Michael Grossmann ist Grazer Kultur- und Gesundheitsstadtrat
Michael wer, bitte?", raunte es durch die Grazer Kulturszene, als die Stadt-SPÖ die Wahl ihres neuesten Stadtrates - des dritten in diesem Jahr - für Kultur und Gesundheit verkündete. In keiner Kunstsparte hatte man vom 45-jährigen Michael Grossmann je gehört. In den Tagen danach tröpfelten die Informationen sparsam: Ein Märchenbuch habe er einst veröffentlicht. Für seine Söhne, die mittlerweile 21 und 16 Jahre alt sind. Also habe er auch etwas mit Literatur zu tun, hieß es aus der Parteizentrale.
Doch im Gesundheitsbereich ist Grossmann in seinem Metier: Er studierte an der Wiener Wirtschaftsuni Krankenhausmanagement und war Rohbilanzierer und Projektleiter der steirischen Gebietskrankenkasse und stellvertretender Verwaltungsdirektor eines Merkur-Sanatoriums. Dazwischen gab es in seiner bewegten Karriere Ausflüge in die Erwachsenenbildung und ins Management einer Möbelfirma, bevor er Unternehmensberater wurde. Zuletzt leitete er das Karl-Renner-Institut in Graz.
Parteiinsider nennen den gebürtigen Leobner einen "Politprofi". In der Sozialistischen Jugend stieg er unter Alfred Gusenbauer bis zum Bundesvorsitzenden auf. Von 2004 bis 2010 war er Büroleiter des steirischen EU-Abgeordneten der SPÖ, Jörg Leichtfried.
Auch privat gibt es Brüche in Grossmanns Lebenslauf: Nach 20 Jahren Ehe mit der SPÖ-Landesrätin Elisabeth Grossmann kam es zur Scheidung.
Der neue Stadtrat outete sich wenige Tage vor der Angelobung am Montag als homosexuell; er lebt mit einem Mann zusammen. Grossmanns Ex-Frau und die Söhne lauschten der Angelobung, um sich danach das neue Büro des Vaters anzusehen.
Dem steht eine schwierige Aufgabe bevor: Erstens soll sich die Stadtpartei bis zur Wahl 2013 mit der im Herbst angetretenen Vorsitzenden Martina Schröck von internen Kämpfen und Umfragetiefflügen erholen. Zweitens sind gerade die Budgets seiner Ressorts knapp.
Der Nichtraucher Grossmann will die Feinstaubhochburg Graz dennoch "zu einer der gesündesten Städte Europas" machen. Im Kulturbereich will er große Institutionen wie das Kunsthaus ermuntern, auch lokalen Kunstschaffenden, die zuletzt gegen die diskontinuierliche Kulturpolitik aufbegehrten, Raum zur Verfügung zu stellen.
Für seine Pläne bleibt wenig Zeit, denn sein Posten wird 2013 bei der Reduktion des Stadtsenats wahrscheinlich eingespart. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD/Printausgabe 13. Dezember 2011)