Verkehrsplanung

Zahl der Sicherheitsstollen für Lobautunnel wird halbiert

12. Dezember 2011, 17:05
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    foto: apa/dpa/bernd weißbrod

    Gefahr im Tunnel (Symbolbild): Während der ÖAMTC die geplante Stollenkürzung scharf kritisiert, ist die Asfinag überzeugt, dass der Lobau-Tunnel sicherheitstechnisch bestens ausgestattet sein werde.

ÖAMTC spricht von "unabschätzbarer Gefahrensituation", Asfinag von "reiner Komfortfrage"

Wien - 0,66 Tote pro Jahr statt 0,65: Der Unterschied in der Risikoanalyse im Zusammenhang mit dem geplanten Lobautunnel mag marginal sein. Für die Asfinag reicht er jedenfalls aus, jeden zweiten Sicherheitsstollen zu streichen (alle 500 anstelle alle 250 Meter). Nur 16 statt der ursprünglich 32 geplanten Stollen sollen gebaut werden.

Willy Matzke, ÖAMTC-Experte für Tunnelsicherheit, spricht von einer "Beruhigungspille" seitens der Asfinag. Es handle sich um einen Tunnel, der in dieser Form in Europa noch nie gebaut worden sei. Dementsprechend unabschätzbar sei die Gefahrensituation. Als Norm für Tunnelanlagen dieser Größe bezeichnet Matzke den Abstand von Rettungsstollen alle 250 Meter.

Auch die Bürgerinitiative Marchfeld - Groß Enzersdorf zweifelt an den statistischen Berechnungen in der Sicherheitsstudie: "Wenn bei einem Auffahrunfall im Tunnel ein Tanklaster in Brand gerät, macht es sicher ein großen Unterschied, ob man angesichts der Feuersbrunst im Tunnel 250 Meter zurücklaufen muss oder einen halben Kilometer", meint Sprecherin Margit Huber.

Laut EU-Recht zulässig

Sie erklärt, dass die gravierende Planungsänderung mit veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen - EU-Recht statt österreichischem Gesetz - zu tun habe. Gemäß dem europäischen Recht sei die Errichtung von Querstollen alle 500 Meter erlaubt. Die daraus entstandene Optik - Ausschöpfung der Möglichkeiten zulasten der Sicherheit - sei jedenfalls schief, meint Huber.

Dem kontert Asfinag-Sprecher Christian Honegger mit einem Vergleich: "Nehmen wir an, man werde durch die Bauordnung zur Errichtung eines roten Daches gezwungen. Ändert sich die Bebauungsbestimmung, und man kann doch die Farbe wählen, dann wird man das auch tun." So sei das auch beim Lobautunnel zu sehen, der mit seinem effizienten Rauchabzugssystem und einer zusätzlichen Fahrbahn (Pannenstreifen) sicherheitstechnisch bestens ausgestattet sein werde. Die Frage "Sicherheitsstollen alle 500 oder 250 Meter" sei demnach eine reine "Komfortfrage". (Carola Timmel, DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3
-Thoth-
00
22.12.2011, 08:37
Asfinag/Honegger - ein Trauerspiel

Der Vergleich mit der Dachfarbe am Ende des Artikels ist doch wohl ein trauriger Witz! Eine Farbwahl mit lebensentscheidenden Sicherheitsmaßnahmen zu vergleichen ist doch wohl ein Fehltritt sondergleichen. Hr. Honegger sollte in seiner Funktion als Pressesprecher umgehend zurücktreten! Und am Besten das Asfinag-Management gleich mit ihm ...

07578532075
02
16.12.2011, 22:05

Jede Meldung über Planungen beim Lobau-Tunnel haben für mich sowieso nur "Märchen-Charakter". Ich gehe davon aus, dass er nicht gebaut wird - einerseits sind mehr als nur "ein paar Grüne" dagegen, und andererseits haben wir ja sooo viel Geld dafür übrig, während sich z.B. die Leute im AKH stundenlang anstellen können. Und ein großes Sicherheitsrisiko wäre er sowieso, auch mit Ausstiegen alle 50 Meter.

Dr. Nick Rivieras
15
14.12.2011, 22:19
Es bleibt zu hoffen...

dass dieses unsinnige Bauwerk nie realisiert wird und die aktuelle Debatte ein letztes Aufbäumen einer aussterbenden Ideologie darstellt...

Biene85
73
13.12.2011, 17:08
Hochstraße

Ich weiß, dass ich sofort geteert und gefedert werde aber mir ist wirklich nicht klar, warum man so versessen auf einen irr langen Tunnel ist. Bei der Tangente durch den Prater ging es ja auch anders und das ist wohl nicht die schlechteste Lösung. Eine Brücke über die Donau hat zudem den Vorteil eines Anschlusses an das linke Donauufer Richtung Stadt. Was beim Öltanklager und diverser stinkender Gasleitungen so schützenswert an dem bereits seit langem versauten Bereich der Lobau so schützenswert sein soll, muss mir auch erst jemand erklären. Über einen Tunnel durch den nördlicheren Teil der Lobau kann man ja diskutieren. Umweltschutz ist notwendig aber Grenzen der Narretei muss es auch hier geben. Übrigens,die schlechteste Luft von Wien ist

07578532075
02
16.12.2011, 22:08

Die Prater-Hochstraße und das Tanklager Lobau wären heute sicher nicht mehr durchzubringen, und es bleibt zu hoffen, dass all dies noch in diesem Jahrhundert verschwindet und renaturiert wird.

Johannes Band
21
13.12.2011, 16:45

"Wenn bei einem Auffahrunfall im Tunnel ein Tanklaster in Brand gerät, macht es sicher ein großen Unterschied, ob man angesichts der Feuersbrunst im Tunnel 250 Meter zurücklaufen muss oder einen halben Kilometer", meint Sprecherin Margit Huber.

Also wenn ich bei einem Stollenabstand von 500m im Falle eines brennenden Tanklasters 500m zurückrennen muss, dann hab ich entweder riesiges Pech, oder den Darwin Award verdient, denn der Ausgang, der mir am nächsten ist, sollte eigentlich genau vor meiner Nase liegen...

Reblaus
00
14.12.2011, 09:12
Ja, und genau vor diesem Ausgang

steht der brennende Laster der gleich explodieren wird.
Krawumm. Eben Pech gehabt.

BraS
 
02
13.12.2011, 14:21
Hr. Matzke, ÖAMTC-Experte für Tunnelsicherheit ist lustig

Wenn er behauptet:
"Es handle sich um einen Tunnel, der in dieser Form in Europa noch nie gebaut worden sei."

wie soll es dann eine Norm für diesen Tunnel geben?

"Als Norm für Tunnelanlagen dieser Größe bezeichnet Matzke den Abstand von Rettungsstollen alle 250 Meter."

Fällt dieser Widerspruch beim Standard niemand auf?

SagServus
00
14.12.2011, 09:50

RVS, Straßentunnelsicherheitsgesetz, EU-Vorschriften...

Die ändern sich nämlich nicht nur weil der Tunnel auf Grund der Gegebenheiten eine besondere Bauweise aufweist.

Der Unkurze
00
13.12.2011, 14:37

Europa ist nicht die Welt ;)

werauchimmer1
 
02
13.12.2011, 13:02
der wird eh nicht mehr gebaut

Hotblack_Desiato
02
13.12.2011, 12:57
wieviel ist das jetzt in zahlen?

das es billiger ist, nur die hälfte der stollen zu machen, ist klar

das der sicherheitsgewinn mit der anzahl der stollen irgendwann nur noch marginal steigt, ebenfalls klar.

aber wieviel macht die änderung wirklich aus? spart man sich dadurch 5, 50 oder 500 millionen euro?

in zahlen bedeutet das 0,66 statt 0,65 tote pro jahr, das in 100 jahren betrieb einer mehr sterben würde. klingt nicht wirklich dramatisch.

in wiefern wurden zb erhöhtes verkehrsaufkommen in betracht gezogen, wenn das mit dem individualverkehr so weitergeht, kippt das irgendwann? wäre mit doppeltem verkehrsaufkommen die anzahl statistischer todesfälle bereits faktor 8 (bei 500m) statt 4 (bei 250m).

bitte um antworten

system1
01
13.12.2011, 13:12
wenn man bei solchen fragen

auf statistiken zurückgreift, ist man sowieso nicht mehr zu retten. denn mit einem einzigen großen unfall kann die statistik ums tausendfache geändert sein. was ist dann? im übrigen habe ich noch nie gesehen, wie 0,66 menschen sterben können..... es ist also immer 1 ganzer oder garkeiner. niemals 0,66. im casino kann ich auch nicht die zahlen 1-36 addieren, durch 36 dividieren und diese zahl kommt dann.

BraS
 
01
13.12.2011, 16:32
wenn man bei solchen fragen auf statistiken zurückgreift

auf was sonst soll man zurückgreifen, außer auf Statistiken?

100% Sicherheit gibts in der Technik einfach nicht.
Irgendein Restrisiko muss man also einkalkulieren - und das geht nur mittels wahrscheinlichkeitstheoretischer Ansätze, die auf Statisiken passieren.

Hotblack_Desiato
00
13.12.2011, 15:35
man kann schon auf statistiken zurückgreifen

aber man muss sich auch immer bewusst sein, das statistiken nur dann nutzen lassen, wenn auch sämtliche anderen annahmen korrekt sind. und dann kann noch immer ein zufall einen strich durch die rechnung machen.

was passiert, wenn das verkehrsaufkommen in 10 jahren 25% höher ist. dann stimmt der errechnete wert nicht mehr. und dann könnte der unterschied zwischen 250 und 500m abstand einen weitaus größeren unterschied ausmachen als 0,65 und 0,66.

Keyser
22
13.12.2011, 11:49
Sicherheit ist KEIN Komfort!

Wenn es mit dem Geld vorne und hinten nicht reicht, dann ist es natürlich eine ganz schlaue Idee, an der Sicherheit zu sparen. Wenn es dann zur Katastrophe käme ist es zu spät.

BraS
 
03
13.12.2011, 14:22

nun, die sicherste Variante ist, keinen Tunnel zu bauen

Franz A.
00
13.12.2011, 12:26
Kosten

Spannend auch die Frage, was es kosten wird, die Sicherheit in ein paar Jahren, oder nach dem naechsten "Tunnel-Inferno" nachzuruesten.

Irma la Douce
011
13.12.2011, 11:21
Es gibt viele Verkehrsprobleme in Wien, die

mit einem Bruchteil des Geldes gelöst werden könnten.

Wolfgang Lederbauer1
00
13.12.2011, 10:45
...Es handle sich um einen Tunnel, der in dieser Form in Europa noch nie gebaut worden sei. Dementsprechend unabschätzbar sei die Gefahrensituation...

Es gibt wesentlich bessere, billigere und sicherere Lösungen:

SFH-3536 Lückenschluß Umfahrung Wien, Querung Lobau, Neue Donau, Donau
ECOOO-TUNNEL – ECOOO-BRIDGE

http://so-for-humanity.com2000.at/index.php... 4288&page=

Wen interessiert das?

http://so-for-humanity.com2000.at

Andy Vanek
12
13.12.2011, 10:27
80-90% der Bevölkerung sind wohl gegen diesen Tunnel,...

...aber wieviele davon würden bei einer Brücke sofort "Hurra" schreien.... DAS macht mir Sorge!

DschiEm
12
13.12.2011, 11:11

Sie kennen aber viele Leute.....

verleih nix
21
13.12.2011, 10:48

naja, das tanklager lobau und der ölhafen sind nicht sooo schützenswert dass man sie unbedingt untertunnel müsste

Red Baron 1
00
13.12.2011, 12:30

Im Gespräch ist die Lobau seit Jahren wegen der Wiener Außenring Schnellstraße (S1), eines Teiles des Autobahnringes um Wien. Die südlich der Donau bereits bestehende S1 soll – mit einem Tunnel unter der Lobau – nach Norden verlängert werden.

Der geplante Lobautunnel ist umstritten. Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen kritisieren sie wegen der damit verbundenen Belastung des Nationalparks Donau-Auen und der angrenzenden Gemeinden. Der Tunnel würde als Teil der TEN-Strecke Nr. 25 stark frequentiert werden (bis zu 60.000 Fahrzeuge pro Tag). Die Tunnelentlüftung müsste über zwei Abluftbauwerke geschehen, die - insbesondere wenn sie ohne weitere Filterung blieben - das Naturschutzgebiet sowie die angrenzenden Gemeinden zu belasten drohe

Red Baron 1
00
13.12.2011, 12:53

2006 haben Umweltaktivisten sechs Wochen in der Lobau campiert, um gegen den Tunnel zu protestieren. Die Aktion wurde nach einem Abkommen mit der Stadt Wien beendet.

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