Wahlkampf im Zeichen von "Made in France"

12. Dezember 2011, 17:31
  • Zwei Konservative, die sich seit Jahren spinnefeind sind: Dominique de Villepin (links) will französischer Präsident werden und tritt im Frühjahr 2012 gegen Nicolas Sarkozy (rechts) an.

In Frankreich stehen die wichtigsten Kandidaten für die Präsidentenwahlen 2012 fest

Fast alle geben protektionistische Parolen aus und glauben, dadurch die Grande Nation aus der Eurokrise führen zu können.

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Geht es nach den Kandidaten für die französischen Präsidentenwahlen 2012, sollen es patriotische Weihnachten werden: "Kauft französisch!" , ruft François Bayrou von der Mittepartei Modem auf. Von "industriellem Patriotismus" spricht dann bei einem Fabrikbesuch auch der Sozialist François Hollande. Präsident Nicolas Sarkozy kontert heute, Dienstag, in den Werkshallen des Skiproduzenten Rossignol mit der Präsentation eines Labels für "garantiert französische Produktion" . Frankreichs Eltern wissen also, was sie ihren Sprösslingen unter den Christbaum legen sollen: Waren "Made in France" .

Seit dem Wochenende ist das Kandidaten-Dutzend voll: Hinter den beiden Spitzenreitern Sarkozy (in Umfragen bei 26 Prozent) und Hollande (31 Prozent) versucht Bayrou (13 Prozent) der Front-National-Chefin Marine Le Pen (13,5 Prozent) den dritten Platz streitig zu machen: Erst vor wenigen Tagen in den Ring gestiegen, legte er in Umfragen rasch sechs Prozentpunkte zu.

Und da Sarkozy sehr unpopulär bleibt und Hollande jedes Charisma abgeht, könnte ein "dritter Mann" den beiden Rechts- und Linkskandidaten wie schon im Jahr 2007 erneut gefährlich werden - zumal Bayrou am schnellsten auf die Eurokrise reagierte und die neueste Politmode des "acheter français" (französisch kaufen) lancierte.

Überraschung Villepin

Für den finalen Wahlausgang wohl unerheblich, aber zumindest strategisch interessant ist die am Sonntag verkündete Kandidatur von Dominique de Villepin, der von 2005 bis 2007 unter dem damaligen Präsidenten Jacques Chirac Regierungschef war. Im Zuge der Clearstream-Affäre musste er 2007 alle Hoffnung auf eine Präsidentschaftskandidatur aufgeben, doch 2012 will er es wieder wissen. Er sei überzeugt, dass die Wahl 2012 ein "Termin der Wahrheit, des Mutes und des Willens" sein werde, sagte der Gründer der Partei République Solidaire.

Die beiden Spitzenkandidaten Sarkozy und Hollande geben sich indes von Bayrou, Villepin & Co demonstrativ unbeeindruckt und übergehen sie ganz bewusst. Man tut so, als ob es andere Kandidaten gar nicht gäbe.

Hollande erklärte am Montag, er würde den in Brüssel gefundenen EU-Kompromiss "neu ausverhandeln" , wenn er erst einmal Präsident sei. Frankreichs Interessen müssten künftig besser geschützt werden - vor allem nachdem unter Sarkozy in Frankreich 400.000 Arbeitsplätze zerstört worden seien und das Handelsdefizit 75 Milliarden Euro erreicht habe.

Wie der Sozialist Hollande stoßen auch fast alle konservativen Rivalen Sarkozys ins gleiche Horn: zunächst Villepin; dann die Christdemokratin Christine Boutin sowie der Erz-Gaullist Nicolas Dupont-Aignan, der offen zu Protektionismus und "ökonomischem Patriotismus" aufruft.

Bloß der unbedeutende Zentrumskandidat Hervé Morin vertritt liberale Thesen - was ihm auch prompt den hämischen Spitznamen "Monsieur null Prozent" einbrachte. Der Kandidat der "Linksfront" , Jean-Luc Mélenchon und der chancenlose Linksnationalist Jean-Pierre Chevènement plädieren ihrerseits für ein großes Förderprogramm nationaler Prägung. Die von Sarkozy ausgehandelten Euro-Abkommen möchten sie am liebsten mit einer neuen Volksabstimmung in Frankreich zu Fall bringen.

Hürden für Kandidatur

Die Grünen-Kandidatin Eva Joly verzichtet auf jede Art "nationaler" Parolen; dafür machen sich einige Kommentatoren über den Akzent der gebürtigen Norwegerin lustig.

Wer von den Kandidaten dann tatsächlich zur Wahl antreten wird oder es überhaupt kann, ist noch offen: Voraussetzung dafür sind die Unterschriften von fünfhundert Bürgermeistern oder anderen gewählten Politikern. Sarkozy setzt dank seiner eng gewebten politischen Netze alle Hebel in Bewegung, damit seine internen Rivalen wie Villepin, Boutin oder gar Le Pen an dieser Wahlhürde scheitern. Auf diese Weise hofft er, den ersten Wahlgang doch noch als Erstplatzierter absolvieren zu können, was ihm einen Vorteil für die Stichwahl verschaffen könnte.

Vorläufig behält aber Hollande die Nase ganz klar vorn: Jüngsten Umfragen zufolge würde er die Präsidentschaftswahlen im nächsten Frühjahr mit 57 Prozent gegen Sarkozy (43 Prozent) gewinnen. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)

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10 Postings
Jülyet Ksantopulo
01
14.1.2012, 11:38

Nicht auszudenken, wenn ein deutscher/österreichischer Mittepolitiker (CDU? FDP? SPD? LIF? SPÖ?) die Parole 'Kauft deutsch' ausgäbe.

Da wäre der Aufschrei wieder groß - von Amerika bis Australien.

uruguay
 
01
23.12.2011, 18:55
Das französische parlament...

....ist eher ein Musiktheater...."Les Misèrables..."

Sahin's Zahnlücke
12
21.12.2011, 23:14
Ach deswegen die Genozid-Abstimmung im franz. Parlament...

derunbestechliche
00
23.12.2011, 10:35

Es ist und bleibt eine Vermutung. Auch wenn es so wäre, sollte es egal sein, da das Ergebnis zählt. Die Anerkennung des Völkermordes (der Türken verübt an die Armenier) durch die Franzosen ist wegweisend und ein Erfolg.

egal9
01
23.12.2011, 16:18

Hunderte Analphabeten tummeln sich hier.

Das französische Parlament (oder besser 10% von diesem) haben nicht den Völkermord an den Armeniern anerkannt, sondern dessen Leugnung verboten,

Es wurde damit unter anderem Verboten, dass wissenschaftliche Untersuchungen zu einem anderen Ergebnis als Völkermord kommen dürfen.

Ist es das, was man in Europa unter Freiheit versteht?

(Ich bin übrigens Deutscher ohne jeden Bezug zur Türkei)

Nicolas Castillo
00
13.12.2011, 10:38
hoffentlich steigt er nie in einem Sofitel ab ...

der_kleine_pariser
 
00
12.12.2011, 22:40

Wer kein Geld hat, kann nix kaufen.

El_l3astardo
12
12.12.2011, 20:03
find den...

sarkozy außenpolitisch eigentlich ganz oke

Vorpotsky
02
13.12.2011, 08:23
Genauso geht's mir!

Ich habe ihn drei Jahre lang für den fürchterlichsten aller Affen auf dem europäischen Parkett gehalten, aber in der Eurokrise hat er sich weit, weit besser präsentiert als alle Deutschen zusammen, von den Briten ganz zu schweigen!

Außerdem möcht ich auf folgenden Artikel verlinken:
http://www.zeit.de/2011/47/DOS-Sarkozy
... worin treffend steht: "Denn Sarkozy ist dann besonders gut, wenn er von Feinden umringt ist."

Ich glaub nicht, dass ein Hollande Frankreich besser führen würde als Sarko. Hollande ist ein typischer Vertreter der französischen Politikerkaste, hat die üblichen Schulen besucht, hat nie was anderes gemacht. Hollande ist ein freundlicher fünfzigjähriger "Laura Rudas"; ein Pseudosozialist.

Wilhelm Guschlbauer
00
10.1.2012, 11:57
Hollande ist zwar kein "Pseudo"-Sozialist,

aber es fehlt im Charisma. Sarkozy hat in der Innen- und Aussen-Politik total versagt. Auch wenn er schreit, "ich habe Angela überrumpelt!" ist das ein Käse. Da der Mini-Napoléon auf's Parlament pfeift - im Gegensatz zu Merkel, die immer das Parlament fragen muss - yuy er was ihm durch den Kopf geht. Wie die Aufwärmung der Tobin-Rax - gegen die er immer war. Nur jetzt ist das ein Schlager für ihn! EIn Fallott.

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