Entführung der "Arctic Sea"

Russische Justiz verdächtigt estnischen Ex-Spion

11. Dezember 2011, 19:45

Finnische Zeitung: Soll verhört werden - Estnische Staatsanwaltschaft bestätigt Rechtshilfe-Ersuchen

Helsinki - Der hochrangige estnische Ex-Geheimdienstmitarbeiter Eerik-Niiles Kross wird von der russischen Justiz verdächtigt, der Hauptverantwortliche für die Entführung des Frachters "Arctic Sea" im Sommer 2009 in der Ostsee gewesen zu sein. Laut einem Bericht der finnischen Tageszeitung "Helsingin Sanomat" wurde der Sohn des verstorbenen Schriftstellers Jaan Kross zu einem Verhör geladen. Die Staatsanwaltschaft in Tallinn bestätigte ein entsprechendes Rechtshilfe-Ansuchen Moskaus.

Kross war in Estland während der späten 1980er Jahren als antisowjetischer und antirussischer Studentenführer bekanntgeworden. Er hatte nach der Unabhängigkeit Estlands im Jahr 1991 eine zentrale Stelle im estnischen Geheimdienst inne. Laut "Helsingin Sanomat" ist der 44-Jährige heute Chef einer internationalen Beratungsfirma für Sicherheitsfragen in außereuropäischen Ländern namens "Trustcorp". Er hat enge politische Kontakte sowohl zur den estnischen Grünen, als deren Kandidat er sich bei den Parlamentswahlen im März 2011 bewarb, als auch zu den mitregierenden Nationalisten.

Die Hintergründe der mystischen Entführung der "Arctic Sea" Ende Juli 2009 vor der schwedischen Küste sind bis heute ungeklärt. Gerüchteweise hatte das Schiff eine geheime Fracht von chemischen oder nuklearen Waffenteilen an Bord. Kross war bereits während des Prozesses gegen sechs mutmaßliche Entführer von einem der Angeklagten als Auftraggeber der Kaperung genannt worden. Dieser wies damals die Anschuldigungen als "absurd" zurück. (APA)

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