaffee: 29 Euro.

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