Oberösterreich setzt auf Peer-Strategie bei Integration - Die Schüler selbst sollen Ansprechpartner bei Problemen sein
Linz - Das Peers-Projekt "Interkulturelle Kompetenz" will an oberösterreichischen Schulen in Sachen Integration Motivation schaffen und Vorurteile abbauen - mit Gleichaltrigen als Ansprechpartnern. Derzeit werden 25 Jugendliche zu Peers ausgebildet. Drei von ihnen stellten mit Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und Jugendlandesrätin Doris Hummer (beide ÖVP) das laut eigenen Angaben österreichweit einzigartige Projekt in einer Pressekonferenz am Montag in Linz vor. Kurz kann sich vorstellen, es auch in anderen Bundesländern einzuführen.
Vorurteile aufbrechen
Integration sei ein junges Thema, so Kurz. Er selbst habe in seiner Schulzeit die Erfahrung gemacht, dass Gleichaltrige mehr bewirken können als Sozialarbeiter und Schulpsychologen. Die Sprache, den persönlichen Einsatz und gegenseitigen Respekt nannte der Staatssekretär als Voraussetzungen für Integration. Das Peers-Projekt diene dazu, Vorurteile aufzubrechen.
"In Oberösterreich leben aktuell 192.500 Menschen mit Migrationshintergrund", berichtete Hummer. Diese Vielfalt solle gewinnbringend eingesetzt werden, für die Menschen selbst und für das Land. 69 Prozent der 15- bis 18-Jährigen meinen laut einer Studie des österreichischen Integrationsfonds, dass die Integration sehr schlecht bis schlecht funktioniere. "Das ist eine erschreckende Zahl, die uns zum Handeln aufruft", so Hummer. Die Peers sollen vermitteln, "dass Weltoffenheit cool ist".
Handlungsbedarf
Diesen Handlungsbedarf sieht auch Alexander Reisinger von der Privat-HTL Traun, einer der anwesenden Peers. "In unserer Klasse gibt es zwei Gruppen, die kaum miteinander reden: Österreicher und Schüler aus anderen Ländern. Ich will das ändern", erklärte der 19-Jährige seine Motivation, an dem Projekt teilzunehmen. Es sei wichtig, Brücken aufzubrechen, sagte Deniz Topa, wie Bernadette Meszaros Peer an der HAK Traun. Sie wollen mit Informationen starten und vor allem als Ansprechpartner bei Problemen da sein.
Peerausbildung für 25 Jugendliche
Vorerst absolvieren 25 Jugendliche der 7. und 10. Schulstufe in den migrantenstarken Städten Linz, Traun und Wels die Ausbildung zum Peer mit unter anderem den Themen Kulturen, Religionen, Umgang mit Konflikten und Vorurteilen sowie Argumentationstraining gegen rassistische Sprüche. Je ein Schüler mit Migrationshintergrund und ein Österreicher bilden ein Gespann pro Schule. Der Peers-Turnus sei auf zwei Jahre angelegt, mit Begleitung durch das Jugendreferat, die Schulen und unter Einbindung der Eltern, erklärte der Leiter des Jugendreferates, Reinhard Anreiter.
Das Projekt werde parallel wissenschaftlich evaluiert, so Hummer. Ab Herbst kommenden Jahres sei die Ausbildung für 16 Gruppen zu je 16 Schülern geplant, dadurch erreiche man schon im persönlichen Kontakt der Peers in ihren Klassen über 5.000 Schüler mit wenigen Mitteln, rechnete die Landesrätin vor. In zwei Jahren sollen es 100 bis 200 Schulen sein. (APA)