Kommentar von Boris Johnson

Was haben wir bösen Briten nur getan?

Kommentar der anderen | 12. Dezember 2011, 18:29

Was die Europäer wirklich auf die Palme bringt, ist nicht Camerons Veto gegen den Stabilitätspakt

...sondern der offenkundige Nachweis, dass die Briten mit ihrer Euroskepsis recht behalten haben, sagt Londons Bürgermeister.

*****

Ich weiß, manche Leute sind beunruhigt, dass all die mächtigen Europäer so furchtbar, furchtbar böse auf uns sind. Angela Merkel sagte, dass wir nicht einmal anständig verhandelt hätten. Sarkozy bringt es kaum über sich, Britannien namentlich auszusprechen und wurde heimlich dabei gefilmt, als er sich offenbar weigerte, Cameron die Hand zu geben. Über den ganzen Kontinent sind die Zeitungen voller zorniger Schlagzeilen über die generelle Dummheit und Arroganz der Engländer/Anglais/Inglesi. Ich habe ein paar arme, liberaldemokratische EU-Parlamentarier beobachtet, die vor Ekel über das britischen Verhalten auf dem EU-Gipfel geradezu zu platzen schienen.

Und es dürfte viele Leute in diesem Land geben, denen die der ätzenden Kritizismus regelrecht Angst macht: Tage hindurch hat uns die BBC permanent in düsteren Tönen erzählt, wie isoliert und marginalisiert wir seien - als hätte man entschieden, uns auf unsere nebelige Insel in die Verbannung zu schicken wie eine Horde indigoblau angestrichener Barbaren. Ich hoffe daher, ein wenig zur Beruhigung der Gemüter beitragen zu können, indem ich darauf hinweise, dass unsere europäischen Freunde und Partner ganz und gar nicht über diesen Gipfel verärgert sind. Alle tun ja jetzt förmlich so, als wäre an Camerons Veto etwas Epochemachendes - als hätten wir eine Art nationales "Excalibur" aus dem Felsen gezogen oder unsere Atomwaffen in Stellung gebracht.

Die Realität ist, dass schon viele unserer Premierminister Entscheidungen blockiert haben, die nicht im Interesse des Landes waren - von Thatchers Nein zum EU-Budget bis Blairs Ablehnung der Kapitalertragssteuer. Und dass viele andere Premiers oft viel aufsässiger waren als die britischen - man denke an Spaniens Felipe Gonzalez, der einen EU-Gipfel solange aufzuhalten pflegte, bis er das Gefühl hatte, genug Zugriff auf irischen Dorsch und Schellfisch zu haben.

Nein, der Ärger gilt nicht unserer Opposition zum neuen Stabilitätsvertrag. Was unsere europäischen Brüder und Schwestern permanent gegen uns aufbringt, ist die Tatsache, dass wir mit unserer Skepsis gegenüber dem Euro recht behalten haben. Über 20 Jahre sind britische Minister immer wieder nach Brüssel gefahren, um zu betonen, dass sie den Gemeinsamen Markt zwar für eine ganz tolle Sache halten, aber doch gewisse Zweifel hätten, ob der Versuch, eine Währungsunion zu schaffen, wirklich so klug sei. Und 20 Jahre sind wir nicht müde geworden, darauf hinzuweisen, dass eine Währungsunion nur funktionieren kann, wenn es auch eine politische Union mit einer Art europäischer Zentralregierung gibt - die allerdings demokratisch nicht durchzusetzen ist.

Seien wir doch ehrlich: Es waren nicht angelsächsische Banker, die die Turbulenzen in der Eurozone verursacht haben, Sarkozy, mon ami, es war das Unvermögen der Eurostaaten, die Maastricht-Kriterien einzuhalten - beginnend mit Frankreich übrigens... (DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)

Boris Johnson, Exherausgeber des "Spectator" und eine der schillerndsten Figuren der britischen Innenpolitik, ist seit 2008 Bürgermeister von London und betreibt ein Weblog, dem dieser Text in Kurzfassung entnommen ist.

Übersetzung: Mischa Jäger

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wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
14.12.2011, 05:32
Wenn die briten -

mit ihrer euro-eu-skepsis recht hätten, dann nur vom provinziellen bis nationalistischen standpunkt aus!
"Mir san mir" u. "die amis werden's schon richten" - das ist allerdings keine europäische politik!
Tatsächlich ist das kleine britannien ohne bedeutung!

monothematisch
00
13.12.2011, 23:49
Schellfisch??

Shellfish heißt Meeresfrüchte auf Deutsch!

keep cool1
 
00
13.12.2011, 17:59
Sorry - take it or leave it!

GB soll endlich zur Kenntnis nehmen, dass es nicht mehr Herrscher des weltweiten Commonwealth sondern Teil einer 27köpfigen Staatengemeinschaft ist, der unter anderem auch 6 größere Staaten wie D/PL/F/IT/SP/GB angehören. Gemeinschaft bedeutet Zusammenarbeit und Kooperation vor nationalen Egoismus und Rosinen-Picken zu stellen und sich für das gemeinsame Wohl einzusetzen. Die City of London, die eine hohe Mitschuld an diversen Finanzskandalen trifft und heftig an der Ausbreitung der weltweiten Immobilienkrise mitverantwortlich war - kann nicht unter einem EU-weiten Schutzschirm gestellt werden!

Frühlingsrolle
01
13.12.2011, 16:28
gegen welche Wand ist der denn ang'rennt?

chezgarando
00
13.12.2011, 16:18
sie sollten lieber eine turbokapitalismus-skepsis

entwickeln, aber schnell, sonst gehts bergab...steil

ist eigentlich eine frechheit die krise auf den euro zu schieben
hätten wir schilling dann hätten sich unsere banken nicht verspekuliert und von den amis sauteuren dreck verkaufen lassen?????

Gilgamesch
00
13.12.2011, 15:53

"Und 20 Jahre sind wir nicht müde geworden, darauf hinzuweisen, dass eine Währungsunion nur funktionieren kann, wenn es auch eine politische Union mit einer Art europäischer Zentralregierung gibt - die allerdings demokratisch nicht durchzusetzen ist." - und warum war die europäische annäherung an eine politische union unmöglich? WEGEN DER BRITEN!!!

des hoscht künna!!!
10
13.12.2011, 16:13
Gott sei Dank!

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
13.12.2011, 18:24

Gott hat damit gar nichts zu tun.

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
13.12.2011, 15:52
Was haben wir bösen Briten nur getan?

Arroganz.

Kurt Bayer
02
13.12.2011, 15:35
Boris, Boris!

Es war zuerst Deutschland, das den Stabilitäspakt gebrochen hat, dann erst Frankreich: nur zur Richtigstellung.
Johnson, den ich oft frühmorgens in Aufsehen erregender Aufmachung (schlabbrige Laufhose mit rosa Schweinchen, handgestrickte Rasta-Mütze um seinen Schopf zu verdecken) mit Bodyguard den Regent's Canal entlangschleudern sehe, sollte lieber bei seinem Leisten bleiben, nämlich London besser zu verwalten: am Wochenende ist mindestens 1/3 der U-Bahnlinien eingestellt, halb London ist permanent aufgegraben, um die zerbröckelnden Wasser- und Gasleitungen zu reparieren, Teile der Stadt verslummen zunehmend - das wäre eine Aufgabe. Aber er sieht diese darin, die Finanzinteressen der Londoner City zu vertreten - Wiederwahl sicher?

u Vigneron
01
13.12.2011, 15:02
Warum sind die Konservativen Englands

gegen die Sparpakete? ist doch unlogisch? Auch konservative "Logik" wird schnell über
Bord geworfen, wenn es darum ginge, das Abzocken der Banken und Börsen und Hedge-fonds einzuschränken. solln sie doch bitte ihr Geschäft ohne Europa machen, die Schweizer übrigens auch: Weg mit der Freiheit der Finanzdienstleister!

Hirntot
01
13.12.2011, 15:20

Politische Union... Da müssen grad die Briten, Reformverhinderer der ersten Stunde, die Goschn aufreißen. Ohne die wäre schon zehn mal mehr vorwärts gegangen in der EU.

mika33
00
13.12.2011, 14:45
Recht hat er.

Heefcleeve
02
13.12.2011, 14:37
Was ist denn das für ein völlig verzogener Bengel?

Londoner Bürgermeister? Na servas!

Darf das wahr sein?

liftwartbertl
11
13.12.2011, 14:31
...

So ein Schwachsinn. Die Währungsunion ist gundsätzlich eine bewundernswerte Errungenschaft. Sie leidet jetzt darunter, dass sie alleine noch nicht ausreicht. Wenn man die Briten schon von der gemeinsamen Währungsunion nicht überzeugen konnte, wie hätte man sie dann von noch mehr Europa überzeugen sollen. Selbstgefälliger, dummer Kommentar.

El Vez
12
13.12.2011, 14:26

davon abgesehen, dass sarkozy cameron nicht den handschlag verweigert hat, strotzt dieser kommentar vor dummheit und falschem nationalstolz.

die briten brauchen die eu mehr als umgekehrt, jeder britischer politiker der das gegenteil behauptet, ist entweder dumm wie brot oder schlichtweg ein lügner.

nur was ist jetzt schlimmer?

$hitstorm
12
13.12.2011, 14:02
Hochmut kommt vor dem Fall

Kein Kommentar
01
13.12.2011, 13:50
War es nicht eine ehemalige Kronkolonie....

..., die als Währungsunion beispielgebend ist!?

Denn manch einer vergisst, dass die USA auch nicht immer den Dollar hatten. Und dass man dort auch Tiefschläge einstecken musste.

Ausser Arroganz und sklavischem Gehorsam gegenüber den USA gibt es nicht mehr viel, was das ehemalige Empire zu bieten hat.

Blockadepolitik als historischer Schmollwinkel angesichts der eigenen Bedeutungslosigkeit.....

Andrej Stoltz
01
13.12.2011, 14:52
Genaugenommen war auch damals schon der Währungstreit ein Hauptgrund für den Unabhängigkeitskrieg gegen England.

Die Engländer verboten den Kolonien trotz latenter Geldknappheit die Schaffung eigener Währungen.
Die Absicht Englands dabei war, die Kolonien gegenseitig auszuspielen und damit unter Kontrolle zu halten, ähnlich wie sie es heute mit Europa versuchen.

Die Amerikaner mussten von Anfang sehr lange Zeit (tlw. bis zum Ende des Bürgerkriegs 1865) mit spanischen 8 Reales, preussischen- und sogar Mariatheresientalern bezahlen, da diese beliebter und höherwertiger waren, als das Geld des englischen Königs.

Die Ursache für den Sezessionskrieg ab 1773 war wirtschaftliche Selbstbestimmung gegen England.

Ja, es stimmt der US$ hat 100 Jahre gebraucht, bis er sich durchsetzen konnte.

gemeinwohl-ökonomie
03
13.12.2011, 13:42
der mann leidet unter einem verheerenden kurzzeitgedächtnis.

es waren die angloamerikanischen großbanken, die die welt bis heute in einen abgrund stürzen.
und es sind die angloamerikanischen ratingagenturen, die mit kaffeesudlesen gegen den euro monopoly spielen.
und es ist großbritannien, daß einen größeren schuldenstand wenn nicht sogar den größten in europa hat, was gerne übersehen wird.
und es ist der finanzplatz london, der massiv gegen den euro arbeitet.

her mit den Strichen!
00
13.12.2011, 14:04
Und was genau unterschieidet unsere Banken von den Anglo-Amerikanischen?

gemeinwohl-ökonomie
00
15.12.2011, 11:39

ist das eine ernstgemeinte frage?
welcheich Ö-bank ließe sich mit lehman vergleichen?

her mit den Strichen!
00
15.12.2011, 15:28
jede Bank ließe sich mit Lehman vergleichen.

le chat botté
31
13.12.2011, 13:41

"Es waren nicht angelsächsische Banker, die die Turbulenzen in der Eurozone verursacht haben,...es war das Unvermögen der Eurostaaten, die Maastricht-Kriterien einzuhalten".
Grenzwertige Argumentation - Nicht der Täter ist schuld sondern das Opfer, weil es sich zum Zeitpunkt der Tat am Tatort befand.

Werner F, der Inserator
00
13.12.2011, 14:23

Was ist der tatbestand ?

Schulden machen oder einem unglaubwürdigen Schuldner das Geld nur noch gegen hohe Zinsen leihen.

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