Vorweihnachtszeit gilt als besonders konflikthaft
Wien/Salzburg - Gerade in der Vorweihnachtszeit haben die Gewaltdelikte innerhalb der Familie in den vergangenen Jahren massiv zugenommen, während die allgemeine Kriminalität zurückging. 702 Fälle von häuslicher Gewalt wurden allein im Dezember 2010 österreichweit angezeigt. Um 53 Prozent mehr als im Dezember 2008, wie aus einer parlamentarischen Anfrage hervorgeht.
Die Adventszeit sei eine "besonders sensible Zeit für Familien", gibt Andrea Holz-Dahrenstaedt von der Salzburger Kinder und Jugendanwaltschaft (Kija) zu bedenken. Die hohen Erwartungen an das heile Bild der Familie könnten meist mit der Realität nicht mithalten, deshalb komme es leichter zur Eskalation. Gleichzeitig sei die Vorweihnachtszeit eine sehr konflikthafte Zeit, wenn es um die Besuchsregeln für geschiedene Eltern ginge, betont die Kinderanwältin.
Auch Stress und unerfüllte Erwartungen
Bei der Frauenhelpline, die auch an Feiertagen rund um die Uhr besetzt ist, häufen sich ebenso die Anrufe von Hilfesuchenden um die Weihnachtszeit. Aber nicht nur Betroffene von Gewalt rufen an, erklärt eine Mitarbeiterin, auch traurige, verzweifelte Frauen, die unter vorweihnachtlichem Stress und den unerfüllten Erwartungen leiden, suchen Hilfe.
Sowohl die Kija als auch die Frauenhelpline weisen aber darauf hin, dass das Bewusstsein zur Gewalt in der Familie gestiegen sei und sich deshalb mehr Menschen an Hilfestellen wenden oder Delikte zur Anzeige bringen. (ruep, DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)
Info:
Frauenhelpline: 0800/222 555