15 Kandidaten stehen für die französische Präsidentschaftswahl in den Startblöcken
Mit Dominique de Villepin stehen jetzt 15 Kandidaten für die französische Präsidentschaftswahl in den Startblöcken, sechs zur Rechten, sechs zur Linken, drei in der Mitte. Diese Hochkonjunktur an Bewerbern offenbart gleichzeitig die Schwäche der beiden Spitzenkandidaten. Wir befinden uns nicht mehr im Jahr 2007, als mit Ségolène Royal und Sarkozy zwei starke Persönlichkeiten zum Duell antraten. Sarkozy nimmt niemand mehr seine Versprechen ab. Und auch der blasse Durchschnittsbürger François Hollande wirkt nicht staatsmännisch und hat sogar Probleme, sich parteiintern durchzusetzen.
Das erhöht die Chancen für Demagogen wie Marine Le Pen oder Jean-Luc Mélenchon. In der politischen Mitte verspürt François Bayrou Auftrieb: Er hatte die Staatsverschuldung schon 2007 zum Wahlkampfthema gemacht.
Die Europafrage könnte den Wahlausgang durchaus entscheiden: Sowohl Sarkozy als auch Hollande haben in ihrer Wählerschaft zahlreiche Euroskeptiker - sie müssen sich genau überlegen, ob sie für mehr Austerität oder mehr Ankurbelung eintreten. Die Franzosen wollen vor allem aus der Krise kommen und fragen sich, ob das mit mehr oder weniger Europa, mit Sparen oder Investitionen zu schaffen ist. Dabei vermitteln Sarkozy & Co nicht den Eindruck, sie wüssten einen Ausweg - noch haben die Franzosen das Gefühl, die Wahl des richtigen Kandidaten entspreche in etwa dem Ausfüllen des Lotteriescheins. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)