Hafenblockade am Montag

Occupy Wall Street räumt die Bude auf

Hermann Sussitz, 12. Dezember 2011, 15:22
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    foto: standard/ruzicka

    Occupy Innsbruck wie es einmal war. Mittlerweile ist man vom Bozner Platz in den Waltherpark gesiedelt.

Die Protestbewegung hat viele Facetten. Sie kann ulkig, aber auch radikal sein. Am Montag wird von Los Angeles bis Seattle protestiert

Der Occupy-Bewegung mangelt es an nicht an Kreativität. Mittlerweile gibt es sie nicht nur in verschiedensten Ländern, sie setzt sich auch mit ihrem Thema, das Wirtschaftssystem gerechter zu machen, sehr unterschiedlich auseinander. So stößt sich die nicht ganz ernst gemeinte Occupy Northpole heiter daran, dass "der Weihnachtsmann 99 Prozent der Kekse kontrolliert, während die Elfen zu kurz kommen". Ernster gehen es zahlreiche Occupy-Bewegungen an, die am Montag Häfen an der US-amerikanischen Westküste lahmlegen wollen. Darunter auch den Port Los Angeles-Long Beach, der 40 Prozent der über den Seeweg in die USA kommenden Waren umschlägt.

"Das Ziel ist es, den Hafen durch Massenproteste außer Betrieb zu nehmen. Wir attackieren das eine Prozent an seinem Gewinnpfeiler", meinte Mike King, der für die an der Aktion beteiligte Occupy Oakland spricht. Andere Ziele sind Portland, Anchorage, Seattle, Tacoma und Houston. Dabei hofft man auf die Unterstützung von Lkw-Fahrern, die die Waren am Hafen abholen. Occupy will sich mit ihnen solidarisieren, da die auf eigene Rechnung fahrenden Trucker schlecht bezahlt werden und laut King "all das Schlechte in unserer Gesellschaft" ausbaden müssen.

Stärke ist Schwäche

Die größte Stärke der weltweiten Protestbewegung, die Individualität ihrer Protagonisten, ist aber auch ein Manko. So gibt es zwar Occupy-Bewegungen von New York bis Innsbruck, ihre Protestformen und ihre Agenda sind aber teils sehr unterschiedlich. Gemeinsame Klammer ist der Wunsch, das globale Wirtschaftssystem gerechter zu gestalten.

Dort wo die Bewegung am präsentesten ist, in den USA, erntet sie damit häufig Unverständnis. Zuspruch gibt es dafür zu weilen von unerwarteter Seite. Der Börsenhändler Kenneth Polcari beispielweise heißt den Wunsch nach progressiveren Steuern und fairen Gehaltsstrukturen gut. "Solange es friedlich bleibt, sonst zerstört man das alles", meinte er in einer Kurzdoku von Spiegel-TV. Darin meldete sich auch seine Kollegin Doreen Mogavero zu Wort, die versteht, dass "man gegen etwas demonstriert, was man nicht versteht". Im Grunde wisse doch niemand, wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht.

Starker Gegenwind in den USA

Aber auch der Gegenwind ist in den Staaten immens. Es sind nicht nur die Stadtverwaltungen von Los Angeles bis Boston, die ihre Polizei hart einschreiten lassen und zahlreiche Protestcamps auflösen. Auch die von der Finanzkrise nachhaltig verunsicherte amerikanische Mittelschicht muss man erst überzeugen. Da hilft es kaum, wenn der Sender "Fox News" hinter dem "linken" Hollywood die Saat für die Occupy Bewegung ortet. Letzter Anlassfall: Der neue Kinderfilm mit den Muppet-Helden Kermit und Miss Piggy.

Ein Geschäftsmann namens Tex Richman, der darin den Bösewicht mimt, ist für Eric Bolling, Moderator der Sendung "Follow the Money", so ein Affront gegen den "amerikanischen Traum", dass er darin "Gehirnwäsche für unsere Kinder" und kommunistische Umtriebe ortet. Der vom konservativen Sender zum Kinofilm befragte Medienexperte Dan Gainor gibt dann auch dem "liberalen" Filmgeschäft die Schuld an den Protesten gegen die Wall Street und Co. Das einzig Grüne an dem Film solle zudem der Frosch Kermit sein. Der Streifen startet am 19. Jänner 2012.

Occupy Innsbruck debattiert im Tipi

In Europa sind die Finanzweltkritiker weit weniger präsent. Meistens sind deren Initiativen nach kurzer Zeit verschwunden. In Österreich steht Occupy Innsbruck allein auf weiter Flur. Man hat viel Laufkundschaft, wirklich campiert wird nur von einem Dutzend Personen. Im Zentrum steht ein großes beheiztes Zelt, ein Tipi. Ein Aktivist hat es spendiert. „Es gibt sehr viele Dinge, die falsch gehen in der Welt und alles hängt am Geldsystem", so der Wiener zur "Tiroler Tageszeitung".

Aber auch dieses Camp dürfte ein Ablaufdatum haben. Der Grund ist weniger die Polizei, sondern der Winter. Immerhin ist in der Tiroler Landeshauptstadt schon Schnee gefallen. Standhaft sein will man zumindest bis Ende des Jahres. "Wir werden aber weiterhin für eine bessere Welt arbeiten", ist Daniel Baumgartner, der Pressesprecher der Protestierenden, überzeugt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine Geldreform und mehr direkte Demokratie gehören für die "99 Prozent" hier dazu.

Deutsche Sparkassen wollen Dialog

Im großen Nachbarland Deutschland ist die Occupy Bewegung natürlich großer. Das hat die Sparkassen dazu bewogen, zwischen den Protestierenden und der Finanzwelt zu vermitteln. Dieser Dialog findet auf einer Facebook-Seite statt. Da werden sowohl globale Fragen, wie beispielsweise jene nach Spekulationen auf Rohstoffe und Nahrungsmittel, debattiert, als auch die Machbarkeit von Regionalwährungen erörtert. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 12.12.11)

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tyrol_dude
11
13.12.2011, 17:09

das "bedingungslose grundeinkommen" und auch "die alternativlosigkeit zum finanzkapitalismus" sind nicht zu ende gedachte kampfargumente, die zur zeit sehr die politische debatte prägen.

interessanter wäre es doch, von einem neuen einkommensteuer- und kapitalertragssteuermodell mit negativprogression zu sprechen und von bedingungsloser sozialarbeit für top-manager und politiker im ausmaß von sagen wir 40h/ jahr, damit sie am boden bleiben. damit meine ich nicht, für licht ins dunkel zu telefonieren, sondern in der zeit wirklich an vorderster front zB in asyl- oder obdachlosenheimen tätig zu sein, damit sie die auswirkungen ihrer entscheidungen reflektieren.

Hanken
00
13.12.2011, 15:29
die amis sind immer voraus

http://www.livestream.com/occupynyc

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
10
13.12.2011, 14:16
Dass jemand mit dem Anspruch, an der Welt Veränderungen vorzunehmen,

eine urbane Gegend belagert, ist das letzte Mal im Mittelalter passiert. Dabei gings auch darum König zu werden.
Was wollen die Demonstranten eigentlich?
Wenn sie schon ein Programm haben und meinen, 99% stünden hinter ihnen, wieso gründen sie dann keine Partei? Angst vor der demokratischen Realität?

salgon
11
17.12.2011, 23:38

Von wegen kein Programm: http://www.freitag.de/politik/1... de-aufruhr

Es scheint eher so, als hätten sie in den Augen mancher ''zuviel'' an Programm.

NirvanArchie
00
dank

für den Link!

bAuminger
00
14.12.2011, 01:44
Vor dem, was hierzulande als demokratische Realität bezeichnet wird,

ist ja wirklich Angst zu haben!

bAuminger
10
13.12.2011, 12:57
Mut statt Wut!

Occupy Innsbruck wünscht sich mehr Beteiligung, ob zeltend oder nicht, ob vor Ort oder von zuhause aus.

Empört euch, engagiert euch, vernetzt euch mit uns! Nur gemeinsam können wir Großartiges schaffen. Und ein großer Wunsch besonders an alle diejenigen, die das was wir machen nicht gut finden: Macht's besser!

99prozent.info
http://www.facebook.com/Occupy.Innsbruck

dakakadu
00
13.12.2011, 10:04
musikvideo aus österreich passend zu occupy-thema

http://www.youtube.com/watch?v=_RsCPClAy-8

sanjoaquin
 
111
13.12.2011, 07:18
Kindergartenlogik

"die versteht, dass "man gegen etwas demonstriert, was man nicht versteht. Im Grunde wisse doch niemand, wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht." Zwar logisch falsch, aber die Kindergartendenkweise der Occupysten auf den Punkt gebracht. Jeder normal denkende Mensch macht sich zuerst schlau und geht dann demonstrieren.

bAuminger
00
13.12.2011, 12:52
Ich mach mich seit über 10 Jahren schlau zu diesen Themen..

Habe ich damit schon eine Berechtigung zum Demonstrieren?

sanjoaquin
 
00
13.12.2011, 13:31
Natürlich,

dann sind Sie ja geradezu die Stecknadel im Heuhaufen.

bAuminger
00
14.12.2011, 01:46
Das liegt weniger am vielen Heu

sondern eher an all den anderen Stecknadeln die zynisch und resigniert vor sich hin vegetieren.

Wachsender Widerstand
10
13.12.2011, 12:03
Ja eh,...

schlau machen wo?
beim Fernsehen? LACH
im Internet? bei all dem MÜLL muss man erst Qualitativ hochwertige Info finden.
bei "Volksvertretern" DOPPEL LACH

sanjoaquin
 
00
13.12.2011, 12:26
Sie plädieren

also in Anbetracht der für Sie zu komplizierten Informationslandschaft dafür, dass man grundsätzlich nach Gefühl demonstrieren sollte?

Prachtzwerg
00
13.12.2011, 10:05

und woher willst du wissen, dass die Wallstreet Schlau ist?

sanjoaquin
 
10
13.12.2011, 11:18
Es mag durchaus sein,

dass Sie eine Negativfixierung auf die Wallstreet haben, aber lernen Sie bitte zuerst einmal sinnerfassendes Lesen, dann studieren Sie etwas den Ellmayer und wenn Sie Basiswissen und -höflichkeit unter einen Hut gebracht haben, dann melden Sie sich wieder bei mir. Ja?

Peter Jan
00
13.12.2011, 11:06

Nicht füttern

NONE
22
12.12.2011, 23:57

Das Problem ist das man die Bewegung immer wieder als eine Bewegung von Personen ansieht, die demonstriert ohne Sinn und Zweck.

Der Sinn und Zweck sind aber Gesetzesänderungen.

Und diese sind ganz konkret.

Wann erfüllen Politiker diese Gesetze?

chiquadrat
01
12.12.2011, 19:43
wer räumt jetzt wo auf???

oder war doch "mischt die Bude auf" gemeint?

Linus Tintifax
00
12.12.2011, 19:32
motivationsproblem

ich vermisse ein wenig die direkte auseinandersetzung zum grundmotiv des kapitalismus (profitstreben) bzw. welche charaktereigenschaften er erfordert (egoismus, gier am besten zur zwangsneurose verquickt). einen gezämten kapitalismus (der ständig schneller wächsen muss) kann es auf dauer nicht neben der demokratie geben. ebenso wenig gerechtigkeit in einer welt, in der ersterer der zweiten den ton angibt. es wird zeit auf die bremse zu treten, bevor die zivilisation an der nächsten wand landet.

Oddo Wolf
10
12.12.2011, 21:40
Für die Kleinkapitalisten ca. 90% die Alternative zum Sparbuch und Vorsorge. Den typischen Feudal-Kapitalist 1Mio-1Mrd. ca. 9% treibt Profitgier, Blut der Macht geleckt. Der Globalplayer 1Mrd>1Bio1% giert nach grenzenloser Macht, Profit sekundär.

-
Der gezähmte Kapitalismus ist eine Erfindung um ihn demokratisch zu legitimieren, indem man den Geldfluß von arm nach reich in einer Mittelschicht aufstaut. Nicht nachhaltig, denn ein Großteil dieser Werte wird noch vor dem Ende eines Zinsgeldzyklus wieder vernichtet. Die Größten Verlierer der Subprimekrise waren nicht die Banken sondern die Hausbesitzer. Viele haben jahrelang pünktlich ihre Kreditraten bezahlt und trotzdem ihr Haus verloren. Sie werden von ihrer Bank aufgefordert die durch Preisverfall entstandene Differenz zwischen Hauswert und Restschuld kurzfristig auszugleichen. Können sie das nicht, ist das Haus weg. Oft müssen auch wesentlich höhere Zinsen akzeptiert werden, um das Risiko der Unterdeckung auszugleichen.

Zensur Du HXr!
010
12.12.2011, 17:46
NO : ID
 
00
12.12.2011, 20:08

...sehr interessant...

Kennmichaus
132
12.12.2011, 16:17

Schon lustig, dass es den Menschen nie passt....

Im Kommunizmus haben manche Menschen ihr einges Leben riskiert, um im Kapitalismus zu leben.

Jetzt riskieren manche Menschen das/den Leben(standard) anderer damit sie in ein sozialistisches System leben können. OK der Vergleich hinkt, immerhin hat noch keiner Versucht nach China zu fliehen... :-D

rizzla
13
13.12.2011, 01:08

1. Den 1% paßt es noch viel weniger, weswegen man die Polizei zum niedergeschlagen bzw. überwachen missbraucht.

2. Die Bewegung setzt sich FÜR den Lebensstandard aller Menschen ein, dass man sich nicht immer einig ist, liegt in der Natur einer breiten Maße.

3. Ich kenne bereits 5 Personen aus meinem Umfeld, die wegen einem Jobangebot nach China ausgewandert sind.

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