Kirchenprojekte gegen sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen

    12. Dezember 2011, 15:08
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    "Nähe und Distanz" heißt ein neues Präventionsprojekte der katholischen Kirche

    Innsbruck/Salzburg - Seit Anfang Juni dieses Jahres gibt es in der Erzdiözese Salzburg eine eigene "Servicestelle für Präventions- und Bildungsarbeit zum Schutz vor sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen". Salzburg sei damit neben der Diözese Innsbruck, die bereits im April eine eigene Stabsstelle zum "Kinder- und Jugendschutz" ins Leben gerufen hat, Vorreiter bei der Umsetzung der 2010 von der Bischofskonferenz verabschiedeten Rahmenordnung, sagt der Salzburger Generalvikar Hansjörg Hofer. Nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit nimmt die Salzburger Servicestelle 2012 die Arbeit auf.

    Der Beschluss der Bischofskonferenz war eine Reaktion auf die zahlreichen Missbrauchssfälle in der katholischen Kirche. In der Rahmenordnung wird nicht nur die "Sensibilisierung" für das Thema und die "Professionalisierung der mit den jungen Menschen arbeitenden Mitarbeitern" angeordnet, sondern auch "die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Stellen" ausdrücklich empfohlen.

    Nur ein Drittel mit pädagogischer Ausbildung

    Während in Innsbruck die Stabsstelle direkt bei der Diözese angesiedelt ist, hat die Erzdiözese Salzburg die Agenden der Katholischen Jungschar übertragen. Mit rund 7000 Mitgliedern sind in der Jungschar immerhin mehr als zehn Prozent aller Salzburger im Alter zwischen acht und 14 in der Jungschar organisiert. Ihnen sind mehr als 900 Gruppenleiter und -leiterinnen zugeteilt. Nur ein Drittel davon hat derzeit eine pädagogische Ausbildung.

    In Innsbruck leiten die Vorbeugeeinrichtung eine Psychotherapeutin und ein Therapeut. In Salzburg steht dem Leiter der Servicestelle, Jungschar-Geschäftsführer Wolfgang Hammerschmid-Rücker, ein Team von fünf Mitarbeitern zur Seite. Neben Psychologen, Theologen und Sozialpädagogen arbeitet auch Jugendstrafrichter Anton Meinhart mit.

    "Oberstes Ziel ist ein bestmöglicher Schutz aller Kinder und Jugendlichen, die den Mitarbeitern der Kirche anvertraut sind", sagt Generalvikar Hofer. Die Eltern müssten sich verlassen können, dass ihre Kinder "gut aufgehoben sind".

    Innerkirchliche Bildung

    Die Aktivitäten der Servicestelle in Salzburg und der Stabsstelle in Tirol sind ausschließlich für ein kircheninternes Publikum konzipiert. Das Motto der Salzburger lautet: "Nähe und Distanz". Den Kirchenmitarbeitern solle in Seminaren und Workshops erläutert werden, "wie gehen wir mit Nähe und Berührung um", erklärt Hammerschmid-Rücker. Ziel der Präventionsmaßnahmen seien auch "starke Kinder", die wüssten, sie dürfen sich wehren und gegebenenfalls auch Hilfe holen.

    Hammerschmid-Rücker legt Wert darauf, das Thema sexueller Missbrauch "nicht angstbesetzt" anzugehen. Man müsse nicht "auf Nähe verzichten", es solle "kein Misstrauen" geschürt werden. Eines ist für Salzburgs Jungschar-Chef zudem klar. Auch wenn man mit Prävention die Latte für potentielle Täter möglichst hoch legen wolle: "Es gibt keine Garantie."

    Für von Gewalt und sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen Betroffene stehen daher in Salzburg wie in Tirol - unabhängig von den Präventionseinrichtungen - weiterhin die jeweiligen Ombudsstellen zur Verfügung. (Verena Langegger, Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2011)

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      Die katholischen Kirche sendet nach den Missbrauchsskandalen der Vergangenheit reuige Signale: Eltern sollen wissen, dass ihren Kindern von Kirchenleuten nichts angetan wird.

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