Benzemas Blitztor nach einer Minute und ein nahezu verrücktes Pressing reichen Königlichen nicht - Blaugrana kontert sich zum 3:1
Der FC Barcelona ist zurück im Titelrennen der spanischen Primera Division. Im Auswärtsspiel beim Erz- und Hauptrivalen Real Madrid sicherte sich die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola einen 3:1-Sieg.
Dabei startete das Spiel im ausverkauften Estadio Santiago Bernabeu für die Madrilenen wie nach Wunsch. Ein horrender Fehlpass von Barcelona-Schlussmann Valdes hatte nach nur 24 Sekunden das 1:0 durch Benzema zur Folge. Die Königlichen hatten immerhin die letzten 72 Ligaspiele nicht mehr verloren, in denen sie in Führung gegangen waren. Mit herausragend hohem Pressing - immer wieder mit vier bis sechs Spielern bis zum gegnerischen Fünfer - machten sie dem Titelverteidiger auch in der Folge zu schaffen. Das gewohnte Spiel mit radikalem Ballbesitz konnte Barça nie aufziehen, mehr davon hatte das Team dennoch.
Trotz aller Bemühungen und Laufarbeit konnte Jose Mourinhos Mannschaft die Klasse der Gäste nicht völlig eindämmen. Nach Chancen auf beiden Seiten - vergeben auch von den Superstars Ronaldo und Messi - war schließlich der Chilene Alexis nicht mehr zu halten und überwand im Konter Madrids Schlussmann Casillas nach einer gespielten halben Stunde. Das temporeiche Spiel, bei dem sich beide Mannschaften nicht lange mit dem Spielaufbau beschäftigten und schnell nach vorne zu spielen versuchten, ging gerecht mit einem Remis in die Pause.
Härte nimmt zu
Auch nach dieser veränderte sich die Spielanlage vorerst kaum. Ein offener Schlagabtausch tat sich auf, wurde allerdings mit Fortdauer des Spiels zunehmend rabiater. Nur der umsichtig-nachsichtigen Spielleitung von Referee Borbalan war es zu verdanken, dass nicht mehrere Spieler des Platzes verwiesen wurden. Wobei Barcelona ungewohnterweise die Härteeinlage eröffnete, Real aber zuverlässig die Oberhand in dieser Disziplin gewann. Selbst der für gewöhnlich unverdächtige Messi wandelte nach einer Gelben Karte wegen Meckerns und einem Foul an Alonso am Rande eines Ausschlusses - die üblichen Verdächtigen wie Pepe natürlich auch.
Das galt besonders nach dem Rückstand des Heimteams in der 53. Minute, bei dem ein Schuss von Xavi durch Marcelo unhaltbar abgefälscht wurde. Casillas musste am Weg ins falsche Eck notgedrungen umdrehen und stolperte dem höhnisch über die Linie päppelnden Ball erfolglos nach.
Mourinho nahm Risiko und stellte auf immer mehr Offensive - brachte Kaka für den glanzlosen Özil und Higuain anstelle von Di Maria. Nach 66 Minuten folgte mit dem 3:1 die Entscheidung aber aus einem Konter auf der anderen Seite. Der überragende Alves tauchte einmal mehr auf der rechten Seite auf, brachte eine perfekte Flanke auf Fabregas zur Mitte und der von Arsenal gekommene Nationalspieler setzte sich an Ort und Stelle auch hervorragend gegen Coentrao durch. Unmittelbar davor vergab Ronaldo einen weiteren Sitzer.
Real gab das Spiel nicht auf, das neben Härte und zahlreichen Rudelbildungen auch ein durchgehend hohes Maß an Klasse und Premier League-artigem Flipperfußball zu bieten hatte. Doch Guardiola verstärkte seine Abwehrkräfte, nahm etwa Fabregas vom Feld, um mit Keita das Mittelfeld besser zu beherschen.
Real vernebelte dennoch verbleibende Chancen zu kläglich - hatte etwa bei einer mehr zufälligen als kontrollierten Abwehr eines Kaka-Schusses durch Valdes auch Pech. Doch auch die Blaugrana hätte im Konter noch das ein oder andere Tor nachlegen können. Nach dem Schlusspfiff des Spiels (das wie durch ein Wunder ohne Ausschlüsse und Verletzte auskam) gab es am Feld schließlich ein Händeschütteln zwischen den Beteiligten.
Barcelona liegt (mit einem Spiel mehr) nun punktegleich mit 37 Punkten vor Real. Von hinten haben die beiden Elitevereine nichts zu befürchten. Der erste Verfolger Valencia unterlag trotz Führung beim abstiegsgefährdeten Real Betis Sevilla mit 1:2 und liegt bereits sieben Zähler zurück. (tsc, derStandard.at, 11.12.2011)