Studiengebühren

Die erste Reichensteuer

Kommentar | Nina Weißensteiner, 12. Dezember 2011, 18:19

Eine Gerechtigkeitsdebatte zu den wieder anstehenden Gebühren sich das Land sparen, denn in der Regel sind es ohnehin wohlhabende Eltern, die Uni-Beiträge sponsern

Lange sträubten und stemmten sich die Sozialdemokraten gegen die Wiedereinführung der Studiengebühren, doch angesichts des unerlässlichen Spardrucks möchte so mancher Genosse nun sogar Uni-Abbrechern an den Zaster. Drohen angesichts der neuerlichen Uni-Beiträge die Hochschulen endgültig zu einem Hort der Bessergestellten zu verkommen? Nein. Denn das sind sie schon.

Einst trat der rote Sonnenkönig Bruno Kreisky für den freien Hochschulzugang für alle ein, doch sämtliche Absolventenstudien zeigen bis heute leider das alte Bild: dass hierzulande vor allem der Nachwuchs aus gutem Haus an die Unis drängt, die Nachkommen von Arbeitern machen dort nur eine kleine Schar aus. Nicht zuletzt dank eines hochselektiven Schulsystems, das schon zehnjährige Kinder in Bessere und Schlechtere einteilt, wohlwissend, dass die Knirpse in Hietzing meist mehr gefordert und gefördert werden als ihre Altersgenossen in Simmering.

Eine erzürnte Gerechtigkeitsdebatte zu den wieder anstehenden Gebühren ab 18 kann sich das Land also gleich mitersparen, denn in der Regel sind es ohnehin die wohlhabenden Eltern, die ihren Magistern und Doktoren in spe die Uni-Beiträge sponsern werden. Für alle anderen gibt es wohl weiterhin Studienbeihilfen. Entscheidet sich die Koalition für ein Rückzahlungsmodell, trifft es freilich die aussichtsreichen Jungakademiker persönlich. Aber so oder so: Damit hat die SPÖ bald ihre erste Reichensteuer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 145
1 2 3 4
Martin Ruedisser
00
erschreckend

ist, dass in diesem Artikel gleich einige inzwischen langweilige und überflüssige Gemeinplätze plattgetreten wurden, die ausserdem so schon des öfteren widerlegt wurden. Die Selektion nach der Volksschule hat zum größten Teil in den jeweiligen Elternhäusern der Kinder stattgefunden. Die zum Teil unglaublichen Entwicklungsunterschiede, mit denen sich Kindergarten und Schule konfrontiert sehen, sind auch in einem maximal bemühten Bildungssystem oft nicht mehr auszugleichen. Die "ohnehin wohlhabenden Eltern", so wie wir, haben viele Jahre auf vieles verzichtet, damit unsere Kinder ein Studium machen können. Der Artikel ist dumm, zynisch und passt eher zu "Bild" als zum Standard. Lasst die Frau Jornalii schtudieren, dass was aus ihr wird.

thinkonyourfeet
00
14.12.2011, 21:37
Die Studierenden aus den unteren Schichten waren immer bevorzugt.

Ich war so ein Student, der immer die höchste Studienbeihilfe bezogen hat. Meine Studienkollegen mussten arbeiten, ich nicht. Die Kollegen aus sogenannten bessergestellten Familien waren arm dran, vergleichsweise. Ich habe mir sogar noch was ersparen können von der Beihilfe. Habe zwei Studien in Minimalzeit absolviert, und das war nur möglich, weil meine Eltern nichts gehabt haben...

x aeins
00
21.12.2011, 10:46

Für Zweitstudium gibts aber keine Studienbeihilfe. Von dieser Ungenauigkeit abgesehen wärst du eh der ideale "Unterschicht-Student" im Sinn der ÖVP: kurz studieren und möglichst gleich wieder hackeln!

BoP
00
14.12.2011, 13:22
"die Nachkommen von Arbeitern machen dort nur eine kleine Schar aus"

40,9% der StudienanfängerInnen im WS 2008/09 kommen aus maturalosem Elternhaus, 27% aus einem Elternhaus mit mindestens 1 Hochschulabschluss.

Die Studierenden aus der niedrigen und mittleren sozialen Schicht sind an Hochschulen ca. gleich viele wie jene aus gehobener und hoher Schicht.

http://ww2.sozialerhebung.at/Ergebniss... ersion.pdf

Seiten 55 & 71

Stuff
01
13.12.2011, 19:44
Proloanbiederungsprosa!

Floaschkas
04
13.12.2011, 18:57
zynisch und verlogen - derStandard soll sich schämen

wieviele sich mit Ferien- und Studentenjobs das Studium ermöglichen, wieviele Familien ziemlich belastet sind, weil das Einkommen grad ein bißerl zu viel ist für die niedrigen Stipendien-Grenzen.... na, na, danach zu fragen, dazu sind wir uns zu gut.

lieber a bißerl billig Emotionen in der Bevölkerung ausschlachten.

mind map
05
13.12.2011, 18:04
Krone-Niveau

Ich will gar nicht auf alle Blödheiten in diesem entbehrlichen Kommentar eingehen. Der Höhepunkt des geistlosen Zynismus versteck sich ohnehin in den letzten Sätzen: "Entscheidet sich die Koalition für ein Rückzahlungsmodell, trifft es freilich die aussichtsreichen Jungakademiker persönlich. Aber so oder so: Damit hat die SPÖ bald ihre erste Reichensteuer."

Jetzt sind also schon die Jungakadmiker Teil "der Reichen"? Jene, von denen siche ein nicht unbeträchtlicher Teil jahrlang durchs Prekariat müht. Frau Weißensteiner, das ist Krone-Niveau.

Isegrim1
01
13.12.2011, 17:47
Forderung udn Förderung ist Eltern- und Eigenpflicht

Ich komme aus einer Arbeiterfamilie bin Student (Jus) und hab bald den Abschluss. Warum soll das Schulsystem selektiv sein?
Wer etwas will muss es sich selbst erarbeiten, das gitl auf der Schule genauso wie auf der Uni und das "reiche Studentenkind" wird deswegen auch nicht durchkommen, weil es reich ist, es kann sich halt nur leisten länger vllt zu studieren.
Außerdem warum muss ein Studium die ultima ratio sein? Wahrscheinlich verdient jeder Meister (durch Lehre) mehr als 90% der Geisteswissenschaftler der neuen Generation.

susi strolcher
00
14.12.2011, 16:52
wenn das einkommen ihr einziges kriterium ist

um über den erfolg eines studiums zu entscheiden, tun sie mir leid. die bemerkung "jus student...eh klar" spar ich mir jetzt...bzw, hab ich sie mir jetzt gerade gegönnt. ein studium ist nicht in erster linie ein gesellschaftliches aufstiegsmittel, sondern sollte auch ein "selbstzweck" sein dürfen. das gerede von den orchideenstudien, die sich bald nur mehr reiche als hobby leisten sollen,nervt überhaupt. die gesellschaft profitiert davon, wenn leute aus allen schichten eine geisteswissenschaftliche oder künstlerische bildung bekommen.

Isegrim1
00
14.12.2011, 19:07

Das Einkommen (bzw. die Steuern die dadurch lukriert werden) sind ja auch die einzigen Kritierien für die "absolute Zugansfreiheit" Befürworter.
Ich hab ja nicht gesagt, dass Einkommen oder Vermögen entscheidend für den Abschlus sind, sondern nur dass der Vermögende einen "längeren Atem" bei Studienzeit hat.

Stenders
12
13.12.2011, 18:31

"Forderung und Förderung ist Eltern- und Eigenpflicht"

Und was können Kinder dafür, wenn sie in eine Familie hineingeboren werden, die dieser Pflicht weniger nachkommt oder nachkommen kann als eine andere? Wie sollen diese Kinder ihre Eigenpflicht entwickeln/kultivieren, wenn die Eltern eine Entwicklung in diese Richtung nicht einmal im Ansatz ermöglichen können?
Eine Arbeiterfamilie die jeden Cent 2x umdrehen muss und ganz andere Sorgen hat, wird sich nicht um "klassische Bildung" ihrer Sprösslinge kümmern können.

Ausnahmen gibt's immer.

Studium muss nicht ultima ratio sein, sondern (realistische) Möglichkeit!

Und alle (verdeckten) Mechanismen die Kinder dieser Möglichkeit berauben, gehören offengelegt!

lagrangian
00
14.12.2011, 14:43

diese arbeiterfamilien gibt es schon lange nicht mehr. arbeiterfamilien können sich auch ein studierendes kind leisten, familien, die dies nicht können, sind auch keine arbeiterfamilien.

Isegrim1
00
14.12.2011, 14:40

Das Leben ist halt nicht gerecht man kann nur schauen was man aus seiner Lage macht.

montagmorgen
03
13.12.2011, 17:17
ist KEINE Reichensteuer

sondern trifft in erser Linie den (unteren) Mittelstand. Die "Reichen" wirds nicht kratzen, für die sind das Peanuts, aber uns "Normalverdiener" tuts weh. Ein studierendes Kind kostet so schon schnell ein paar hundert Euro im Monat. Allein für ein Zimmer in einem Studentenheim/WG sind mind. 250,- fällig. Das mit den Stipendien ist auch eine Lüge: Gibt es nur, wenn die Eltern wirklich nix verdienen oder Bauern oder Selbständige sind u. ihr Einkommen entsprechend "darstellen" können.

Isegrim1
30
13.12.2011, 17:48

Warum bleibt dann das Kind nicht zu Hause und studiert dort, kommt billiger.

x aeins
01
13.12.2011, 17:59

denn Wien ist nicht nur der Mittelpunkt der Erdoberfläche, außerhalb von Wien wohnt auch niemand

mind map
00
13.12.2011, 17:56

Vielleicht weil nicht jeder einen Wohnsitz im 50 km Umkreis eines Unistandortes hat?

Isegrim1
00
13.12.2011, 21:29

Also wenn ich mir so die Verteilung von FHs und Uni ansehe ist sie schon gut gedeckt (natürlich gibt es auch Härtefälle, geb ich zu).

Protagoras v. Abdera
02
13.12.2011, 17:14
Zynischer Kommentar, und nicht zum ersten Mal

Denn damit das bis in alle Ewigkeit so bleibt, dass vorwiegend Kinder aus bildungsnahen Schichten studieren, wird noch einmal eine Gebühr als zusätzliche Hürde zu denen des Schulssystems dazugelegt (ob hinterher oder während des Studiums gezahlt wird, ist unerheblich, der Abschreckungseffekt ist derselbe). Mitnichten wird die soziale Schieflage durch das Stipendiensystem ausgeglichen, das viel zu wenige Mittel umwälzt und die durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten pro Semester nicht im geringsten deckt. Besonders zynisch und infam also, das als Schritt in ein gerechtes Studienwesen zu verkaufen. Konsequenterweise sind es auch nicht die Kinder aus bildungsfernen Haushalten, die sich die Hände reiben werden, sondern die Rektoren.

Gobi Todic
00
13.12.2011, 17:10
Titel: Erste Reichensteuer

Ein guter Artikel hätte folgende Fakten enthalten:

1. Durchschnittsvermögen der Studierenden
2. Jahreseinkommen Brutto der Studenten
3. Immobilienbesitz der Studenten
4. Kest Erträge von Studenten
5. Studenten mit Stiftungsvermögen

Was, Studenten sind meistens gar nicht reich?

Na sowas!

running gnu
00
13.12.2011, 16:56

Wenn jemanden Bildung etwas wert ist, ist er auch bereit dafür zu bezahlen! Für jede beruflich höher Schule muss man unmengen von Geld ausgeben ( zb. Hotelfachschule ) und da regt sich auch niemand darüber auf! Und Ihr kommt daher, und seit nicht bereit für euer Studium zu bezahlen?? Find ich eine absolute Frechheit! Um nicht zu sagen Sozialschmarotzer!! Anstatt auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren könnt Ihr ja neben dem Studium arbeiten gehen um euch dieses zu finanzieren!!

Der Steiner
00
14.12.2011, 10:26

Seit wann kostet eine höhere Schule etwas? Htl, Hak, Gym, Hlw, Bakip sind alle gratis.

Protagoras v. Abdera
00
13.12.2011, 17:17
Genau das macht die Mehrheit der Studierenden auch, randalierendes gnu

Arbeiten um zu studieren. In Zukunft werden die aus einkommensschwachen Familien noch mehr arbeiten, um studieren zu können, weil sie die Gebühr berappen müssen, daher länger studieren und insgesamt wesentlich mehr vom Staat herangezogen als Kinder aus jenen Familien, wo Papa/Mama/Opa/Oma das Studium finnazieren können.

running gnu
00
13.12.2011, 17:40

Kinder aus Einkommensschwachen Familien sollten ohnehin mit Stipendien bzw. Studienbeihilfen unter die Arme gegriffen werden, bzw. das Konzept mit den Zinsfreien Krediten finde ich eine gute Lösen! Jedoch sind es zum Großteil Studierende aus Wohlhabenden Familien die Protestieren!

montagmorgen
00
13.12.2011, 17:48

nach den Studienbeihilfen-Kriterien sind 90% aller unselbständig Erwerbstätigen "wohlhabend". Nicht-wohlhabend sind nur echte Hungerleider oder Bauern/Selbständige, die ihr Einkommen entsprechend "darstellen" können.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 145
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.