Finnische Zeitung: Soll verhört werden - Estnische Staatsanwaltschaft bestätigt Rechtshilfe-Ersuchen
Helsinki - Der hochrangige estnische Ex-Geheimdienstmitarbeiter
Eerik-Niiles Kross wird von der russischen Justiz verdächtigt, der
Hauptverantwortliche für die Entführung des Frachters "Arctic Sea" im Sommer 2009 in der Ostsee gewesen zu
sein. Laut einem Bericht der finnischen Tageszeitung "Helsingin Sanomat" wurde
der Sohn des verstorbenen Schriftstellers Jaan Kross zu einem Verhör geladen.
Die Staatsanwaltschaft in Tallinn bestätigte ein entsprechendes
Rechtshilfe-Ansuchen Moskaus.
Kross war in Estland während der späten 1980er Jahren als antisowjetischer
und antirussischer Studentenführer bekanntgeworden. Er hatte nach der
Unabhängigkeit Estlands im Jahr 1991 eine zentrale Stelle im estnischen
Geheimdienst inne. Laut "Helsingin Sanomat" ist der 44-Jährige heute Chef einer
internationalen Beratungsfirma für Sicherheitsfragen in außereuropäischen
Ländern namens "Trustcorp". Er hat enge politische Kontakte sowohl zur den
estnischen Grünen, als deren Kandidat er sich bei den Parlamentswahlen im März
2011 bewarb, als auch zu den mitregierenden Nationalisten.
Die Hintergründe der mystischen Entführung der "Arctic Sea" Ende Juli 2009 vor der schwedischen Küste
sind bis heute ungeklärt. Gerüchteweise hatte das Schiff eine geheime Fracht von
chemischen oder nuklearen Waffenteilen an Bord. Kross war bereits während des
Prozesses gegen sechs mutmaßliche Entführer von einem der Angeklagten als
Auftraggeber der Kaperung genannt worden. Dieser wies damals die Anschuldigungen
als "absurd" zurück. (APA)