Konferenz in Durban

Ein "historischer Beschluss" - für 2020

Martina Schwikowski aus Durban , 11. Dezember 2011, 18:52
  • Artikelbild
    foto: apa/afp/rajesh jantilal

    Applaus für die Konferenzpräsidentin Maite Nkoana-Mashabane. In der Verhandlungsverlängerung von 36 Stunden brachte sie die Teilnehmer zumindest auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner.

  • Artikelbild
    foto: reuters

    Letzte Beratungen zum Klimaschutzfahrplan. Links unten US-Verhandler Todd Stern und EU-Kommissarin Connie Hedegaard

  • Artikelbild
    foto: reuters

    Verhandelt wurde bei der Klimaschutzkonferenz in Durban bis zur totalen Erschöpfung.

Nach einer brachialen Verhandlung von 36 Stunden einigte sich die Klimakonferenz von Durban doch noch auf einen Fahrplan für ein internationales Abkommen. Dieses tritt allerdings erst 2020 in Kraft

Hier in Durban können wir gemeinsam Geschichte schreiben. Es ist Ihre Entscheidung, welche Art von Geschichte Sie schreiben wollen", hatte Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane ins Plenum gerufen, als die bisher längste internationale Klimaschutzkonferenz in Durban in der Nacht zum Sonntag immer noch zu scheitern drohte.

Dass die Konferenz von Durban überhaupt zu einem Beschluss kam, war vor allem das Verdienst zweier Frauen: Neben Nkoana-Mashabane war es EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard, die vehement für ein rechtlich bindendes Abkommen kämpfte.

Zu Beginn der Konferenz hatte noch kaum jemand einen Beschluss erwartet. Doch in den frühen Morgenstunden am Sonntag wurde dann doch ein Fahrplan verabschiedet - wenn auch ein schwacher: Bis zum Jahr 2015 soll ein verbindliches Abkommen zum Klimaschutz für alle Länder erarbeitet werden. Aber es tritt erst ab 2020 in Kraft. Diesen nur bedingten Fortschritt der zweiwöchigen Verhandlungen in Südafrika kritisieren Umweltschützer und Zivilorganisationen als Rückschlag und bittere Enttäuschung für die ärmeren Menschen in der Welt (siehe Reaktionen).

Die Verhandler waren am Freitag - dem offiziellen Ende der Konferenz - noch in Marathonsitzungen gegangen, die erst nach weiteren 36 Stunden endeten. Dabei kam ein Dokument heraus, das die Veranstalter als "historischen Durchbruch" bezeichnen, das im Prinzip aber wieder einmal eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt. Die größten CO2-Emittenten USA, Kanada, Russland sowie die Schwellenländer China und Indien haben sich durchgesetzt, indem sie verbindliche Zugeständnisse für effektiven Klimaschutz verzögerten.

Zwar gebe es mit dem verabschiedeten Fahrplan einen Hoffnungsschimmer, aber der Weg sei weit und der Teufel liege im Detail, erklärte die Hilfsorganisation Care. Der fehlende politische Wille und Sinn für Dringlichkeit durch den Klimawandel seien unentschuldbar.

Auf dem Tisch liegt nun ein Beschluss, der das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll auf fünf Jahre verlängert. Aber es bleibt offen, ob die zahlreichen Schlupflöcher, die bisher das Kioto-Protokoll abschwächten, künftig geschlossen werden sollen. Unklar blieb auch, wie ein neuer Weltklimavertrag gestaltet wird und wie die Rechtsverbindlichkeit eines zukünftigen Abkommens aussieht. Dringend notwendige Überwachungs- und Anrechnungsregeln fehlen fast vollständig, zumal Japan und Kanada nicht mehr mitmachen beim Kioto-Protokoll.

Der dringend notwendige grüne Klimafonds wurde verabschiedet, doch er bleibt weitgehend leer. Schutzprojekte für die am meisten vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländer sollen daraus mit 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr ab 2020 finanziert werden. Die Entscheidung, ob hierzu Schiffs- und Flugverkehr mit einer Abgabe belegt oder eine Finanztransaktionssteuer eingeführt wird, wurde nicht getroffen.

Die bescheidenen Fortschritte, die in den Bereichen Klimafinanzierung und Anpassung erzielt werden konnten, sind nach Auffassung der beiden evangelischen Hilfswerke Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst eindeutig ein Verdienst der Inselstaaten, der Gruppe der ärmsten Entwicklungsländer sowie der EU, die sich mutig und konstruktiv gegen ein völliges Scheitern der Klimapolitik gestemmt hätten. China, das erst ab 2020 verbindlich Abgase reduzieren will, hätte die Chance gehabt, den Durchbruch zu erwirken, sei dieser Verantwortung aber nicht gerecht geworden.

2012 wird weiterverhandelt. In Katar - dem Ort mit dem pro Kopf höchsten CO2-Ausstoß weltweit. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 162
1 2 3 4
oranje
00
13.12.2011, 11:25
Eine historische Enttäuschung

Wiedermal haben die grossen CO2-Emittenten USA, CDN,RL, VCR und Indien nicht begriffen, wie wichtig jetzt ein gemeinsam klimaschonendes Abkommen ist! Das alles im Namen der Wirtschaft!
Erst wenn die letzte Nahrung geerntet wird, wird man feststellen, dass man Geld nicht essen kann.
Zumindest hat sich die EU, auf die Seite der ärmsten Entwichklungsländer, gegen ein völliges Scheitern gestellt.

fischkopp
00
13.12.2011, 14:57

Na sind wir nicht mal wieder toll ?

Petr Novotny
70
13.12.2011, 04:36
Hallo, ihr grünen Retter der Welt, hergehört !!

Wenn es zum Marschieren kommt, wissen viele nicht
Daß ihr Feind an ihrer Spitze marschiert.
Die Stimme, die sie kommandiert
Ist die Stimme ihres Feindes.
Der da vom Feind spricht
Ist selbst der Feind.

Bertold Brecht

Und jetzt überlegt mal, wer euch für seine Ziele benutzt, euch steuert und den großen Reibach mit eurem Gutglauben macht.

Und vergesst nicht: Der beste Betrug ist der, den der Betrogene gar nicht merkt.

Searles
 
02
13.12.2011, 10:25

"den großen Reibach mit eurem Gutglauben"
Wieviel Geld gibst du im Monat fuer Sprit aus?

nik73
82
12.12.2011, 17:24
abgesehen davon

daß jeder anlaß, nachhaltig zu wirtschaften und mit endlichen ressourcen sparsam umzugehen ein guter anlaß ist, sollten wir realistisch sein. die erderwärmung ist zum gröten teil auf exogene faktoren zurückzuführen, der einfluß des menschen über das co2 ist wohl zu gering als auslösender faktor. wir werdens nicht erleben, aber wahrscheinlich unsere kindeskinder, es wird auch wieder kälter werden auf der erde. das alles ist ein natürlicher kreislauf, bestätigt in kernbohrungen aus dem ewigen eis, der auch mal in zyklen von wenigen jahrzehnten stattfinden kann, und das seit jahrmillionen.

Searles
 
03
12.12.2011, 22:04

Wie schaut deine Meinung zu Rauchen und Lungenkrebs aus? Bist du nicht auch der Meinung, dass das bisserl Rauchen wohl zu wenig ist um Lungenkrebs zu verursachen und dass wir realistisch sein sollten und Lungenkrebs wohl zum groessten Teil auf exogene Faktoren zurueckzufuehren ist?

Oder wie schauts damit aus, Zigaretten im trockenen Wald wegwerfen? Glaubst du nicht auch, dass so ein Zigarretterl wohl zu wenig ist um einen Waldbrand auszuloesen und dass wir realistisch sein sollen und dass Waldbraende wohl zum groessten Teil auf exogene Faktoren zurueckzufuehren sind?

Oder, oder...

1000undeine8
26
12.12.2011, 18:40
Peacefaktor
84
12.12.2011, 15:58
Durch Angst Geld verdienen: Ich weiß es ja nicht, aber mir kommt vor,

als würde mit dem CO2 Profit durch Angst gemacht, denn würden wir tatsächlich kurz vor der Apokalypse stehen, dann würden einfach die notwendigen Maßnahmen getroffen werden, also wenn der Mensch der auslösende Punkt für einen Klimawandel sein würde. Da bisher nur Geld mit dem "Produkt Klimawandel" gemacht worden ist, und sich an dem Ausstoß CO2 wenig geändert hat, und nun auch wieder nur beschlossen wurde, dass irgendwann halt irgendwas beschlossen wird, ist das für mich ein Indiz, dass das alles nur zur Abzocke angedacht ist und Klima viel komplexer ist, als dargestellt wird.
Generell erfährt man auch sehr wenig darüber, wer denn am Ende an all den Zertifikaten verdient. Wenn man ein wenig bohrt: u.a. Al Gore, Rothschilds,...

Petr Novotny
31
12.12.2011, 23:51
Profit durch Angst - genau !!

Profit durch Angst ist die leichteste Art Profit zu machen. Weiß jeder Versicherungsfritze.

Searles
 
24
12.12.2011, 16:30

Geld wird mit Oel gemacht. Dazu reicht ein einfacher Blick auf die Unternehmen mit dem hoechsten Gewinn. Und Abzocke - wenn der Staat so geil darauf waere, seinen Buergern eine CO2-Steuer reinzudruecken, warum macht er es nicht einfach?

Und da kommt sie wieder, die alte juedische Weltverschwoerung der Rothschilds...

Zuckerlilly Zuckerlilly
40
12.12.2011, 18:50
6% Gewinn, wie in der Ölbranche im Schnitt üblich, sind nicht gerade der große Rebbach.

Das Märchen von den märchen haften Gewinnen der Ölmultis ist schon lange Geschichte.

Searles
 
14
12.12.2011, 20:57

"Das Märchen von den märchen haften Gewinnen der Ölmultis ist schon lange Geschichte."

Unternehmen nach Gewinn 2010:
Platz 2: Gazprom
Platz 3: Exxon
Platz 5: Royal Dutch Shell
Platz 7: Petrobas
Platz 8: Chevron
Platz 9: Petronas
Platz 13: China National Petroleum
Platz 14: Total

Noch Fragen?

john lebovski
31
12.12.2011, 18:01
ganz ohne verschwörung - einfach nur menschlich!

weltverschwörungstheorien sind in der tat dumm. und speziell die wv-theorie mit den rothschilds ist mindestens so dumm wie die mit den (öl-)mulitis.
vor allem sind sie verschwörungstheorien aber völlig unnötig, da sich alle beobachtungen recht klar auf die biologische und psychologische veranlagung und sehnsüchte der menschen zurückführen lassen: streben nach ökonomischen vorteilen, trieb nach geltung und zugehörigkeit zu einer großen herde (große gemeinsame bedrohung, böser gemeinsamer feind), weltrettung und -erlösung durch symbolische handlungen und zeremonien.
die religionen können diese sehnsüchte für immer mehr menschen heute nicht mehr erfüllen! atheismus oder agnostizismus ist nicht jedermanns sache! zu viel eigenverantwortung!

Searles
 
01
12.12.2011, 21:05

Lass mich raten - Philosophie-Student im 2. Semester. Warte noch 4 Semester, ab 6 Semestern nehme ich dich ernst.

bern100
00
12.12.2011, 15:17

historisch unhistorisch maximal!!

AlternativMeinung
01
12.12.2011, 15:16
juhuuuu

super. jetzt ist die Welt gerettet!
Habe gewusst, dass es noch Hoffnung gibt.

Gilgamesch
00
12.12.2011, 14:35

china beweist wieder einmal mehr, daß es seiner wachsenden verantwortung nicht gerecht wird. es geht ausschließlich um wirtschaftliche und militärische macht. jegliches solziale und politische gewissen ist ihnen fremd!
von den usa hätte man natürlich auch mehr verantwortung verlangen müssen - sie sind die größte enttäuschung ...

Butt Spänzer
00
12.12.2011, 13:17
toll.. Was für ein ergebnis..

der Ringe
42
12.12.2011, 12:52

Wahnsinn was sich im Moment mit dem Thema Umwelt für Cash machen läßt. In jeder Branche gibt die Industrie Milliarden für "Environmental" Zertifikate aus und stopft die Taschen von Prüfer und Consulter voll - geil

und was ändert sich ? Nichts und die Regierungen stehen auch noch dahinter.

Hershel S. Krustofsky
03
12.12.2011, 12:38
da haben sich die konferenztouristen

noch schnell eine rechtfertigung für ihre üppigen spesen zurechtgebastelt. und verkaufen uns das ganze als die ultimative rettung der menschheit. für wie blöd..., ach, was frag ich...

asinus
00
12.12.2011, 12:37

Es werden doch konkrete Maßnahmen immer weiter hinausgeschoben.Von daher ist dieser Klimagipfel wie alle anderen nur ein Hauch warmer Luft gewesen. Wie gehabt...

Magic Washroom
02
12.12.2011, 12:24
es soll einen beschluss bis 2015 geben, der dann 2020 bindend ist. na wenn das keine hoffnung ist... bisher heisst es ja immer, bis 2020 müssen die ersten maßnahmen zu wirken beginnen, ansonsten wird das ziel "nicht mehr als 2°C" nicht erreicht.

und zu dem angekündigten bindenden vertrag ab 2020: das kyoto-protokoll war auch bindend, es läuft 2012 aus. bedeutet: 8 jahre, wo es keine einzige regelgung gibt, betreffs co2-ausstoss.

das ist eine niederlage, wie das uach nur ansatzweise positiv dargestellt werden kann, ist mir ein rätsel. und übrigens auch die eu hat sich nur wenig bewegt, bzgl der forderungen aus china. china, usa, eu haben sich sehr wenig bewegt, nur die eu versteht es durch medienwirksame aussagen, als nicht ganz so doof dazustehen. und die eu-länder die die co2-reduktion anscheinend ernst nehmen, sind die die im großen stil handel mit co2-zertifikaten betreiben.

wenns so richtig scheiße wird, so ab 2050, werde ich dann schon tod sein. mein ganz persönlicher trost.

NickKnarrkarton
12
12.12.2011, 18:10

Machen Sie sich nicht draus. Die Klimahysteriker werden ihre Studien entsprechend anpassen, sodaß 2020 wieder das Endzeitszenario "wenn wir bis 2030 nichts tun, dann" aufgebaut wird. Das sie da ziemlich flexibel sind, ist nämlich so ziemlich das einzige, was sie je beweisen konnten.

Magic Washroom
00
12.12.2011, 14:19

verdammt, laut lebenserwartungstabellen, erlebe ich das doch noch mit... na gut, ab jetzt schnaps schon ab 9 uhr in der früh, dann wird das schon! ;-)

sainty1
01
12.12.2011, 10:42
bin ich froh das ich das nicht mehr erlebe

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 162
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.