EURO-STreit in Grossbritannien

Einstieg in den Ausstieg

Kommentar | Sebastian Borger, 11. Dezember 2011, 18:33

Das Nein von Brüssel hat für viele in Europa zum ersten Mal deutlich gemacht, was sich auf der Insel seit rund zwei Jahrzehnten anbahnte

Die Briten stritten über das Wochenende, was David Camerons Nein bedeutet. War es wirklich ein Veto? Weil Großbritannien als einziges der 27 EU-Mitglieder dem Vertrag zur Stabilisierung des Euro die Zustimmung verweigerte, dürften die 26 anderen in Zukunft die EU-Institutionen nicht für ihre tiefere Integration in Anspruch nehmen, argumentiert Außenminister William Hague. Ein Veto sehe anders aus, glaubt die Labour-Opposition: Schließlich könne, ja wolle die Insel dem Kontinent gar nicht verbieten, seine Gemeinschaftswährung zu retten.

Ob Veto oder nicht: Das Nein von Brüssel hat für viele in Europa zum ersten Mal deutlich gemacht, was sich auf der Insel seit rund zwei Jahrzehnten anbahnte. Maggie Thatcher ("I want my money back!") hatte noch darauf geachtet, die Grenze zwischen dem Eintreten für Eigeninteressen und Blockadepolitik nicht zu überschreiten. Ihr Nachfolger John Major (1990-1997) musste schon auf ein Häufchen fanatischer EU-Feinde in den eigenen Reihen Rücksicht nehmen. Seither haben sich die Konservativen, deren kriegserfahrene Generation noch am Haus Europa mitbauen wollte, zu einer isolationistischen Partei gewandelt, darin bestärkt vom Trommelfeuer der Medien, die EU-Feinden wie Rupert Murdoch gehören.

Die Labour-Party hat in 13 Regierungsjahren versäumt, für Europa zu werben. Den Briten wollte nicht einleuchten, dass zu einem gewaltigen Unterfangen wie dem Binnenmarkt von 27 Nationen und 450 Millionen Menschen Regeln und schmerzhafte Kompromisse gehören. Dass sich Vor- und Nachteile nicht immer genau aufrechnen lassen, wie es der englischen Krämerseele entspricht. Dass selbst frühere Empire in der globalisierten Welt immer weniger zählen. Dass der Brüsseler Klub trotz Widrigkeiten auf der Weltbühne ernst genommen wird.

In einem entscheidenden Moment standen die Briten schon einmal allein. Das war im Sommer 1940, nach dem Fall Frankreichs, vor dem Kriegseintritt der Sowjetunion und der USA gegen Hitlers mörderische Weltmachtpläne. Man darf den tiefsitzenden Reflex nicht unterschätzen, der aus der damaligen Situation herrührt: Notfalls schaffen wir es auch allein. So denken viele. Sie trauen ihren Eliten mehr zu als dem multilateralen Wesen EU. Beim Nein von Brüssel wird es deshalb nicht bleiben. Im Dezember 2011 hat unweigerlich der Ausstieg Großbritanniens aus dem europäischen Einigungsprojekt begonnen. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 117
1 2 3
Jägermeister
15
12.12.2011, 15:50
Vielleicht ist der Zerfall des UK ja die nächste große Zäsur Europas ...

... und es werden bald nur mehr Schottland und Wales in der EU sein!? Viel Spass auf jeden Fall bei diesem Prozess ...

Das Verhältnis Englands zur EU (EG) ist seit Anbeginn ein absonderliches - geprägt von einseitigen Ausnahmen, unfairer Bevorzugung gegenüber den anderen Mitgliedern und einem andauernden Anti-Europa-Populismus der Konservativen und des (allumfassenden) Boulevards ...

England soll endlich "Nägel mit Köpfen" machen und sich offiziell gegen Europa entscheiden - und dann die Konsequenzen tragen!

Kuckuckseier und Trojanische Pferde sind das, was die EU zur Zeit überhaupt nicht gebrauchen kann ...

Peter G
01
12.12.2011, 15:33
Wäre eine gute Gelegenheit, die EU-Mitgliedschaft GB's zu überdenken.

Und zwar auf beiden Seiten.

Die Briten sollen sagen was sie wollen.
Also sollten Zentralregierung, Schottland und Wales - die ja in dieser Frage offenbar nicht einer Meinung sind - ausdiskutieren, was sie wollen.

Und dann sollte GB mal klar sagen, wie weit sie "europäische" Werte und Ziel mittragen können.
Und, wenn GB das nicht kann oder will, sollten sie den Mumm haben, auszusteigen.

Und die "Rest-EU" sollte sich mal die Frage stellen, wie lange sie sich diese Rosinienpickerei noch bieten lassen lassen.

Ich bin der Meinung, ein EU-Austritt eines Landes ist kein Untergang der EU.
Vielleicht sollte das mal wirklich passieren.
Dann würde auch bei den verbleibenden Mitgliedern mehr Klarheit herrschen.

BetterWorld
 
00
24.12.2011, 19:13

Bin absolut bei Ihnen. Eine Trennung ginge aber nur im Einvernehmen. Rauskicken können wir sie nicht:)

Gilgamesch
17
12.12.2011, 14:43

ohne england wäre die eu schon viel weiter. ich weine ihnen keine träne nach.
natürlich wäre ein solidarisches großbritannien ein gewinn für die eu. aber mit der attitüde was besseres zu sein, nur darauf bedacht die union politisch zu verhindern und eigentlich den usa mehr veropflichtet, kann man auf die insel durchaus verzichten ...

hema1
 
41
12.12.2011, 12:04
Das nein der Engländer zeigt, dass es ein "geeintes Europa" nie gegeben hat.

England hat immer groß geredet und dann bei Entscheidungen (Euro) nicht mitgemacht.

Endlich dämmert die Wahrheit am Horizont herauf.
Zu viele Mitgliedsländer wollten sich nur auf Kosten anderer sanieren und ein schöneres Leben machen. Die sind in meinen Augen DIEBE ! Die besseren Länder sind hilfbereit und verarmen langsam auch, weil ihnen zu viel abgefordert wird. Das war nicht der Sinn.

In meinen Augen ist die EU gescheitert, weil ein gutes Miteinander nicht da ist. Ausbeutung war nie das Ziel.
Friede war das Ziel und das ist das einzige, was gelungen ist.
Gott erhalte uns den Frieden.
http://www.hopeland.at

wurm83
 
02
12.12.2011, 14:06
sie sprechen von ländern wie von lebenden wesen...

es ist in keinen einzigen land der selbe politiker an der macht wie beim eintritt in die EU in den meisten ländenr ncihtmal die selbe partei...

und alle diese leute sind einfach nur böse ausnutzer?

sie glauben nicht an ein Miteander europas ABER wenns um Frieden geht dann beten sie zu Gott?

da kann ich ihnen schonmal zu 100% sicher sagen, dass es wahrscheinlicher ist, dass die EU funktioniert, als das beten zu Gott leid und krieg verhindern könnte...

(btw. es darf auch nciht funktionieren, damit wäre das konzept des "freien willens" gebrochen und die kirche müsste erklären warum gott so viele kinder verhungern und vergewaltigen lässt...also hier wäre der papst sicher dagegen, dass gott sich einmischt)

stefan1981
11
12.12.2011, 14:02

eh. das geeinte europa war eine lüge. von anfang an. ca. ein paar jahrzehnte lang ist nicht gekämpft worden, das triffts eher. aber wirkliche solidarität unter den ländern wird niemals entstehen. dazu sind sie zu verschieden, die geschichten zu festgefahren.
mit der eu und dem euro hat man versucht zusammenzuspannen was nicht zusammengehört bzw nichtmal zusammengehören will. (hätte man nur einmal die bürger befragt gäbe es die eu in dieser form wohl nicht).

persönlich wäre mir eine starke eu lieber. aber eine die sich nur auf den wirtschaftlichen bereich konzentriert. das wäre 10x ehrlicher als das was wir jetzt haben. jetzt haben wir nix anderes als eine rosinenpickerei von 27 staaten.

Zwischenton
10
13.12.2011, 03:36

Da stimme ich zu, ich halte EU auch für einen Irrtum, wie eine Zwangsehe! Doch ganz ist sie das nicht, jedenfalls was Österreich angeht, da wurden sehr wohl die Bürger gefragt, es wurde mehrheitlich für die EU gestimmt! Doch da wurden einem auch so viele Zuckerl versprochen, die nicht eingehalten wurden, dass alles billiger würde und so... Schon bald danach wollte jeder DAGEGEN gestimmt haben...

stefan1981
11
13.12.2011, 07:07

ja, eben. wenn die leute wirklich gewusst hätten was auf sie zukommt hätten sie nie zugestimmt.

bei der abstimmung zum eu beitritt wurde das stimmvieh durch massives lobbying belogen und ihnen das ja abgenötigt. trotzdem war die zustimmung ja recht knapp.

und beim euro sind wir überhaupt komplett überfahren worden.

Helmut
00
12.12.2011, 18:06
Mit Verlaub...

...sind das vornehmlich Worthuelsen. Wo steht geschrieben, dass ein geeintes Europa in 12,34 Jahren fertiggestellt sein muss? In demokratischen Systemen ist es nun einmal so, dass es viele divergierende Ansichten gibt. Ein Europa mit 27 Laendern, wo alle immer dasselbe sagen, wird es nie geben. Demokratie ist ein muehsamer Prozess, aber er lohnt sich, wenn man die letzten Jahrhunderte betrachtet.
Und ja, das Rosinenpicken muss verringert werden, aber leider besteht unser Wirtschaftssystem exakt aus Rosinenpicken, oder tragen Sie Ihr Geld zu einer Bank, die die wenigsten Zinsen verspricht?
ZB ist die Griechenland-Hilfe ein Weg weg vom Rosinenpicken. Einmal duerfen Sie raten, wem das wieder nicht passt?

1116er
01
12.12.2011, 16:21
aber eine die sich nur auf den wirtschaftlichen bereich konzentriert.

1. wirtschaft ist nicht das zentrum des lebens.

2. speziell wenn es um wirtschaft geht, dann ist rosinenpicken angesagt.

Zwischenton
00
13.12.2011, 03:38

Jeder Mensch will immer nur Rosinen picken, das ist der natürliche Egotrieb und wenns um Macht geht, fällt das halt mehr auf als im kleinen, privaten Bereich!

stefan1981
00
12.12.2011, 17:16

natürlich ist wirtschaft nicht das zentrum des lebens und doch ist alles irgendwie wirtschaft.

außerdem ist es der einzige berech wo die länder wirklich zum gegenseitigen vorteil zusammenarbeiten könnten. wirtschaft/steuern/finanzen als das sind bereiche die man gut harmonisieren kann. sozialleistungen zB schon weniger.

world-citizen
05
12.12.2011, 13:21
Gescheitert sind ...........

......... Christian Barnards erste Herztransplantationen; die Patienten lebten nur kurze Zeit. Auch Otto Lilienthals erste Flugversuche sind gescheitert; er bezahlte mit seinem Leben dafür.
Conclusio: Man darf niemals etwas vorschnell für gescheitert erklären. Eine gute Sache setzt sich langfristig immer durch - auch wenn es manchmal Rückschläge gibt.

wurm83
 
03
12.12.2011, 14:10
ich hätt mir vielleicht den link ansehen sollen

bevor ich mir die mühe gemacht habe zu anworten^^

zu der ganzen HP fällt mir nur ein: Gott hat seit 2000 Jahren ununterbrochen für Krieg gesorgt, warum sollte er das in nächster Zeit ändern (Gebete für Frieden hin oder her)

Zwischenton
64
12.12.2011, 12:01

Ich war immer gegen die EU und fände es toll, wenn noch mehr Länder den Mut hätten, dieser Diktatur, wo kleine Länder sowieso kaum was mitzureden haben, zu widersprechen! Die Schweiz hat es ja auch geschafft, ohne EU zu existieren, wieso sollte das also nicht möglich sein? Dann hätte man wieder eigene, überblickbarere Gesetze, die nicht von ein paar größeren Ländern (Deutschland und Frankreich) für alle anderen vorgegeben werden.

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
00
12.12.2011, 19:22
die schweiz ist kein vorbild...

...weder moralisch noch solidarisch.

1116er
12
12.12.2011, 16:24
ich muss mal die pauschalkeule auspacken

(nehmen sie es bitte nicht persönlich, dass es ausgerechnet sie trifft)

es gibt nichts blöderes auf dieser welt als schweiz-vergleiche!

egal bei welchem thema: die schweiz hat mehr ähnlichkeiten mit dem mars als mit irgendeinem anderen land dieser erde.

Zwischenton
10
13.12.2011, 03:40

Aber mutiger und eigenständiger als die Österreicher sind sie allemal! Aber das ist eh fast jedes Land.

Peter G
00
12.12.2011, 15:37
Schweiz und GB nicht vergleichbar .....

Die GB sind in der EU und lavieren rum, picken Rosinen.
Und solange GB sich davon einen - wirtschaftlichen !!! - Vorteil erwartet, wird sich das nicht ändern.

Die Schweiz hat da eine wesentlich klarere und anständigere Haltung.
Die Schweiz hat auch nie die EU und andere Länder aus rein innenpolitischem Kalkül "gebremst" (oder wie auch immer man das Verhalten GB's nennen will).

JackBodegar
22
12.12.2011, 13:45
Die Schweiz hat es ja auch geschafft, ohne EU zu existieren

das glauben sie jetzt nicht aber im ernst oder???? die schweiz gehört wirtschaftlich schon lange zur eu....was sie vieleicht in ihrem keller noch nicht mitbekommen haben...politisch (durch volksentscheide eigenständig) wie auch andere länder..aber ohne der wirtschaftlichen zusammenarbeit mit der eu wäre die schweiz ein entwicklungsland. dass die schweiz vertraglich nicht in der eu sind, hat nur damit zu tund weil auch sie ihren finazplatz retten wollten. die schweiz ist ohne eu garnichts..so schauts aus und jeder der anders denkt ist ein träumer...übrigens auch wenn die schweizer den euro nicht retten müssen..die geben milliarden für die stabilität des franken aus.

world-citizen
35
12.12.2011, 13:24
Der Fall Schweiz ............

.......... ist eine der sieben großen Sünden Europas:

http://www.zeit.de/2011/50/S... ne/seite-1

Meines Erachtens war es strategisch unklug, mit der Schweiz bilaterale Verträge abzuschließen. Entweder der ganze Kuchen oder nichts. Rosinenpicken ist keine Lösung.

stefan1981
01
12.12.2011, 14:05

trotzdem hatte die schweiz recht diesem verein nicht beizutreten.
die meisten dinge sind eh durch bilaterale verträge geregelt. aber sie brauchen sich nicht vorschreiben lassen was sie zu tun haben und was nicht.

world-citizen
00
12.12.2011, 16:34
Was glauben Sie .............

....... wie viele Schweizer es gibt, die gegen ihren Willen Militärdienst leisten müssen. Denen wird vom Staat vorgeschrieben, was sie tun müssen und wenn sie sich weigern, dann werden sie strafrechtlich verfolgt. Nein, so frei geht es in der Schweiz nicht zu. Freiheit bedeutet nämlich, daß das Individuum über dem Kollektiv zu stehen hat und Einschränkungen nur so weit erfolgen dürfen, als es zum Schutze anderer unbedingt notwendig ist.

stefan1981
00
12.12.2011, 17:17

das individuum darf nie über dem kollektiv stehen. wo kämen wir denn da hin? anarchie brauchen wir nicht.

militärdienst gibts bei uns auch, wenns nicht hingehen werden sie auch bei uns strafrechtlich verfolgt. fahnenflucht ist kein kavaliersdelikt!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 117
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.