Nahrungsergänzungsmittel

Ein Mangel, der keiner ist

11. Dezember 2011, 16:57
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    foto: segovax/www.pixelio.de

    Eine Tomaten-Pille, die beispielsweise 2009 auf den Markt kam, versprach vor Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen.

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Aus Angst vor Krankheiten schlucken viele Menschen gerade im Winter diverse Nahrungsergänzungsmittel - Meistens sind es diejenigen, die es gar nicht nötig hätten

Es gibt sie in zahllosen Formen und Farben: Vitaminpräparate, Spurenelemente und Mineralien, frei verkäuflich und enorm beliebt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung nimmt regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel. Ein Millionenmarkt, aber kein unumstrittener. Das Argument für die Verwendung solcher Mittel ist der angebliche Mangel an Mikronährstoffen im Essen. Egal, ob Paprika, Kraut, Äpfel oder Orangen: Was heute in den Handel kommt, enthält bei weitem nicht mehr so viele wertvolle Inhaltstoffe wie früher, behaupten viele Ergänzungsbefürworter. Und deshalb müsse der moderne Mensch eben mit Präparaten nachhelfen. "Das stimmt allerdings nicht", stellt die Ernährungswissenschafterin Gaby Kressel von der Universität Hannover klar. Diverse Nährwertanalysen zeigen, dass der Vitamingehalt von Obst und Gemüse nach wie vor ausreichend ist, erklärt die Wissenschafterin. Wer also genug davon isst, ist bestens versorgt.

Doch genau da liegt auch das Problem. In den westlichen Industriestaaten leiden viele Menschen trotz Überflusses unter Fehlernährung - zu viel Fastfood und industrielle Fertigmahlzeiten, zu wenig pflanzliche Frischkost. Wer pro Tag nur 2000 Kilokalorien zu sich nimmt, und dies in einseitiger Weise, hat bald ein Mangelproblem, meint Kressel. Der FleischWurst-Freak ist davon genauso betroffen wie manche figurfixierten Studentinnen, die sich praktisch nur noch von Salat ernähren. "Die Vielfältigkeit ist das Wichtige", betont sie. Die Einhaltung eines abwechslungsreichen Speiseplans beugt Defiziten vor, so simpel ist das. "Wer das allerdings nicht tut, landet irgendwann bei den Nahrungsergänzungsmitteln."

Bildungsproblem

Die Problematik tritt nicht überall gleichmäßig hervor. Es sind vornehmlich diejenigen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Kreisen, die unter Fehlernährung und Mangel an Mikronährstoffen leiden - oft mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. Hier können die Pillen tatsächlich Abhilfe schaffen, meint Kressel. In der Praxis sieht es jedoch anders aus. "Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist für bestimmte Bevölkerungsgruppen sinnvoll, aber die nehmen sie meist nicht. " Was bei den stolzen Preisen vieler Präparate vielleicht auch nicht verwunderlich ist.

Da wäre man mit frischem Obst und Gemüse besser bedient, betonen Ernährungsfachleute unermüdlich - doch anscheinend vergebens. Auch hierzulande ist der Grünkostverzehr nach wie vor deutlich zu gering, wie eine Untersuchung von Wissenschaftern der Universität Wien zum Obst- und Gemüsekonsum erwachsener Österreicher gezeigt hat (vgl.: Public Health & Nutrition, Bd. 13, S. 480). Die Hauptursache für das Defizit: Viele glauben einfach, sie kauen bereits genug Karotten und dergleichen - ein Irrtum.

Auf der anderen Seite sind gerade die Gesundheitsbewussten besonders fleißige Ergänzungsmittel-Konsumenten. Einer britischen Studie zufolge essen vor allem Frauen, die zusätzliche Mikronährstoffe schlucken, deutlich mehr Obst, Fisch, Olivenöl und andere gesunde Nahrung als die Pillen-Abstinenten (vgl. Nutritional Epidemiology, Bd. 135, S. 1782). Des Weiteren gibt es bei den Vitamin-Fans weniger Raucher, sie treiben häufiger Sport und trinken weniger Alkohol. Ihr Gesundheitszustand ist besser als der durchschnittliche, und trotzdem greifen sie beharrlich zu den Präparaten - Ähnliches gilt auch für eine ganze Reihe anderer europä-ischer Länder.

Die österreichische Ernährungswissenschafterin Angela Mörixbauer kann über solches Verhalten nur den Kopf schütteln. "Für Otto Normalverbraucher gibt es keinen Grund, Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, und ohne eine gescheite Anamnese durch einen Arzt und einen Ernährungsexperten ist das eh nicht empfehlenswert." Mit anderen Worten: Wer glaubt, unter einem Mangel zu leiden, sollte sich erst einmal untersuchen lassen.

Risiko Nierensteine

Die unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln birgt grundsätzlich Risiken, warnt Mörixbauer. "Wenn ich zum Beispiel Vitamin C über einen längeren Zeitraum hinweg in Konzentrationen von über einem Gramm pro Tag nehme, bekomme ich leicht ein Problem mit Nierensteinen."

Für einige Menschen allerdings, darunter schwangere Frauen, Veganer und manche Senioren, kann die zusätzliche Zufuhr von besonders wichtigen Stoffen wie Folsäure, Kalzium, Jod und Omega-3-Fettsäuren durchaus sinnvoll sein, sagt Gaby Kressel. "Es ist nicht alles Quatsch." Dem pflichtet auch Angela Mörixbauer bei und verweist auf aktuelle Untersuchungen zur medizinischen Bedeutung von Vitamin D. Hier scheint es zunehmend Defizite zu geben, weil viele von uns zu wenig draußen ans Tageslicht kommen und die Haut deshalb nicht selbst genug von dieser wichtigen Substanz produzieren kann. "Es werden immer mehr Stimmen laut, dass man Vitamin D sup- plementieren sollte", sagt Mörix- bauer. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD Printausgabe, 12.12.2011)

Wissen:

Proteine, Kohlenhydrate und Fette sind die Hauptbestandteile unserer Nahrung. Daneben spielen jedoch auch Mikronährstoffe eine lebenswichtige Rolle. Sie kommen nur in geringen bis winzigen Konzentrationen vor. Fachleute unterteilen sie in Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Bei den Vitaminen handelt es sich um eine chemisch äußerst vielfältige Gruppe. Sie umfasst relativ einfach gebaute Moleküle wie Ascorbinsäure (Vitamin C) und auch komplexe organische Verbindungen wie bestimmte Secosteroide (Vitamin D). Bei den Mineralien zählen vor allem Kalzium und Eisen zu den Stoffen mit Mangelpotenzial. Sie werden meistens in ionisierter Form vom Körper aufgenommen. Spurenelemente wie Selen können in hohe Dosierungen stark giftig sein.

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Anu
 
24
12.12.2011, 10:03
Ungerecht

ist, dass Leute die unnötige, eventuell schädliche und teuer eingekaufte Nahrungsergänzungsmittel nehmen, auch noch einen besseren Gesundheitszustand haben, weniger rauchen und saufen, gesünder essen, häufiger Sport betreiben, besser gebildet sind und vermutlich mehr verdienen und länger leben.

Inspektor Barnabys Ghoul
00
12.12.2011, 12:49

finde ich interessant, bitte die entsprechende studie angeben, ich möchte mir das genauer ansehen

marty fink
00
12.12.2011, 12:18
Ich versteh den Schluss auf die Nahrungsergänzungsmittel nicht...

G. B. Corner
00
12.12.2011, 11:55

Was erwarten Sie, mit einem ÖVP-Gesundheitsminister ;)

Salz Burger
00
28.2.2012, 14:06

Das er seinen Job macht, genauso wie ein Minister von jeder anderen Partei. Das tut er vermulich.

Sie gehören wohl auch zu den Leuten, die meinen, die Regierung wäre für alles verantwortlich und zuständig. Jetzt ist mir auch klar, warum die Kirchen lange Zeit bis ins Schlafzimmer sich einmischen konnten: Manche Menschen wollen, das ihnen jemand sagt, was sie tun sollen.

Ferdinand Lachinger
112
12.12.2011, 09:15

Solche Dinge sollte man in der Schule lernen, anstatt das Großteil unnötige Zeugs das gelehrt wird.
z.B. Wer braucht im Leben all die Mathematik die uns da eingetrichtert wurde? Aber was man wircklich braucht, davon hört man nix!
Ich war sogar in einem technischen Beruf tätig und hab bis auf die Grundrechnungsarten nichts davon jemals gebraucht.

wuca
00
14.12.2011, 19:03

technische berufe, wo sie kein mathematik brauchen sind keine technischen berufe...
(und nicht alles was mit -techniker aufhört ist auch ein technischer beruf)

Karl600
00

Z.b. Zahntechniker....

Ferdinand Lachinger
00
15.12.2011, 06:46

Na entscheiden sie selbst ob Fermeldetechnik kein technischer Beruf ist. Um noch genauer zu sein ich habe Systeme gewartet und repariert.

Got Your Nose!
00
20.12.2011, 12:17

ich brauch zum reparieren von irgendwas auch keine höhjere mathematik. die brauchen die, die diese geräte bauen. und deswegen wird das auch alles in der oberstufe gelehrt. die bereitet nämlich auf das studium vor!

metall81
02
12.12.2011, 16:41
Ich war sogar in einem technischen Beruf tätig und hab bis auf die Grundrechnungsarten nichts davon jemals gebraucht.

"Gebäudereinigungstechniker" ist nicht wirklich ein technischer Beruf....

nm9
00
12.12.2011, 16:39
und die ganze Biochemie

die die Ernährungswissenschaftler brauchen geht ganz ohne Mathematik, oder wie?

der 48er
00
12.12.2011, 14:07
Latein!

erinnert mich an: "Latein! Wer braucht Latein! Turnen sollen die Buam, Fuaßboi spün. Ich kenne Lehrer, das sind Trotteln!".

:-)

Hanse, bist du's?

Toeris
03
12.12.2011, 10:48

So ähnlich denken Taliban auch.

molekühl
16
12.12.2011, 09:35

Lieber Herr Lachinger,
machen wir ein Experiment: verbieten wir ein Jahr lang in Österreich die professionelle Verwendung jedweder Mathematik, die die Grundrechnungsarten übersteigt (Sie haben sie ja selbst als "Techniker" auch nicht gebraucht, also wozu soll sie überhaupt gut sein?). Ich sage voraus: das wird nicht gutgehen...
Wir leben in einer hochkomplexen Gesellschaft, die aber nebenbei extrem protektiv mit denen umgeht, die dafür eigentlich zu einfach gestrickt sind. Schliessen Sie daraus bitte nicht auf die allgemeine Verzichtbarkeit komplexen Wissens.
Zwei Seiten Ernährungsberatung wären auch ein bisserl wenig Stoff für neun Jahre Pflichtschule.

Ferdinand Lachinger
10
12.12.2011, 15:58

.... sollen die gscheit Mathematik lernen die es wircklich brauchen.... man sieht ja wie es derzeit zugeht, scheinbar können so manche die es können sollten nicht rechnen.

zellu lloyd
01
15.12.2011, 14:39

ein bisschen Rechtschreibung etc. würde auch nicht schaden! (wirklich! und nicht nur scheinbar, sondern mindestens anscheinend)

Ferdinand Lachinger
10
20.12.2011, 09:27

Na wenn Rechtschreibung Ihre größte Sorge ist, müssen Sie ein glücklicher mensch sein.
Gratulation!

Got Your Nose!
01
13.12.2011, 10:47

ich habe tatsächlich in einem nicht technischen studium eine kurve diskutieren müssen. ich hbae logarithmen gebraucht. ich brauche nach wie vor statistik und wahrscheinlichkeitsrechnung. alles eigentlich oberstufenstoff, würde ich behaupten. wie kommt das?

Ferdinand Lachinger
10
20.12.2011, 09:35

...ganz einfach sie sind einer der wenigen der es wircklich braucht .... fragen sie mal in Ihrem Bekanntenkreis wie viele das brauchen ....
Und ich habe nie gesagt das Mathematik unnötig ist.

Got Your Nose!
00
20.12.2011, 12:15

übrigens: was sie wirklich hätten lernen sollen war die rechtschreibung, sonst würden sie nicht dauernd "wirklich" mit "ck" schreiben.

Ferdinand Lachinger
10
23.12.2011, 08:13

... genau das meinte Ich, wir fixieren uns an Nebensächlichkeiten und nicht um was es wircklich geht. Haben Sie mich wegen dem zuvielen "C" etwa nicht verstanden???

Got Your Nose!
01
23.12.2011, 10:13

es passt einfach herrlich ins bild, wenn jemand, der sich über all den "unnützen ballast", den er in der schule zu lernen gezwungen war, aufregt, und dann nicht weiß, wie man einfache wörter schreibt.
gesunde ernährung, mit geld umgehen, bügeln, ikeamöbel zusammenbauen, fernseher anschließen, selbser anziehen, etc. lernt man von den eltern.

Got Your Nose!
01
20.12.2011, 12:13

doch haben sie. man soll die mathematik lernen "die man wirklich braucht". ich hab auch in der schule geflucht, wozu man denn all den mist brauchen sollte, aber jetzt, ein paar jahre später, bedauere ich eher, nicht noch mehr "unnützes" gelernt zu haben.
und ich bin sicher nicht "einer der wenigen". sogar in der geiwi darf man sich mit dieser "unnützen" mathematik beschäftigen. ja, statistik ist oberstufenstoff. und kurven interpretieren erst...

Ferdinand Lachinger
10
23.12.2011, 08:20

Ich finde es sinnvoller mehr über Dinge zu lernen die ich wircklich brauche im Leben wie z.B. was kann ich tun um gesund zu bleiben, wie finde ich eine Wohnung wie gehe ich mit meinem Geld um .... anstatt Themen die ich kaum im Leben brauche wie z.B. Jahreszahlen auswendig lernen über Ereignisse in der Geschichte oder Gleichungen mit Unbekannten ...
Das habe ich ganz einfach gemeint und ich bin voll fürs lernen nur noch zur Klarstellung

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