Auch Südbahn soll Hochleistungsstrecke werden - Kopf: ÖVP zollt "Pionieren im Bahnwesen" Respekt
Wien - Am ersten Betriebstag der mehrheitlich privaten Westbahn hat
Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) die Partnerschaft der Bahnbetreiber Westbahn
und ÖBB betont und den Bahnausbau verteidigt. Bures wird heute, Sonntag,
Nachmittag am Wiener Westbahnhof einen einfahrenden Westbahn-Zug begrüßen. Erste Eindrücke der Westbahn gab es schon bei einer Pressefahrt am Freitag. Als
Verkehrsministerin freue ich mich über ein zusätzliches Angebot auf der
umweltfreundlichen Schiene. Das ist gut für die Fahrgäste und die Umwelt", so
Bures in einer Stellungnahme.
Wo es wie auf der Westbahnstrecke eine gut ausgebaute moderne
Schieneninfrastruktur gebe, dort würden auch Angebot und Nachfrage steigen,
konstatiert die Ministerin. "Herr Haselsteiner hat sich ja nicht zufällig die
Westbahnstrecke ausgesucht."
Deshalb werde sehr viel in den Ausbau weiterer Strecken investiert. "Auch die
Südbahn werden wir zu einer modernen Hochleistungsstrecke ausbauen", verspricht
die Ministerin. Auch im Süden werde es nach Fertigstellung der Investitionen ein
viel besseres Angebot geben. "Investitionen in die Schieneninfrastruktur sind
Investitionen in die Zukunft neuer Generationen."
"Pioniere im Bahnwesen"
ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf streute der Westbahn am Samstag in einer
Aussendung Rosen. "Die ÖVP zollt den neuen Pionieren im Bahnwesen größten
Respekt, die den übermächtigen bisherigen Monopolisten ÖBB nicht fürchten", so
Kopf. Die ÖVP habe an den Wettbewerb im Bahnbereich hohe Erwartungen, mehr
Bahnunternehmen bedeuteten eine bessere Qualität für die Fahrgäste und die
Güterverkehrskunden. Daher sei das "trotz widriger Umstände aufkeimende
Wettbewerbspflänzchen Westbahn" zu hegen und zu pflegen, damit sich das "mutige
Unternehmertum" entfalten könne.
Die Westbahn fährt ab heute, mit dem Beginn des Winterfahrplans, elfmal
täglich von Wien nach Salzburg sowie retour. Da die ÖBB ihre 72 Verbindungen auf
der Strecke aufrechterhalten, haben Kunden auf dieser stark frequentierten
Strecke nun ein breiteres Zugangebot. Doch auch Bahnfahrer in ganz Österreich
könnten die Folgen der Liberalisierung spüren, allerdings in der Geldbörse: Wenn
die von der Westbahn angekündigte Klage gegen die ÖBB-Preisaktionen Erfolg hat,
müsste die Bundesbahn ihre Billigtickets in ganz Österreich einstellen.
Franzosen bei Westbahn dabei
Die Westbahn ist ein Projekt des Ex-ÖBB-Personenverkehrsmanagers Stefan
Wehinger mit dem Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und der französischen
Staatsbahn SNCF. Der Strabag-Chef hält über seine Haselsteiner-Privatstiftung
25,93 Prozent an der Westbahn-Muttergesellschaft Rail Holding AG, ebenso hoch
ist der Anteil der Stefan Wehinger Beteiligungs- und Beratungs GmbH und der
französischen Staatsbahn. Mit 22,21 Prozent ist die Schweizer Augusta Holding AG
beteiligt, laut Wehinger eine Gruppe von Schweizer Finanzinvestoren, die von
Erhard Grossnig vertreten wird. Als Geschäftsführer agiert der Vorarlberger
Wehinger. (APA)