Bioskandal

Gefälschtes Essen lukrativer als Drogen

Bericht | Tobias Müller, 12. Dezember 2011, 18:27
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    foto: epa/robert ghement

    Ein rumänischer Bauer auf seiner Gurkenernte: Italienische Bio-Zertifizierer sollen konventionellen rumänischen Betrieben die Bio-Kennzeichnung verkauft haben.

Bio-Zertifikate gegen Geld: In der Branche wundert man sich nicht über Betrug, der Kontrollmarkt ist hart umkämpft - Das Risiko ist gering, der Gewinn groß

Wien/Rom/Bukarest - Wenn die Zahlen stimmen, dann ist es der wohl größte Betrug mit Biolebensmitteln aller Zeiten: 700.000 Tonnen Lebensmittel sollen von einer italienischen Firma fälschlich als Bio zertifiziert und in Europa verkauft worden sein. Wert: 220 Millionen Euro - etwa ein Fünftel des österreichischen Jahresumsatzes mit Bioprodukten. Überrascht hat das die Branche nicht.

"Es gab seit Jahren das Gerücht, dass italienische Bio-Zertifizierungsstellen nicht sauber arbeiten und rumänischen Betrieben Bio-Zertifikate für Anbauflächen ausstellen, die gar nicht existieren", sagt Ralph Liebig, Geschäftsführer des internationalen Verbands des Biofachhandels. "Das war eine Zeitbombe, die irgendwann hochgehen musste."

Bezahlung nach Größe

Die Zertifikate gelten als Schwachstelle der Branche: Sie werden von privaten Unternehmen vergeben, die staatlich autorisiert sind, Betriebe EU-weit für biologisch zu erklären. Bezahlt werden sie von jenen Produzenten, die sie kontrollieren sollen. Bezahlt wird nach der Größe der kontrollierten Fläche.

Zwar versuchen auch die Großhändler, stichprobenartig zu kontrollieren - sie sind aber zum Großteil darauf angewiesen, dass sie sich auf die Zertifizierer verlassen können.

Österreich wartet auf Daten

Ob von der falsch deklarierten Ware auch etwas in Österreich gelandet ist, weiß derzeit noch niemand: Man warte noch auf Daten der italienischen Behörden, heißt es im Gesundheitsministerium. Etwa drei Viertel aller Produkte, die in österreichischen Biogeschäften verkauft werden, stammen aus dem Ausland.

Der Markt mit falsch ausgewiesenen oder gefälschten Lebensmitteln ist ein Milliardengeschäft, das in den vergangenen Jahren massiv gewachsen ist, heißt es bei Europol: Das Risiko ist gering, der Ertrag enorm. 1000 Dollar würden, in die Lebensmittelfälschung investiert, wesentlich höhere Profite abwerfen als etwa im Drogenhandel.

"Rattendreck bis Schwermetalle"

Am selben Tag, an dem der Skandal in Italien aufflog, beschlagnahmte Europol gemeinsam mit lokalen Behörden 13.000 Flaschen minderwertiges Olivenöl, 12.000 Flaschen Wein, 30 Tonnen gefälschte Tomatensauce und 30.000 Schokoriegel. Ob die Ware auch gesundheitsschädlich ist, wird noch getestet - "wir haben aber schon alles Mögliche in Lebensmitteln gefunden, vom Rattendreck über Schwermetalle", sagt ein Europolsprecher.

Gefälscht wird jede Art von Lebensmittel, beliebt sind hochpreisige Produkte wie vermeintlich hochwertiges Olivenöl, teurer Käse oder Kaviar. Die Banden sind weltweit aktiv, oft arbeiten mehrere Gruppen zusammen. Die gefälschten Lebensmittel kommen häufig aus Asien, aber auch aus europäischen Ländern.

Die Fälscher versuchen, die Lebensmittel in die legale Verteilerkette einzuschleusen. Sie landen also nicht nur in dubiosen Internet-Shops, sondern auch in Supermärkten und Restaurants. Eine wichtige Warnung für Konsumenten sei der Preis, heißt es bei Europol: "Wenn mir jemand Parmesan für fünf Euro das Kilo anbietet, dann stimmt etwas nicht." (Tobias Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)

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jumpingjack flash
00
14.12.2011, 16:07

was war da heuer alles im "bio" eis auf der rotenturmstrasse?

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
14.12.2011, 10:54
Lieber Bio Roggen als Koks ...

wird eh Zeit dass die Politiker von dem weissen Pulver wegkommen!

regenfeldbau
00
13.12.2011, 18:07
Österreich wartet auf Daten?

Können wir nicht selbst prüfen, ob etwas bio ist?

Bitte bewerten Sie mit "rot"
03
13.12.2011, 16:56
Früher war nicht alles schlecht...

Das Mittelalter kannte teils sehr drastische Strafen für die Verfälschung von Lebensmitteln. Im Jahre 1499 wurden beispielsweise in Nürnberg einem Safranfälscher die Augen ausgestochen.[159] In einigen Städten Deutschlands und der Schweiz wurden betrügerische Bäcker öffentlich in einem großen Korb über einer Jauchegrube aufgehängt. Wollten sie aus dem Korb hinaus, mussten sie in die Grube springen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Essk... ttelalters

meresi
00
ja das hat was...

sollte wieder eingeführt werden...ich bin auch für drakonische strafen in dem bereich...mit recht als konsument...wo bleiben unsere politiker? hörte niemals ein aussagekräftiges statement zu diesen thema...na, irgendwo verständlich wenn man sich als politiker mehr darum kümmern muß nicht in der versenkung zu verschwinden...hat man für solche nebensächlichkeiten keine zeit. und sie selbst wahrscheinlich einen vorkoster was sich kreti+pleti nicht leisten können

$hitstorm
00
13.12.2011, 15:57
Was pfeift am besten von dem gefälschten Essen?

Ist das psychedelisch oder eher auf "Geschwindigkeit"?

Hat da schon wer Erfahrungen gesammelt?

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
03
13.12.2011, 14:57

Auch wenn es kein organisiertes verbrechen sein mag:
Bei uns ist die AMA ein problem.
Alles was mit Gütezeichen und -siegel zu tun hat, sollte weg vom Landwirtschaftsministerium zum Ministerium für Konsumentenschutz.

Wenn der Bauernbund sich selbst kontrolliert, kann das kein Qualitätsmerkmal sein.

Christian Peter1
 
10
13.12.2011, 13:41
Tendenzieller Artikel für Unwissende

Bio - Waren (Obst und Gemüse) werden regelmäßig von unabhängigen Labors auf Rückständen von Pflanzenschutzmitteln getestet und schneiden dabei im Vergleich zu konventioneller Ware stets mit Bestnoten ab (97 % der Bio - Waren sind seriös).

Diese gefälschten Waren wurden zu 90 % in Italien verkauft, nur 10 % davon gelangten in den Export.

Italien ist Spitzenreiter Europas im Öko - Anbau.
Das ist durchaus positiv. Vor allem Bio - Tomaten kommen meist aus Italien.

Wegen einer solchen Sache eine ganze Branche schlecht zu machen, ist idiotisch.

regenfeldbau
00
13.12.2011, 18:13
Wir warten auf Daten aus Italien

steht da oben, d.h. wir sind gar nicht in der Lage, den Schwindel selbst aufzuklären...

luis trew
13
13.12.2011, 11:22
Gibt es Lehren aus dem Skandal?

1) Lebensmittelskandale betreffen immer wieder Italien.
Konsequenz: keine (Bio)lebensmittel mehr aus Italien!

2) Unabhängige Prüfer (wie VKI, AK) gehören finanziell aufgerüstet. Nur sie gewährleisten eine objektive Kontrolle.

3) Supermarktbetreiber (egal ob Spar, Billa, Hofer u.a.) müssen Verantwortung (und Kosten)übernehmen und ihre eigenen Bioprodukte strenger überprüfen.

Soviel zur Theorie. In 3 jahren lesen wir vom nächsten Skandal. Garantiert!

Dr Maier
00
13.12.2011, 10:24

Ich kaufe lokal bei meinen Biobauern. Ist zwar etwas teurer, aber schmeckt umso besser: Milch, Brot, Äpfel, Gemüse.

jumpingjack flash
00
14.12.2011, 16:03

nur handeln sie da wie viele die woanders kaufen - im glauben, im guten glauben bzw. m.m. nach leichtgläubig.
wenn sich ihr bauer das zeug wo anders beschafft und ihnen als bio andreht merken sie nix.

regenfeldbau
01
13.12.2011, 18:11
Ich kaufe KEIN BIO

entweder aus dem eigenen Garten oder Normalware vom Geschäft. Für den neuesten Bioschmäh gab ich kein Geld aus.

andkos
22
13.12.2011, 10:42
hmm

ich kaufe lokal bei meinem bauern, der sich nicht als biobauer bezeichnet (er hält die zertifizierung für blödsinn und verkauft selber lokal)

Ernährunshelfer
00
13.12.2011, 10:24

Ich sags ja immer wieder bei dem Thema. In Zeiten wo Betrug, Ausbeutung und bewusste Falschinformation an jeder Ecke lauern, ist auch der BIO-Schmäh nichts anderes. Nur klingt es halt gut, bringt mehr Profit und die Masse der Menschen glaubts auch noch. Ein Skandal nach dem anderen kann die eingeschfleischten BIO-Freaks nicht erschüttern. Und nun, ich warte auf rote Stricherl.

Die Wahrheit hört halt niemand gern.

Pierre d´Aubusson
22
13.12.2011, 10:04
Schluß mit dem Bio-Unfug!

Ursprünglich sollte mittels Bio-Produktion eine Landwirtschft gefördert werden, die den Boden schont und für weniger Rückstände in Lebensmitteln sorgt. Und das wurde beworben, weil man davon ausging, daß solche Produkte vielleicht optisch nicht ganz mithalten könnten. Aber dafür waren sie eben Bio.
Und dann hat man festgestellt, daß sich auch mit Bio-Produktion gleiche Qualität herstellen läßt, daß sich durch durchdachte Fruchtfolge, Vorhandensein von Dünger aus der Viehhaltung und/oder Fahrgassenbegrünung/Untersaat mit Schmetterlingsblütlern Stickstoffüberschuß erzielt werden kann.
Das wird ohnehin gefördert, ein höherer Preis ist daher nicht gerechtfertigt. Schluß damit!

Easy Rawlins
00
13.12.2011, 10:18

Ja, aber so lange Leute bereit sind, einen Premiumpreis dafür zu zahlen, weil sie glauben damit sich und anderen Gutes zu tun (unabhängig, ob dieser Glaube zuRecht besteht), wird es "Bio" als Marketinginstrument auch geben. Und genau diese Bereitschaft einen höheren Preis zu zahlen, lockt ja dann auch die Fälscher.

regenfeldbau
10
13.12.2011, 18:09
Und wer es kauft bzw. zahlt, ist selbst schuld.

Ich wäre neugierig, ob die Verkäufer diese Ware nicht besonders billig einkaufen konnten??? Wer prüft das ?

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
12
13.12.2011, 09:59
Warum wundert mich das nicht?

Bioprodukte sind ja kaum von schlechteren konventionellen Produkten zu unterscheiden: Leicht verschrumpelte Aepfel etwas lassen sich so teurer verkaufen.
Auch sonst enthalten Bioprodukte nicht mehr Naehrstoffe. Mithilfe eines Labors koennte man Bioprodukte hoechstens aufgrund von erhoehten Rueckstaenden an Kolibakterien (von der naturnahen Guelleduengung) identifizieren.

Pierre d´Aubusson
00
13.12.2011, 14:54

Gülle alleine macht noch kein Bio. Sie muß vom eigenen Hof sein!

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
00
14.12.2011, 13:46
Selbstproduziert, die Guelle..

Wieder ein Argument gegen Biogemuese...

jumpingjack flash
00
14.12.2011, 16:02
:-)

was sollen wir mit der ganzen bauernsch.... denn machen? als sondermüll entsorgen?

Roter Baron
00
13.12.2011, 09:58
>Die Banden sind weltweit aktiv, oft arbeiten mehrere Gruppen zusammen.<

wer jetzt ?
die sonst ausschließlich seriösen und verantwortungsvollen unternehmer,
die sich bloß in der etikettierung geirrt haben ?

roter baron

der - die - oder das?
00
13.12.2011, 09:52
Lebensmittelfälschungen - nichts neues

Selbst die alten Römer haben schon Lebensmittel verfälscht. Sie waren es die damit begannen, ungenießbaren Wein mit giftigem Bleizucker (Bleiacetat) trinkbar zu machen. Die Praxis hielt sich bis ins 19. Jahrhundert. Ebenfalls in 19. Jhdt. erschienen dicke Wälzer, die den Hausfrauen Hilfe beim Erkennen von Lebensmittelfälschungen geben sollten. Auch damals schreckte man vor nichts zurück. Selbst "Milch" wurde künstlich hergestellt.
Eigentlich geht es uns heute viel besser, da die Kontrollmöglichkeiten besser sind.
So kommt es schon mal heraus, dass ein extrem teurer Balsamico-Essig statt nur aus Trauben- auch teilweise aus Zuckerrübenessig hergestellt wurde. Als Verbraucher hat man da aber schlechte Karten. Wem steht schon ein Chemielabor

mike sierra
00
13.12.2011, 10:12

"mit giftigem Bleizucker trinkbar machen"
ist aber ein Widerspruch in sich.

Gemeint war wohl: "... besser schmecken zu lassen"

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