Die Sex-Schule, die es gar nicht gibt

12. Dezember 2011, 16:14
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Die Gruppe The Birdbase erfand die Gründung einer Liebesschule in Wien, um auf die Pensions­problematik aufmerksam zu machen

"Hauptfach Erotik", "Ansturm auf neue Sex-Schule" oder "An der Sex-Schule fürs Leben lernen". Egal ob Daily Mail, Huffington-Post, bild.de, Kurier, Datum oder News.at: Medien im In- und Ausland berichteten in den vergangenen Wochen von der Eröffnung der neuen Sex-Schule AISOS in Wien. In einer Aussendung teilte Schulleiterin Ylva-Maria Thompson am 28. November mit: "Ich bin unendlich stolz und glücklich, Ihnen die Eröffnung Europas erster Sex-Schule ankündigen zu dürfen." Die Aussendung wurde an zahlreiche Journalisten geschickt. "In nur wenigen Wochen, ab dem 14. Dezember, können Sie sich in Wien für ein Studium der 'angewandten Sexualität' einschreiben - der erste Kurs beginnt bereits am 8. Januar!", hieß es darin. "AISOS lehrt Sie bessere LiebhaberInnen zu sein. Geheimnisvolle Techniken, anatomische Besonderheiten, wesentliche Fähigkeiten - das sind unsere Disziplinen."

Doch nun stellt sich heraus: AISOS, die erste Sex-Schule Europas, gibt es in Wahrheit gar nicht. Es handelt sich um eine Aktion der Gruppe "The Birdbase", die es bereits mit einem Kafka-Buch voller Fehler in die Schlagzeilen geschafft hat. (derStandard.at berichtete)

Mit dem Kafka-Buch wollte The Birdbase auf das Problem der mangelhaften Bildung aufmerksam machen. "Mit der Sex-Schule sollte ein weiterer Bereich, der unsere Zukunft betrifft, thematisiert werden", erklärt Elisabeth S. von The Birdbase im Gespräch mit derStandard.at: "Die Unfähigkeit, ein langfristig funktionierendes Pensionssystem auf die Beine zu stellen."

Mit mehr Sex das Pensionssystem aufrecht erhalten

Warum eine Sexschule als Symbol für die Problematik des Pensionssystems herangezogen wird, erklärt Elisabeth S. folgendermaßen: "Wenn die Politik keine Lösung im Pensionsbereich schafft, müssen wir mehr Sex haben, um mehr Kinder zu haben, die das System aufrecht erhalten."

Die Schulleiterin Ylva-Maria Thompson, eine Schwedin, ist im richtigen Leben übrigens tatsächlich eine Sex-Expertin. Sie habe sich bereit erklärt, an der Aktion mitzumachen und stellte sich in den vergangenen Wochen für zahlreiche Interviews zur Verfügung.

Dass die Gruppe The Birdbase tatsächlich hinter der vermeintlichen Gründung der Sex-Schule steht, beweist der Vogel, der seit heute die AISOS-Website ziert. Er dient The Birdbase als Logo. 

Die Sex-Schule soll nicht die letzte Aktion von The Birdbase gewesen sein. (rwh, derStandard.at, 12.12.2011)

  • Die Sex-Schule ist ein Fake.
    foto: montage

    Die Sex-Schule ist ein Fake.

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