TV-Dokumentation

Ein adeliger Herr Karl

12. Dezember 2011, 18:19
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    foto: bundesarchiv

    Ernst Rüdiger Starhemberg

Heimwehrführer Ernst Rüdiger Starhemberg verhielt sich ziemlich rückgratlos gegenüber den Nationalsozialisten, fand die Wiener Historikerin Anna Maria Sigmund heraus

Wien - Der Name hat eine große Geschichte und fiel auch schon in terroristischem Zusammenhang: Einige Briefbomben von Franz Fuchs waren mit dem Spruch "Wir wehren uns!" versehen worden, und als Absender firmierte "Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg". Gemeint war damals der General während des Großen Türkenkrieges, der mithalf, Wien gegen die Türken zu verteidigen.

Einer seiner Nachfahren gleichen Vornamens machte 250 Jahre später in der Ersten Republik und im Austrofaschismus als Politiker und Heimwehrführer groß Karriere - und verhielt sich ziemlich rückgratlos gegenüber den Nationalsozialisten, wie die Wiener Historikerin Anna Maria Sigmund herausfand.

Bei ihren Recherchen für eine neue TV-Dokumentation über Ernst Rüdiger Starhemberg (1899-1956), die heute Dienstag in ORF 2 ausgestrahlt wird, entdeckte Sigmund in den National Archives in Washington nämlich einige erstaunliche Briefdokumente, die unter anderem eine Bekanntschaft mit Heinrich Himmler belegen sowie eine Annäherung an die Nazis im Jahr 1937. Zudem richtete Starhemberg nach dem "Anschluss" einen inbrünstigen Brief an Hitler, der mit "Mein Führer!" beginnt.

Dass Starhemberg, der von 1931 bis 1934 stellvertretender Vorsitzender der Christlich-Sozialen Partei und von 1934 bis 1936 Bundesführer der Vaterländischen Front und Vizekanzler war, schon früh Verehrung für Hitler zeigte, war bekannt: 1923 nahm er am Marsch zur Feldherrenhalle teil, dem Putschversuch der NSDAP.

Danach aber sei er "ein überzeugter Gegner Hitlers" geworden, heißt es in den meisten Darstellungen. Das ist freilich nur ein Teil der Wahrheit über den wankelmütigen Politiker. Denn 1930 etwa verhandelte er über ein Bündnis Heimwehr/NSDAP, das scheiterte, weil sich Starhemberg selbst die Führung anmaßte.

Nach seiner Entmachtung durch Schuschnigg 1936 übersiedelte Starhemberg in die Schweiz. Und von dort aus ließ er Beweise vorlegen, dass er schon "vor der Wiedervereinigung der Ostmark mit dem Reich nur in einem Bündnis mit dem Nationalsozialismus das Heil für Österreich erblickt hat." (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. Dezember 2011)


TV-Dokumentation
"Ernst Rüdiger Starhemberg - Faschist und Patriot", Dienstag, 13.12.2011, ORF2, 22.30 Uhr.
(Wiederholung am 14.12., 03.05 Uhr)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Der Chronist
01
15.12.2011, 13:42

Noch ein politischer Vorfahre, zu dem die ÖVP sich nicht bekennen will - wie sie auch Schuschnigg verleugnet, weil sich eben nur der Dollfuß als Aushängeschild ("Nazi-Opfer") eignet.

Es scheint so, als sei die Geschichtswissenschaft jetzt in großem Stil beim Austrofaschismus angekommen. Ich vermute, dass wir in den nächsten Jahren noch so Manches zu lesen bekommen werden, über die Wurzeln der ÖVP im Faschismus und ihre Affinität zum Rechtsradikalen.

denke
01
19.12.2011, 12:14

Ja, Willibald Brauneder hat mit seinem Dollfuß-Sager etwas erstaunliches zusammengebracht.
Ist es ihm doch tatsächlich gelungen, mit einem Satz einen alten Konflikt wieder anzuheizen.
Zweifellos eine gewaltige propagandistische Leistung.

hermannar
61
14.12.2011, 11:16

so ein blödsinn: starhermberg war nie stl. obmann der christlich-sozialen, er gründete im gegenteil sein eiene partei den heimatblock.
was er 1938 geschrieben hat ist eher unerheblich z dem was der heimatschuzu 1934-38 geleistet hat im kampf gegen die nazis, mit mehreren dutzenden toten..

Donauwelle
00
26.12.2011, 08:50

und ihr Geschichtsbild dürfte rotgefärbt sein, lieber Chronist

Der Chronist
00
15.12.2011, 13:44

Ihr Geschichtsbild ist eines ÖVP-lers würdig.

Ph Gudenus
00
13.12.2011, 22:25
Das Proletarische

Karl Prolo als Herr Karl hergerichtet. Das Halbstarke kommt heraus. Name überdeckt das Erscheinen nicht

Ph Gudenus
00
14.12.2011, 13:10
Also Graf ..., Haupt des fürstlcihen Hauses St..., der sein Prolo-

Äusseres nicht loswurde.

Immerhin besser als Edelmann durch und durch, dem man seine proletarische Herkunft nicht ansieht.

peter schlesinger
03
13.12.2011, 17:14
der Bildungsauftrag des ORF

nach 22 Uhr oder ab 3 Uhr früh.
lieber ORF bitte versucht einmal die diversen 'Musikantenstadeln' auf diese Zeiten umzustellen.

Robert Schein
00
13.12.2011, 14:55
und wen

überrascht das jetzt wirklich?

MeerSchweinderl
01
13.12.2011, 16:28

Naja, die ÖVPler sollten zumindest überrascht tun und rasch wieder auf den Dullfuß-Mord verweisen, um die Opferthese aufrechtzuerhalten.

x12r13
71
14.12.2011, 10:45
Sozengeschichte

Der Dollfuss war einer der wenigen der nachweislich gegen die Nationalsozialisten war. Im Gegensatz von den roten Brüdern, die mit fliegenden Fahnen ins braune Lager gewechselt haben. Aber wen interessieren heute schon historische Tatsachen :)

Donauwelle
00
26.12.2011, 08:52

x12r13

sehr richtig!!!!

Der Chronist
01
15.12.2011, 13:45

Auweh, schon wieder ein Revisionist.

Erfreulicherweise sagt uns die Wissenschaft anderes, was näher an der Wahrheit is

princeps legibus solutus
02
13.12.2011, 10:07

man darf auf die dokumentation gespannt sein.

starhemberg war in politischer hinsicht sicher keine sympathische figur, in historischer hinsicht ist er aber jedenfalls eine interessante persönlichkeit. wobei die angeblichen neuigkeiten, die hier vermeldet werden, gar so neu ja nicht sind.

Martin Demelmair
 
00
13.12.2011, 09:29
"Schade, dieser Junge war uns sehr dienlich:

dumm, frech, arrogant, provozierend [...]"

http://www.ooegeschichte.at/uploads/t... 7-0033.pdf

Ein Geheimnis war das zumindest ambivalente Verhältnis des Fürsten zum NS/führender NS zum Fürsten auch in den Jahren 1947 ff. nicht. Die Restitution fürstlichen Vermögens/Eigentums ging dennoch durch:

http://books.google.de/books?id=... rg&f=false

Weil: Rabulisten und Autoritaristen widerfährt in Österreich Recht.

Ph Gudenus
00
13.12.2011, 11:56
Fürst,

Keiner. Graf, ja! aber was kann mit einem Grafen anfangen? Zuviele des Guten!

Graf Gudenus

Martin Demelmair
 
00
13.12.2011, 14:00
"H.R. Fürst Starhemberg`sche Fam.Stiftung"

http://www.telefonabc.at/result.as... &did=0&cc=

"Der Fürst war schon beim Training dabei [...]"

http://www.nachrichten.at/sport/las... 100,210760
Franz Carl Heimito Ritter von Doderer: "Man fuchtelte mit Äußerlichkeiten gegeneinander. Das Führen von Adelstiteln wurde - ätsch! - verboten. [...]" Die angestrengten Versuche, Namenspartikel "weg[zu]hobeln" verraten den Spießer - wer es sich ostentaiv gefallen läßt, Prätention und Eitelkeit.

Ph Gudenus
00
13.12.2011, 15:04
Juristische Firma,

Old Nick
213
13.12.2011, 01:04
Adeliger Herkunft zu sein bedeutet eben nicht,

über Bildung, Charakter oder Menschlichkeit zu verfügen. So wie eine nicht-adelige Herkunft den Menschen auch nicht vom Besitz der genannten drei Eigenschaften ausschließt. Daher ist die Abschaffung des Adels die einzig richtige Konsequenz aus den Lehren der gesamten Menschheitsgeschichte. Ernst Rüdiger Starhemberg scheint mir darüberhinaus nicht nur charakterlos gewesen zu sein, sondern dazu noch ein pathologischer Wirrkopf.

Gute Miene
02
13.12.2011, 11:23
und ein Antisemit

Starhemberg 1930: „Nur wenn der Kopf dieses Asiaten in den Sand rollt, wird der Sieg unser sein.“
Gemeint war der Finanzstadtrat des Roten Wien, Hugo Breitner...

peter schlesinger
00
13.12.2011, 17:17
hat sich da etwas bis heute geändert?

Ph Gudenus
00
13.12.2011, 09:00
Erste zwei Sätze vollkommen richtig!

Abschaffung bzw. Aufhebung von ... beinhaltet Existenz. Was konnte bei pesron in question aufgehoben werden? Ausreise in der Schweiz? Das haben laufend viele getan!

Ph Gudenus
01
12.12.2011, 21:22
Leitvorfahre

Bei diesem Namen erwaetet man sich ..., nicht aber ein einen kräftigen Gefängniswärter gemeinen Standes! Um kurz zu bleiben.

meresi
00
13.12.2011, 09:10
die psychiatrie Dr.Gonzo's ist wieder

geöffnet...kostenlose führungen...

Ph Gudenus
00
13.12.2011, 12:02
offen legen,

nun jedermann kann alles so hinlegen! Wehe, wenn es nicht stimmt

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