Eine Gerechtigkeitsdebatte zu den wieder anstehenden Gebühren sich das Land sparen, denn in der Regel sind es ohnehin wohlhabende Eltern, die Uni-Beiträge sponsern
Lange sträubten und stemmten sich die Sozialdemokraten gegen die Wiedereinführung der Studiengebühren, doch angesichts des unerlässlichen Spardrucks möchte so mancher Genosse nun sogar Uni-Abbrechern an den Zaster. Drohen angesichts der neuerlichen Uni-Beiträge die Hochschulen endgültig zu einem Hort der Bessergestellten zu verkommen? Nein. Denn das sind sie schon.
Einst trat der rote Sonnenkönig Bruno Kreisky für den freien Hochschulzugang für alle ein, doch sämtliche Absolventenstudien zeigen bis heute leider das alte Bild: dass hierzulande vor allem der Nachwuchs aus gutem Haus an die Unis drängt, die Nachkommen von Arbeitern machen dort nur eine kleine Schar aus. Nicht zuletzt dank eines hochselektiven Schulsystems, das schon zehnjährige Kinder in Bessere und Schlechtere einteilt, wohlwissend, dass die Knirpse in Hietzing meist mehr gefordert und gefördert werden als ihre Altersgenossen in Simmering.
Eine erzürnte Gerechtigkeitsdebatte zu den wieder anstehenden Gebühren ab 18 kann sich das Land also gleich mitersparen, denn in der Regel sind es ohnehin die wohlhabenden Eltern, die ihren Magistern und Doktoren in spe die Uni-Beiträge sponsern werden. Für alle anderen gibt es wohl weiterhin Studienbeihilfen. Entscheidet sich die Koalition für ein Rückzahlungsmodell, trifft es freilich die aussichtsreichen Jungakademiker persönlich. Aber so oder so: Damit hat die SPÖ bald ihre erste Reichensteuer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.12.2011)