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Ein rumänischer Bauer auf seiner Gurkenernte: Italienische Bio-Zertifizierer sollen konventionellen rumänischen Betrieben die Bio-Kennzeichnung verkauft haben.
Wien/Rom/Bukarest - Wenn die Zahlen stimmen, dann ist es der wohl größte Betrug mit Biolebensmitteln aller Zeiten: 700.000 Tonnen Lebensmittel sollen von einer italienischen Firma fälschlich als Bio zertifiziert und in Europa verkauft worden sein. Wert: 220 Millionen Euro - etwa ein Fünftel des österreichischen Jahresumsatzes mit Bioprodukten. Überrascht hat das die Branche nicht.
"Es gab seit Jahren das Gerücht, dass italienische Bio-Zertifizierungsstellen nicht sauber arbeiten und rumänischen Betrieben Bio-Zertifikate für Anbauflächen ausstellen, die gar nicht existieren", sagt Ralph Liebig, Geschäftsführer des internationalen Verbands des Biofachhandels. "Das war eine Zeitbombe, die irgendwann hochgehen musste."
Bezahlung nach Größe
Die Zertifikate gelten als Schwachstelle der Branche: Sie werden von privaten Unternehmen vergeben, die staatlich autorisiert sind, Betriebe EU-weit für biologisch zu erklären. Bezahlt werden sie von jenen Produzenten, die sie kontrollieren sollen. Bezahlt wird nach der Größe der kontrollierten Fläche.
Zwar versuchen auch die Großhändler, stichprobenartig zu kontrollieren - sie sind aber zum Großteil darauf angewiesen, dass sie sich auf die Zertifizierer verlassen können.
Österreich wartet auf Daten
Ob von der falsch deklarierten Ware auch etwas in Österreich gelandet ist, weiß derzeit noch niemand: Man warte noch auf Daten der italienischen Behörden, heißt es im Gesundheitsministerium. Etwa drei Viertel aller Produkte, die in österreichischen Biogeschäften verkauft werden, stammen aus dem Ausland.
Der Markt mit falsch ausgewiesenen oder gefälschten Lebensmitteln ist ein Milliardengeschäft, das in den vergangenen Jahren massiv gewachsen ist, heißt es bei Europol: Das Risiko ist gering, der Ertrag enorm. 1000 Dollar würden, in die Lebensmittelfälschung investiert, wesentlich höhere Profite abwerfen als etwa im Drogenhandel.
"Rattendreck bis Schwermetalle"
Am selben Tag, an dem der Skandal in Italien aufflog, beschlagnahmte Europol gemeinsam mit lokalen Behörden 13.000 Flaschen minderwertiges Olivenöl, 12.000 Flaschen Wein, 30 Tonnen gefälschte Tomatensauce und 30.000 Schokoriegel. Ob die Ware auch gesundheitsschädlich ist, wird noch getestet - "wir haben aber schon alles Mögliche in Lebensmitteln gefunden, vom Rattendreck über Schwermetalle", sagt ein Europolsprecher.
Gefälscht wird jede Art von Lebensmittel, beliebt sind hochpreisige Produkte wie vermeintlich hochwertiges Olivenöl, teurer Käse oder Kaviar. Die Banden sind weltweit aktiv, oft arbeiten mehrere Gruppen zusammen. Die gefälschten Lebensmittel kommen häufig aus Asien, aber auch aus europäischen Ländern.
Die Fälscher versuchen, die Lebensmittel in die legale Verteilerkette einzuschleusen. Sie landen also nicht nur in dubiosen Internet-Shops, sondern auch in Supermärkten und Restaurants. Eine wichtige Warnung für Konsumenten sei der Preis, heißt es bei Europol: "Wenn mir jemand Parmesan für fünf Euro das Kilo anbietet, dann stimmt etwas nicht." (Tobias Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)
Massiver Bioschwindel in Italien: Bio-Austria-Verband fordert lückenlose Kontrolllinie
Waren laut Gesundheitsministerium nicht gesundheitsschädlich
700.000 Tonnen Lebensmittel mit falscher Kennzeichnung verkauft - Auch Interpol beschlagnahmt gefälschte Produkte
Der aufgeflogene Skandal sei keine Panne, sondern eine Zäsur, sagt Werner Lampert und erklärt, warum man im Winter keine Paradeiser und weniger Fleisch essen sollte
Das Mittelalter kannte teils sehr drastische Strafen für die Verfälschung von Lebensmitteln. Im Jahre 1499 wurden beispielsweise in Nürnberg einem Safranfälscher die Augen ausgestochen.[159] In einigen Städten Deutschlands und der Schweiz wurden betrügerische Bäcker öffentlich in einem großen Korb über einer Jauchegrube aufgehängt. Wollten sie aus dem Korb hinaus, mussten sie in die Grube springen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Essk... ttelalters
sollte wieder eingeführt werden...ich bin auch für drakonische strafen in dem bereich...mit recht als konsument...wo bleiben unsere politiker? hörte niemals ein aussagekräftiges statement zu diesen thema...na, irgendwo verständlich wenn man sich als politiker mehr darum kümmern muß nicht in der versenkung zu verschwinden...hat man für solche nebensächlichkeiten keine zeit. und sie selbst wahrscheinlich einen vorkoster was sich kreti+pleti nicht leisten können
Auch wenn es kein organisiertes verbrechen sein mag:
Bei uns ist die AMA ein problem.
Alles was mit Gütezeichen und -siegel zu tun hat, sollte weg vom Landwirtschaftsministerium zum Ministerium für Konsumentenschutz.
Wenn der Bauernbund sich selbst kontrolliert, kann das kein Qualitätsmerkmal sein.
Bio - Waren (Obst und Gemüse) werden regelmäßig von unabhängigen Labors auf Rückständen von Pflanzenschutzmitteln getestet und schneiden dabei im Vergleich zu konventioneller Ware stets mit Bestnoten ab (97 % der Bio - Waren sind seriös).
Diese gefälschten Waren wurden zu 90 % in Italien verkauft, nur 10 % davon gelangten in den Export.
Italien ist Spitzenreiter Europas im Öko - Anbau.
Das ist durchaus positiv. Vor allem Bio - Tomaten kommen meist aus Italien.
Wegen einer solchen Sache eine ganze Branche schlecht zu machen, ist idiotisch.
1) Lebensmittelskandale betreffen immer wieder Italien.
Konsequenz: keine (Bio)lebensmittel mehr aus Italien!
2) Unabhängige Prüfer (wie VKI, AK) gehören finanziell aufgerüstet. Nur sie gewährleisten eine objektive Kontrolle.
3) Supermarktbetreiber (egal ob Spar, Billa, Hofer u.a.) müssen Verantwortung (und Kosten)übernehmen und ihre eigenen Bioprodukte strenger überprüfen.
Soviel zur Theorie. In 3 jahren lesen wir vom nächsten Skandal. Garantiert!
Ich sags ja immer wieder bei dem Thema. In Zeiten wo Betrug, Ausbeutung und bewusste Falschinformation an jeder Ecke lauern, ist auch der BIO-Schmäh nichts anderes. Nur klingt es halt gut, bringt mehr Profit und die Masse der Menschen glaubts auch noch. Ein Skandal nach dem anderen kann die eingeschfleischten BIO-Freaks nicht erschüttern. Und nun, ich warte auf rote Stricherl.
Die Wahrheit hört halt niemand gern.
Ursprünglich sollte mittels Bio-Produktion eine Landwirtschft gefördert werden, die den Boden schont und für weniger Rückstände in Lebensmitteln sorgt. Und das wurde beworben, weil man davon ausging, daß solche Produkte vielleicht optisch nicht ganz mithalten könnten. Aber dafür waren sie eben Bio.
Und dann hat man festgestellt, daß sich auch mit Bio-Produktion gleiche Qualität herstellen läßt, daß sich durch durchdachte Fruchtfolge, Vorhandensein von Dünger aus der Viehhaltung und/oder Fahrgassenbegrünung/Untersaat mit Schmetterlingsblütlern Stickstoffüberschuß erzielt werden kann.
Das wird ohnehin gefördert, ein höherer Preis ist daher nicht gerechtfertigt. Schluß damit!
Ja, aber so lange Leute bereit sind, einen Premiumpreis dafür zu zahlen, weil sie glauben damit sich und anderen Gutes zu tun (unabhängig, ob dieser Glaube zuRecht besteht), wird es "Bio" als Marketinginstrument auch geben. Und genau diese Bereitschaft einen höheren Preis zu zahlen, lockt ja dann auch die Fälscher.
Bioprodukte sind ja kaum von schlechteren konventionellen Produkten zu unterscheiden: Leicht verschrumpelte Aepfel etwas lassen sich so teurer verkaufen.
Auch sonst enthalten Bioprodukte nicht mehr Naehrstoffe. Mithilfe eines Labors koennte man Bioprodukte hoechstens aufgrund von erhoehten Rueckstaenden an Kolibakterien (von der naturnahen Guelleduengung) identifizieren.
Selbst die alten Römer haben schon Lebensmittel verfälscht. Sie waren es die damit begannen, ungenießbaren Wein mit giftigem Bleizucker (Bleiacetat) trinkbar zu machen. Die Praxis hielt sich bis ins 19. Jahrhundert. Ebenfalls in 19. Jhdt. erschienen dicke Wälzer, die den Hausfrauen Hilfe beim Erkennen von Lebensmittelfälschungen geben sollten. Auch damals schreckte man vor nichts zurück. Selbst "Milch" wurde künstlich hergestellt.
Eigentlich geht es uns heute viel besser, da die Kontrollmöglichkeiten besser sind.
So kommt es schon mal heraus, dass ein extrem teurer Balsamico-Essig statt nur aus Trauben- auch teilweise aus Zuckerrübenessig hergestellt wurde. Als Verbraucher hat man da aber schlechte Karten. Wem steht schon ein Chemielabor
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