Budget

Faymann will 700 Millionen Euro durch Immobiliensteuer einnehmen

11. Dezember 2011, 18:01

Eine Steuer auf Gewinne aus Immobilienverkäufen, dafür "Bewegung" bei den Studiengebühren: Kanzler Faymann macht der ÖVP Angebote, um im Jänner ein 1,5 Milliarden schweres Spar- und Steuerpaket zu schnüren

Wien - "In wichtigen Fragen: glühend!": So beschreibt Bundeskanzler Werner Faymann sein Verhältnis zu Europa und räumt ein, dabei durchaus "dazugelernt" zu haben - etwa, dass man sich gegen Lohndumping, Arbeitslosigkeit oder die Spekulanten nicht allein, sondern nur "gemeinsam wehren" könne. Also ärgerte sich der SPÖ-Chef in der ORF- Pressestunde nicht nur über den EU-Abweichler Großbritannien ("Ich fühle mich nicht wohl, wenn der Herr Cameron sagt, schon die paar Regulierungen für die Finanzmärkte seien zu viel"), sondern hielt auch ein Plädoyer gegen ein "Sektierertum", das eine Rückkehr zum Schilling verlange: "Austreten und Davonlaufen wäre falsch."

Dementsprechend verteidigte Faymann auch die gegen den Willen der Briten gefassten Beschlüsse vom jüngsten EU-Gipfel. Um sich nicht "in die Fänge der Finanzmärkte" zu begeben, seien die strengeren Haushaltsregeln inklusive Schuldenbremse in der Verfassung notwendig. Der Zeitplan laut Faymann: Im März soll der Sondervertrag vorliegen, damit die 26 teilnehmenden EU-Staaten diesen bis zum Jahresende ratifizieren können. 2013 oder 2014 sollen die Regeln dann in Kraft treten.

"So viel Zeit haben wir aber nicht, wenn wir unsere Souveränität behalten wollen", sagt Faymann und warnt vor EU-Kuratel übers Budget und Bestrafung durch die Finanzmärkte. Der Kanzler will deshalb nicht nur einen weiteren Überredungsversuch starten, um die Opposition von der Schuldenbremse zu überzeugen, sondern auch im Jänner ein erstes Konsolidierungspakt vorlegen. 1,5 Milliarden soll es umfassen, damit der Staat sein Defizit bereits 2012 unter die Drei-Prozent-Marke drückt, statt bei den ursprünglich angepeilten 3,2 Prozent zu landen. Auch Maßnahmen für die folgenden Budgets sollen im Jänner schon mehr oder minder konkret besiegelt werden. Ab 2013 rechnet Faymann mit einem Konsolidierungsbedarf von zwei Milliarden Euro pro Jahr - Finanzministerin Maria Fekter sprach im Standard unlängst sogar von drei Milliarden.

Einen Vorschlag unterbreitete Faymann bereits in der Pressestunde: Die eben eingeführte Vermögenszuwachssteuer soll auch auf Immobilien ausgedehnt werden. Derzeit können Grund, Haus oder Wohnung nach Ablauf einer Spekulationsfrist von zehn Jahren verkauft werden, ohne dass auf den Wertgewinn Steuern anfallen. Selbst wenn man Hauptwohnsitze ausnehme, kalkuliert der Kanzler, könnte so eine Steuer 700 Millionen Euro im Jahr bringen.

Der SPÖ-Chef erntete aus der ÖVP dafür erst einmal die zu erwartenden Absagen: Österreich habe kein einnahmenseitiges, sondern ein ausgabenseitiges Problem, erwiderte Generalsekretär Johannes Rauch: "Es braucht daher strukturelle Maßnahmen statt Marketing-Gags." Doch in einem Kurier-Interview klang Vizekanzler Michael Spindelegger weitaus differenzierter. Im Rahmen eines Gesamtpakets könnten Steuerlücken geschlossen werden, deutete der ÖVP-Obmann an: "Wer mehr hat, muss mehr geben."

Soli-Beitrag fürs Uni-Budget

Ein Entgegenkommen in ÖVP-Richtung deutete Faymann dafür in einer anderen koalitionären Streitfrage an: In die Diskussion um ein Comeback von Studiengebühren komme "Bewegung", wenn das Modell nicht darauf hinauslaufe, dass Kinder aus einfacheren Verhältnisse dann noch schlechtere Chancen auf eine Studienkarriere hätten. Als eine Möglichkeit nannte Faymann das von seinen Kärntner Parteifreunden vorgeschlagene Modell: Universitätsabsolventen, die in der Folge ein gewisses Einkommen erziehlen, sollen über ihr gesamtes Erwerbsleben 20 Euro monatlich abliefern. Bei einer Verdienstgrenze von 3200 Euro brutto brächte dieser Solidarbeitrag rund 100 Millionen pro Jahr fürs Unibudget, rechnet die SPÖ-Kärnten vor. Was der ÖVP ebenfalls gefallen haben könnte: Faymann will den Hauptteil des Defizits "ausgabenseitig" abbauen - und auch bei eigenen Ausgaben sparen. Er gelobte nicht nur, künftig "sehr genau" darauf zu schauen, dass Regierungswerbung einen hohen Informationsgehalt habe, sondern fasste auch einen Neujahrsvorsatz: "Ich werde dafür sorgen, dass wir weniger Geld ausgeben mit den Inseraten." (jo, APA, DER STANDARD; Printausgabe, 12.12.2012)

 

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Waxolunist
00

Boah,20 Euro. Da spar ma sicher in der Verwaltung und hat sicher die gleichennEffekte wie eine SG.

Freigeistin1
12
14.12.2011, 09:04

Warum wundert es micht nicht,
dass die SPÖ praktisch nur über neue Steuern der "Anderen" nachdenkt?
Das nenne die Roten dann Sparen.

*SPÖ-Chef Werner Faymann forderte zuletzt eine Aufhebung der Spekulationsfrist bei Immobilien, wodurch bei einem lukrativen Verkauf immer eine Steuer anfallen würde. *

Die Preissteigerungen bei Sachwerten (Immobilien) nennt man Asset-Inflation, die durch das Gelddrucken der Zentralbanken verursacht wird. Hier handelt es sich niemals um Gewinne, denn man kauft ja bekanntlich später wieder einen anderen Sachwert (Immobilie), die dann eben einfach nur nominell teurer ist.

Aber Populismus und Ahnungslosigkeit ist das Programm der Roten, leider.

Strathos
20
14.12.2011, 15:25

Bei der Steuer sollen Hauptwohnsitze ausgenommen werden. Sie würde also hauptsächlich jene treffen, die Immobilien als Spulationsobjekte kaufen.
Da daurch dann Immoblienspekulationen unattraktiver werden, könnte das sogar zu einem mittelfristigen Preisrückgang führen.

An dieser Maßnahme ist nichts Populistisches und sie ist außerdem sozial, da Immobilienspekulanten wohl eher zur Oberschicht gehören.

Brunner4
20
14.12.2011, 09:37
Dort wo Geld horrend gebunkert wird....

Gehórt es nun auch mal abgezogen!

Freigeistin1
02
14.12.2011, 11:18

Sie sind also für Enteignung?

Das wird's sicher nicht spielen ...

Zaphod Beeblebrox III
01
13.12.2011, 16:55
Diese "Vermögenszuwachssteuer" auf Immobilien ...

setzt also eine Preisdifferenz zwischen Kauf und Verkauf voraus.

Wenn ich aber etwas schon lange besitze, sagen wir ein altes Ein- oder Zweifamilienhaus, vor dem Weltkrieg gebaut, und verkaufe, was ist dann zu versteuern ?

Alles oder nichts ???

AuchMalDafürSein
02
12.12.2011, 18:54
Universitätsabsolventen, die in der Folge ein gewisses Einkommen erziehlen, sollen über ihr gesamtes Erwerbsleben 20 Euro monatlich abliefern.

Von was für einem "gewissen" Einkommen reden wir? Der Großteil der Studenten bewegt sich in Studienrichtungen mit denen sie beruflich nie erfolgreich, geschweige denn eine "gewisse" Summe an Geld verdienen werden.
Schön, dass wie immer Menschen, die sich etwas aufbauen und Leistung erbringen, bestraft werden.

Bortolino
09
12.12.2011, 15:34
Von angepeilten 1,5 Mrd. Konsolidierung fast die Hälfte über EINE neue Steuer? Gratulation: Das ist wirklich einfallsreich und ambitioniert.

Wie wär´s damit:

Statt 1,5 Mrd Konsolidierungsvolumen schon im Jahr 2012 3 Mrd.

Und davon 2,3 Mrd. ausgabenseitig.

Wenn die SPÖ da mitzieht, dann soll sie auch ihre Immobilienverkehrssteuer haben.

Aber ohne Anstrengungen auf der Ausgabenseite, wird langfristig kein Staat zu machen sein.

Aufwachen Herr Faymann!
Arbeiten!
Jeeetzt! Nicht erst nach den nächsten Wahlen!

Da gehört auch Mut zum unpopulären dazu! Nicht nur "Reichenhetze", gesellschaftliche Polarisierung und Klientelpolitik.

Peixe venenoso
03
12.12.2011, 16:58
statt sparen fallen den sozis reflexartig steuererhoehungen ein

anstatt an sparen zu denken und endlich die seit jahrzehnten ueberfaellige grosse verwaltungsreform anzugehen fuer die man jetzt ein optimales argument haette werden weitere 280 mio EURO (zur erinnerung sind das immerhin 3,9 mia ats) sinnlos an die beamten verschleudert.

Mostbluzza
05
12.12.2011, 15:12
immobilien heissen immobilien

weils immobil sind, also man nicht "auskommt"

dass das in zukunft volle besteuert wird ist auch klar, denn ans mobile vermögen/kapital kommt man nicht.

und weil dem so ist, wird das immobile immer höher besteuert, was an der tatsache nix ändert, dass - wie immer - der "unten" draufzahlt:

sprich der ex-mittelstand der ein haus hat samt grund
der mieter der bei vermieteten immos (der reichen) das übernimmt
und der finanzielle aufsteiger sich noch schwerer was "immobiles" leisten will (schlecht für bauwirtschaft) bzw. von mietwohnung zu haus noch länger wartet

aber gut, wenn man keine ahnung hat wie faymann und seine leute verrät wie die schwarzen --- dann wird das so kommen müssen. genauso.

aber halt ohne die mobilen echt reichen ...

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
04
12.12.2011, 15:47

Das mit dem Immobilienerwerb in der Mittelschicht versteht der Inserate-Werner nicht. Wo der herkommt kriegt man die Wohnung von der Baddei.

Knicknack
09
12.12.2011, 14:53
Studienabbrecher beim "Soli-Beitrag" bitte nicht vergessen.

Die haben nämlich auch Geld gekostet.
Wie ein gewisser Herr Faymann beispielsweise.

Vorstadtmama
 
12
12.12.2011, 14:50
Umverteilung von Arm nach Reich...

So habe ich mir die Reichensteuer (die Armen zahlen den Reichen Steuer - war eigentlich eh immer so) vorgestellt. Reiche haben Gold, Akzien, Anleihen, Diamanten, Jachten, Flugzeuge... Otto Normalo hat (vielleicht) ein Dach über dem Kopf. Und genau der Otto Normalo soll zahlen...

Freigeistin1
01
13.12.2011, 12:00

Wo leben Sie bitte dass Sie glauben nur "Reiche" haben Aktien, Gold, Schmuck, Eigenheim ...???

Joe_Chip
00
19.12.2011, 09:27

naja, wenn "Arme" Aktien, gold, Schmuck und eigenheim haben sind sie eigentlich nicht arm (also im hier diskutierten sinn)?

Freigeistin1
00
19.12.2011, 11:26

Es gibt ja nicht nur "Reiche" und "Arme" sondern auch noch eine Mittelschicht ;-)

Bruno der echte
01
12.12.2011, 19:00
Na sicher ....

... sollen die zahlen, von denen man am leichtesten möglichst viel bekommen kann.
Die Reichen sind mit ihrem Geld und Aktien doch schneller über der Landesgrenze, als die SPÖ "Vermögenssteuer" sagen kann. Also bleibt doch nur mehr der Hausbesitzer über, der sein Heim vielleicht auch noch seinen Kindern vermachen will.

Yes I can!
03
12.12.2011, 14:24
super, werner failmann!

das tut auch gar nicht bedeuten tun, dass bei verkauf und vermieten dann die verluste von den besitzern durch höhere steuern kompensiert werden.

es tut auch gar nicht heissen tun, dass dadurch mieten noch teurer wird sein tun.

danke, werner! du bist zu schön und zu schlau für diesen job!

deine fanin, laura r. aus wien

kamelchen wird heute gebuerstelt
02
12.12.2011, 14:18

muss ein kanzler eigentlich zuruecktreten, wenn man seine entmuendigung durchgesetzt hat? waere ein kleines licht am ende des tunnels.

Ganymede
18
12.12.2011, 13:25
Hätte man damals bei den Wahlen mit den Wahlzuckerln von 1,8 Mrd. gespart...

bildungsferneschicht
44
12.12.2011, 14:27
hätte,

sich der bauer enten gekauft,wären die hühner nicht ertrunken.

Sonata
53
12.12.2011, 12:20
Die Universitäten werden durch alle finanziert...

Das Studieren können sich nach Einführung der Studiengebühren möglicherweise nur mehr die Reichen leisten. Eine Selektion, die immer schon in den Köpfen der Schwarzen herumgeistert. Die Roten sind mit den strategischen Überlegungen des Koalitionspartners offensichtlich total überfordert oder haben ihre eigenen Ideale aufgegeben. Letztlich brauchen wir nur nach Amerika zu schauen. Von dort nehmen die Schwarzen viele ihrer Ideale her.

tramezzino
04
12.12.2011, 13:12

und weil´s von allen finanziert wird, soll nicht jeder rein dürfen, der gar nicht geeignet ist...

christ_sein
01
12.12.2011, 12:14
Umverteilung durch Zinsen

Heiner Flassbeck - Wege aus der Krise in EU
Prof. Heiner Flassbeck hat am 7. Dez einen sehr interessanten Vortrag in der AK Linz gehalten. Flassbeck ist Chefvolkswirt der UNCTAD in Genf. Seine Analysen sind bedenkenswert ... insbesonders für Politiker http://www.youtube.com/playlist?... C635CBA250

Umverteilung durch Zinsen
http://www.banken-volksbegehren.at/geld-und-... rch-zinsen

Nadine Mayer
220
12.12.2011, 12:08

Die Verursacher, also die beteiligten Politiker ab Kreisky müssen für den Schaden aufkommen. Bis zum Erreichen des Nulldefizits werden die Politikerpensionen, Politikergehälter, Förderungen und Subventionen von Parteien und Kammern, ausgesetzt und von den Altpolitikern wie z.B. Androsch, Vranitzky, Klima, Häupl, Pröll und Co. ein signifikanter Beitrag zur Wiedergutmachung gefordert. Deren Häuser und Immobilien sollen verkauft werden und zur Tilgung herangezogen werden.

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