In Frankreich stehen die wichtigsten Kandidaten für die Präsidentenwahlen 2012 fest
Fast alle geben protektionistische Parolen
aus und glauben, dadurch die Grande Nation aus der Eurokrise führen zu
können.
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Geht es nach den Kandidaten für die französischen Präsidentenwahlen 2012, sollen es patriotische Weihnachten werden: "Kauft französisch!" , ruft François Bayrou von der Mittepartei Modem auf. Von "industriellem Patriotismus" spricht dann bei einem Fabrikbesuch auch der Sozialist François Hollande. Präsident Nicolas Sarkozy kontert heute, Dienstag, in den Werkshallen des Skiproduzenten Rossignol mit der Präsentation eines Labels für "garantiert französische Produktion" . Frankreichs Eltern wissen also, was sie ihren Sprösslingen unter den Christbaum legen sollen: Waren "Made in France" .
Seit dem Wochenende ist das Kandidaten-Dutzend voll: Hinter den beiden Spitzenreitern Sarkozy (in Umfragen bei 26 Prozent) und Hollande (31 Prozent) versucht Bayrou (13 Prozent) der Front-National-Chefin Marine Le Pen (13,5 Prozent) den dritten Platz streitig zu machen: Erst vor wenigen Tagen in den Ring gestiegen, legte er in Umfragen rasch sechs Prozentpunkte zu.
Und da Sarkozy sehr unpopulär bleibt und Hollande jedes Charisma abgeht, könnte ein "dritter Mann" den beiden Rechts- und Linkskandidaten wie schon im Jahr 2007 erneut gefährlich werden - zumal Bayrou am schnellsten auf die Eurokrise reagierte und die neueste Politmode des "acheter français" (französisch kaufen) lancierte.
Überraschung Villepin
Für den finalen Wahlausgang wohl unerheblich, aber zumindest strategisch interessant ist die am Sonntag verkündete Kandidatur von Dominique de Villepin, der von 2005 bis 2007 unter dem damaligen Präsidenten Jacques Chirac Regierungschef war. Im Zuge der Clearstream-Affäre musste er 2007 alle Hoffnung auf eine Präsidentschaftskandidatur aufgeben, doch 2012 will er es wieder wissen. Er sei überzeugt, dass die Wahl 2012 ein "Termin der Wahrheit, des Mutes und des Willens" sein werde, sagte der Gründer der Partei République Solidaire.
Die beiden Spitzenkandidaten Sarkozy und Hollande geben sich indes von Bayrou, Villepin & Co demonstrativ unbeeindruckt und übergehen sie ganz bewusst. Man tut so, als ob es andere Kandidaten gar nicht gäbe.
Hollande erklärte am Montag, er würde den in Brüssel gefundenen EU-Kompromiss "neu ausverhandeln" , wenn er erst einmal Präsident sei. Frankreichs Interessen müssten künftig besser geschützt werden - vor allem nachdem unter Sarkozy in Frankreich 400.000 Arbeitsplätze zerstört worden seien und das Handelsdefizit 75 Milliarden Euro erreicht habe.
Wie der Sozialist Hollande stoßen auch fast alle konservativen Rivalen Sarkozys ins gleiche Horn: zunächst Villepin; dann die Christdemokratin Christine Boutin sowie der Erz-Gaullist Nicolas Dupont-Aignan, der offen zu Protektionismus und "ökonomischem Patriotismus" aufruft.
Bloß der unbedeutende Zentrumskandidat Hervé Morin vertritt liberale Thesen - was ihm auch prompt den hämischen Spitznamen "Monsieur null Prozent" einbrachte. Der Kandidat der "Linksfront" , Jean-Luc Mélenchon und der chancenlose Linksnationalist Jean-Pierre Chevènement plädieren ihrerseits für ein großes Förderprogramm nationaler Prägung. Die von Sarkozy ausgehandelten Euro-Abkommen möchten sie am liebsten mit einer neuen Volksabstimmung in Frankreich zu Fall bringen.
Hürden für Kandidatur
Die Grünen-Kandidatin Eva Joly verzichtet auf jede Art "nationaler" Parolen; dafür machen sich einige Kommentatoren über den Akzent der gebürtigen Norwegerin lustig.
Wer von den Kandidaten dann tatsächlich zur Wahl antreten wird oder es überhaupt kann, ist noch offen: Voraussetzung dafür sind die Unterschriften von fünfhundert Bürgermeistern oder anderen gewählten Politikern. Sarkozy setzt dank seiner eng gewebten politischen Netze alle Hebel in Bewegung, damit seine internen Rivalen wie Villepin, Boutin oder gar Le Pen an dieser Wahlhürde scheitern. Auf diese Weise hofft er, den ersten Wahlgang doch noch als Erstplatzierter absolvieren zu können, was ihm einen Vorteil für die Stichwahl verschaffen könnte.
Vorläufig behält aber Hollande die Nase ganz klar vorn: Jüngsten Umfragen zufolge würde er die Präsidentschaftswahlen im nächsten Frühjahr mit 57 Prozent gegen Sarkozy (43 Prozent) gewinnen. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)