Im Dickicht der Rosenknospen

11. Dezember 2011, 18:07
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Anja Hillings "Der Garten" im Schauspielhaus

Wien - Sie sind jung, gebildet, cool, erfolgreich und unglücklich und heißen schlichtweg "Die Leute". Die Personen in Anja Hillings neuem Stück Der Garten sind der Abklatsch einer Generation von Mittdreißigern, die alles zu haben scheint, nichts mehr will und ihr Dasein als "bourgeoise Bohemiens" anspruchslos dahinfristet, Journalisten, Hobbydichter, Denker.

Im Mittelpunkt steht Antonia (Nicola Kirsch), die vor ihrem Leben als angesehene Musikkritikerin und Freundin Martins (Max Mayer), der sich schon seit ewig kurz vor der Promotion befindet, davonläuft. Bei einem Interview verfällt sie dem farblosen Rockstar Sam Embers, "Musiker. Poet. Idiot" (Thiemo Strutzenberger). Das Ende der Romanze wird gleich zu Beginn offengelegt. Beide sterben - an einer Überdosis Antidepressiva in seinem Garten.

Das Schauspielhaus Wien hat sich der Aufführung zeitgenössischer Werke verschrieben und führt bereits zum zweiten Mal ein Werk Anja Hillings auf. Die vielschichtigen Texte der 36-jährigen deutschen Dramatikerin sind allerdings nicht immer leicht auf die Bühne zu bringen. Dialog- und Erzählebenen werden vermischt, die Übermacht von Naturgewalten sind von Regie und Ausstattung zu bewältigen.

Nachdem sie in Schwarzes Tier Traurigkeit, 2008 am Schauspielhaus Wien aufgeführt, die Figuren einem Waldbrand aussetzte, klingt das Setting für ihr neues Stück Der Garten vergleichsweise harmlos, wären da nicht die dahinvegetierenden Blumen, die in der Textfassung als Erzähler auftauchen. In der Inszenierung von Felicitas Brucker, Hausregisseurin am Schauspielhaus und bereits hillingerfahren, fällt diese Ebene gänzlich weg. Die auftretenden Personen beschreiben und bewerten sich selbst , was die Zuschauer eher verwirrt zurücklässt.

Auch von der Vergänglichkeit des Lebens, die Hilling in ihrem Text mit der übermächtigen Natur symbolisiert, ist nichts bemerkbar. Nur die übergroßen Rosenknospen, die gegen Ende sichtbar werden, lassen die Sehnsucht der Figuren nach Romantik erahnen. Zu bewundern sind die schauspielerischen Leistungen, allen voran jene Strutzenbergers als apathischer und nerviger Rockstar. Unterstützt wird er von seiner Band Beautiful Boys. (Elisa Weingartner, DER STANDARD/Printausgabe 12. Dezember 2011)

  • Thiemo Strutzenberger und Nicola Kirsch.
    foto: schauspielhaus wien

    Thiemo Strutzenberger und Nicola Kirsch.

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